Marcel Odenbach | Stille Bewegungen. Tranquil Motions
Marcel Odenbach: Schneewittchen, 2010; Collage auf Papier, 170 x 131 cm; Foto: Der Fotograf möchte ungenannt bleiben; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010; Courtesy Anton Kern Gallery, New York

Schneewittchen, 2010
Collage auf Papier, 170 x 131 cm
Foto: Der Fotograf möchte ungenannt bleiben
© (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010
Courtesy Anton Kern Gallery, New York

Der Titel dieser Arbeit zitiert das gleichnamige und von den Gebrüdern Grimm niedergeschriebene Märchen. In der Geschichte bietet die böse Königin, als Händlerin verkleidet, Schneewittchen Dinge an, welche ihren Tod herbeiführen sollen. Eines davon führt sie zum Ziel: die rote und vergiftete Hälfte eines Apfels. Schneewittchen lässt sich verführen und beißt in diesen Apfel. So wie im Märchen stehen auch die Äpfel in dieser Arbeit zusammengenommen für die Verführung. Jeder einzelne Apfel aber wurde aus Bildern unterschiedlichster Quellen collagiert und beleuchtet damit einen spezifischen Moment der Verführung. Es gibt den Apfel, der sich der Politik als Verführungsinstrument widmet. Ein anderer Apfel zeigt die  Weltreligionen, ein weiterer die Sexualität und ein vierter die Idole unserer Mediengesellschaft. Nur ein Apfel hat eine ganz persönliche Komponente. Hier zeigt uns der Künstler den jüdischen Zweig seiner Familie, die den Apfel im Namen trägt. Ein Apfel ist eben nicht nur ein Symbol der Verführung, sondern auch das Symbol einer Herkunft und fällt niemals weit vom Stamm.