Futur Perfekt. Zeitgenössische Kunst aus Deutschland
Henrik Olesen: A.T., 2012, Computercollage auf Karton, 20 Blätter; Foto: Lothar Schnepf; © Henrik Olesen; Galerie Buchholz, Berlin/Köln, Courtesy: Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Den Themen Ausschnitt, Ausschluss, Anschluss widmet sich Henrik Olesens Arbeit in einem körperbezogenen politischen Kontext. Es geht um den eigenen Körper und den der anderen, die Produktion von Körper und Raum um ihn herum. Henrik Olesen (1967 in Esbjerg, Dänemark geboren) hat dem Erfinder des binären Codes und Pionier des Computerzeitalters Alan Turing (1912–1954) mehrere Werkzyklen gewidmet. In seiner Collagen-Edition "A.T." (2012) veranschaulicht er die brutale und tragische Übertragung dualer Abstraktion auf die physische und mentale Integrität des Mathematikers. Turing leistete wesentliche Grundlagenforschung für die Informations- und Computertechnologie sowie zur theoretischen Biologie. Während des Zweiten Weltkriegs war er maßgeblich an der Dechiffrierung verschlüsselter deutscher Funksprüche beteiligt. 1952 wurde er aufgrund seiner Homosexualität psychiatrisch zwangsbehandelt und "chemisch kastriert", durfte nicht mehr für den Geheimdienst arbeiten, erkrankte an Depressionen und endete im Suizid. Erst im Jahr 2009 sprach der britische Premierminister Gordon Brown eine offizielle Entschuldigung im Namen der Regierung für die damalige "entsetzliche Behandlung" Turings aus.

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A.T., 2012, Computercollage auf Karton, 20 Blätter; Foto: Lothar Schnepf; © Henrik Olesen; Galerie Buchholz, Berlin/Köln, Courtesy: Galerie Buchholz, Berlin/Köln