Otto Dix
Workshop in Seoul
Workshop in Seoul
Workshop in Seoul

Fotos: Wiebke Trunk, 2010

Kunststudenten – wie über eigene Bilder reden und über fehlende Erinnerungen?

Resumee des Workshops zur Otto-Dix-Ausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Seoul

Am Workshop in Seoul nahmen Studentinnen und Studenten (Malerei und Bildhauerei) der Kunsthochschule der Seoul National University teil. Das Museum, in dem die Grafiken von Otto Dix ausgestellt waren, ist Teil der Universität und liegt wie alle Einrichtungen auch auf dem weiträumigen Gelände des universitären Campus.

Ausgangspunkt für die Aktion war – wie in allen Workshops für diese Ausstellung – der Vergleich aktueller Bilder von Gewalt und Aggression mit den ausgestellten Arbeiten von Dix aus den zwanziger Jahren. Wir trafen uns zunächst im Ausstellungsraum, um hier gemeinsam über Bezüge, Unterschiede und Ähnlichkeiten dieser Abbildungen zu sprechen und um die Blätter aus Printmedien, Büchern und aus dem Internet schließlich einzelnen Arbeiten von Dix zuzuordnen. Zufälligerweise kam während dieser Phase eine Besuchergruppe dazu, die die ausgelegten Bilder ebenfalls in Zusammenhang mit den ausgestellten Radierungen betrachten konnte. Das geschah sehr konzentriert und stumm.
Die Studentinnen und Studenten entwickelten im Anschluss an diese Zuordnung in ihren nahegelegenen Studios eigene Arbeiten und fügten sie wiederum in die Ausstellung ein. Den Abschluss des Tages bildete deshalb eine intensive Auseinandersetzung darüber, wie die jeweilige Zuordnung der eigenen Arbeiten in das Gefüge von aktuellen Abbildungen und denen von Dix zu verstehen sei.

Themen waren hier vor allem sexuelle Gewalt, die nicht vorhandenen Erinnerungen an den Koreakrieg (1950-53), den die jungen Studentinnen und Studenten (ca. 24 Jahre) alle nur aus Erzählungen oder dem Schweigen darüber kannten und das im April 2010 gesunkene Schiff der südkoreanischen Marine im Gelben Meer, bei dem fast 50 Menschen umkamen.

Das Besondere an diesem Workshop war die Tatsache, dass die Kunststudentinnen und Kunststudenten, die qua profession in erster Linie an einer individuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Bildmaterial interessiert waren, mit der Verbalisierung ihrer Arbeit in der Gruppe konfrontiert wurden. Die Gespräche, die wir führten, waren deshalb nicht zuletzt von der Frage bestimmt, wie man als Künstlerin und Künstler über die eigenen Arbeiten spricht und wie man dabei den Einbezug – wie im vorliegenden Fall, von ebenso unterschiedlichem wie heftigem Bildmaterial (kolportierte Erinnerung, eigene Erfahrung, gewohnte/bekannte Bilder) – argumentativ vermittelt; also die Frage, wie und ob man die Betrachterin und den Betrachter in die eigene Arbeit verbal einbezieht oder ob nicht vielmehr das Bild selbst als Aussage genügt. (Wiebke Trunk M.A.)

Leitung der Workshops: Wiebke Trunk, Kunstvermittlerin, Künstlerin und Dozentin an der Hochschule für Darstellende Kunst in Stuttgart
Teilnehmer/-innen: Kunststudentinnen und Kunststudenten der Seoul National University
Initiator: ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), Stuttgart
Veranstalter: Goethe-Institut Seoul und das Museum of Art der Seoul National University