Marcel Odenbach | Stille Bewegungen. Tranquil Motions
Marcel Odenbach: So lange der Ball rollt, Studie, 2010/2011; Verschiedene Medien auf Papier, Serie 4-teilig, je 36 x 48 cm; Kunstbestand Institut für Auslandsbeziehungen; Foto: Marcus Schneider; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst, Bonn, 2010

So lange der Ball rollt, Studie, 2010/2011
Verschiedene Medien auf Papier, Serie 4-teilig, je 36 x 48 cm
© (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010
Foto: Marcus Schneider

Fußball ist ein Ort der Integration und begeistert Menschen unterschiedlichster Herkunft. Er ist aber auch ein Schauplatz von Ausgrenzung und regionaler und nationaler Konkurrenz, eine Arena von Gewinnern und Verlierern. Die vierteilige Arbeit So lange der Ball rollt variiert das Motiv der im Zweikampf befindlichen Fußballerbeine in unterschiedlichen Farben und vor unterschiedlichen Hintergründen: zweimal ganz auf die Beine fokussiert, ein anderes Mal auf das Motiv des Rasens und ein weiteres Mal auf das der Zuschauer. Immer ist es jedoch der enge, auf die zwei Beinpaare zugeschnittene Fokus, der die Arbeit dominiert. Die Vorlage zu dieser Collage bildet ein Zeitungsfoto, das eine Szene des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft von 1998 zeigt, Frankreich gegen Brasilien, das Frankreich 3:0 für sich entscheiden konnte. Die Nummer 15 zeigt an, wem die Beine gehören; es sind die Lilian Thurams, eines Innenverteidigers der damaligen französischen Nationalmannschaft. In einer Fußballweltmeisterschaft wird nationales Konkurrenzverhältnis an die unmittelbare, ganz physische Rivalität von 22 Männerkörpern delegiert. In Odenbachs Arbeit ist dieser Wettbewerb noch einmal auf den Zweikampf der Spieler zugespitzt, noch einmal reduziert auf das Körperliche, Entindividualisierte der Beinpaare, die im Fußball das Zentrum bilden, Körper und Ball vorantreibend. Wer läuft schneller, wer setzt sich durch?