Marcel Odenbach | Stille Bewegungen. Tranquil Motions
Marcel Odenbach: Verstörte Orte / Disturbed Places, 2007, Stills 1; 1 Videoprojektor, 2 Lautsprecher, 34.00 Min.; Leihgabe Marcel Odenbach; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst, Bonn, 2010
Marcel Odenbach: Verstörte Orte / Disturbed Places, 2007, Stills 2; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst, Bonn, 2010

Verstörte Orte / Disturbed Places, 2007
1 Videoprojektor, 2 Lautsprecher, 34.00 Min.
© (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010

In re-inszenierten Szenen führt der Film an verschiedene Orte Indiens, die unserem Bild des Landes zu entsprechen scheinen. Ein junger Mann in einem Stoffgeschäft kündigt an, er werde in fünf Episoden aus seinen Erinnerungen erzählen, bemerkt allerdings, dies seien „Episoden, die möglicherweise keinen Sinn ergeben und die man nicht glauben muss“. Die nachfolgenden Szenen speisen sich gleichermaßen aus idealisierten Vorstellungen der 1960er Jahre wie aus medialen Überformungen der Gegenwart: eine Rikschafahrt durch den Verkehr der Großstadt, ein Coffee-Shop, eine Zugfahrt, der Besuch einer religiösen Stätte, eine Fahrt auf dem Fluss. In langsamen, fließenden Sequenzen, von denen sich einige lose an Werner Herzogs Film Fitzcarraldo orientieren, entsteht eine Vorstellung von Gegenwart, die aktuelle Wahrnehmung und Erinnerung an westlich geprägte Ideale synthetisiert. Subtil eingeblendete Aufnahmen der Hippie-Kultur treffen auf scheinbar zeitlose, aus Perspektive der Protagonisten jedoch als altmodisch charakterisierte Orte und vergangene Begegnungen. Am Ende sitzt ein junger Mann am Bug eines Bootes und schreibt auf einer Schreibmaschine jene Sätze, die der Mann zu Beginn gesprochen hat.