Katharina Hinsberg: Nulla dies sine linea # 3, 2001, Isograf auf Papier, gestapelt, 932 Einzelblätter; © (Katharina Hinsberg) VG Bild-Kunst Bonn, 2010; Foto: Friedrich Rosenstiel
Nulla dies sine linea # 3, 2001, Isograf auf Papier, gestapelt, 932 Einzelblätter
© (Katharina Hinsberg) VG Bild-Kunst Bonn, 2010
Fotos: Friedrich Rosenstiel
Linie Line Linea. Zeichnung der Gegenwart

Katharina Hinsberg stellt grundsätzliche Fragen nach der Zeit, dem Raum und der Subjektivität des Zeichnens. In Nulla dies sine linea (Kein Tag ohne Linie) zeichnet sie mit einem Lineal eine Linie, die das Blatt Papier exakt in der Mitte teilt. Sie legt ein weiteres Blatt darauf und versucht, die durchscheinende Linie freihändig zu wiederholen. Schon bei diesem Versuch weicht die Linie etwas von der vorhergehenden ab. In den folgenden Blättern wird die Abweichung immer größer und die Linie entfernt sich immer mehr von der Ausgangslinie. Schließlich entsteht ein Block von 932 Blättern, der verdeutlicht, dass sich die von der Hand des Künstlers gezeichnete Linie einer mechanischen Wiederholung verweigert und ihre Freiheit bewahrt. Auch in den anderen Arbeiten beschäftigt sich Hinsberg mit der Erscheinung der Linie. Mit einem Skalpell schneidet sie Teile der mit roter Acrylfarbe oder Bleistift gezeichneten Linien heraus, so dass räumliche Raster entstehen. Die Linien sind nicht mehr als Farbe oder Bleistift sichtbar, sondern als von Licht und Schatten belebte Leere. Obwohl die Linien entfernt werden, bleiben sie erhalten.