Tobias Zielony: The Citizen, 2015 © Courtesy Tobias Zielony & KOW

Tobias Zielony: The Citizen

Über die Migration von Menschen und die Präsenz des Anderen

In Tobias Zielonys Arbeit stehen nicht die liquid images des Internetzeitalters im Vordergrund, sondern die printed page der Zeitung. Seine Serie The Citizen setzt sich mit der Migration von Menschen aus Afrika nach Deutschland auseinander. Noch lange bevor diese politische Frage zum großen Thema der europäischen Politik 2015 wurde, begleitete Zielony Aktivisten unter den afrikanischen Refugees in Deutschland und hielt ihren Kampf um Bleiberecht und Anerkennung ihrer politischen Rechte fest – in fotografischen Bildern aber auch in Texten und Statements. Von dem Engagement dieser Menschen wiederum berichtete Zielony Autoren und Journalisten aus den afrikanischen Herkunftsländern, die dem Einsatz ihrer Landsleute Artikeln in afrikanischen Zeitungen widmeten.

Die Installation Zielonys besteht daher aus vier Teilen, die zusammen ein Ganzes formen: aus großen Bildtafeln für die Wand, auf denen der junge Sudanese Ahmed al-Nour vorgestellt wird, aus mehreren Tischvitrinen, in denen anhand kleinformatiger Fotografien die Geschichten anderer Aktivisten erzählt wird, zwei große Glaskästen an der Wand mit den entsprechenden Seiten der afrikanischen Zeitungen, die über Zielonys Arbeit berichten, zuletzt noch eine eigens von Zielony editierte und herausgegebene Zeitung, die die Zeugnisse und Erzählungen der Flüchtlinge enthalten und von den Besuchern mitgenommen werden kann.

Tobias Zielony: The Citizen, 2015 © Courtesy Tobias Zielony & KOW
Blick in den Deutschen Pavillon 2015: Tobias Zielony: The Citizen, 2015; Foto: Manuel Reinartz
Activists protest on a rooftop in Berlin-Kreuzberg; Tobias Zielony: The Citizen, 2015 © Courtesy Tobias Zielony & KOW
Tobias Zielony; Foto © Diane Vincent

Tobias Zielony, geboren 1973, lebt und arbeitet als Künstler in Berlin. Er studierte Dokumentarfotografie an der University of Wales, Newport, und in der Klasse und Meisterschülerklasse von Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ausgangspunkt seiner Arbeit war zunächst die Beobachtung einer globalen Jugendkultur, oftmals in den aufgegebenen Räumen postindustrieller Strukturen und schrumpfender Städte. In den vergangenen Jahren setzen sich seine Fotografien und Filme mit den Marginalisierten kapitalistischer Gesellschaften auseinander. Sie reflektieren tradierte fotografische Erzählweisen und lassen sich als Alternative zu den hergebrachten Formen des Dokumentarischen lesen. Die Kamera versteht Zielony als Bühne für seine Protagonisten.

 

Zuletzt waren seine Arbeiten in folgenden Ausstellungen zusehen: Dream Lovers. The Films 2008–2014, KOW, Berlin/ Galleria Lia Rumma, Neapel (2015), Vele, Esker Foundation, Calgary (2014), Lichtwark revisited, Hamburger Kunsthalle (2014), Jenny Jenny, Berlinische Galerie, Berlin (2013), Live Cinema / Peripheral Stages(mit Mohamed Bourouissa), MAXXI Museo Nazionale delle Arte del XXI Secolo, Rom, und Philadelphia Museum of Art (2012), Tobias Zielony: Manitoba, MMK Zollamt, Frankfurt am Main (2012).

Fabrik. Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon. – Stuttgart: ifa, 2015. – 220 S

Ausstellungskatalog

Fabrik. Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon. – Stuttgart: ifa, 2015. – 220 S. Bestellen auf ifa Media