Marcel Odenbach | Stille Bewegungen. Tranquil Motions
Marcel Odenbach: In stillen Teichen lauern Krokodile/In Still Waters Crocodiles Lurk (Galerie André Buchmann, Köln, 2004), 2004/2003; Leihgabe Marcel Odenbach; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010
Marcel Odenbach: In stillen Teichen lauern Krokodile/In Still Waters Crocodiles Lurk (Galerie André Buchmann, Köln, 2004), 2004/2003; Leihgabe Marcel Odenbach; © (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010

In stillen Teichen lauern Krokodile / In Still Waters Crocodiles Lurk, 2004/2003
2 Videoprojektoren, 4 Lautsprecher; 31.20 Min.
© (Marcel Odenbach) VG Bild-Kunst Bonn, 2010
Installation: Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart, Berlin, 2006
© Foto: Jens Ziehe

Im Zentrum von In stillen Teichen lauern Krokodile / In Still Waters Crocodiles Lurk steht der Genozid in Ruanda, dem zwischen April und Juli 1994 fast ausschließlich Tutsi zum Opfer fielen. Ausgehend von historischem Dokumentationsmaterial und Ausschnitten aus dem Filmarchiv der UNO nähert sich Odenbach in der halbstündigen, zweiteiligen Videoprojektion den Auswirkungen dieses Genozids in einem Land, das einerseits die Mörder verurteilen, andererseits die Völker versöhnen muss. Die Verbrechen selbst werden kaum explizit gezeigt. Stattdessen sehen wir scheinbar alltägliche Szenen, die von einer ausgesprochenen Stille und Langsamkeit geprägt sind. Bauern arbeiten in den Bananenfeldern, Gefangene in einer Ziegelei, Kühe werden gemolken, der Regen fällt nieder auf paradiesische Hügellandschaften. Allein auf der Tonspur ist wiederkehrend die Hetzpropaganda aus dem Radio zu hören, welche die Hutu aufforderte, sich ihrer ehemaligen Nachbarn zu entledigen. In der Videoinstallation selbst wird kein Urteil zu dem Geschehen abgegeben, kein historischer Erklärungsversuch geliefert. Die stark suggestiven Bilder verwandeln den Betrachter vielmehr in einen Beobachter, der aufgefordert ist, sich selbst eine Meinung zu bilden.