Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, Filmstill, 2015 © Jasmina Metwaly & Philip Rizk and courtesy Sfeir-Semler Gallery

Jasmina Metwaly und Philip Rizk: Out in the Streets

Kammerspiel über den Dächern Kairos

Das zentrale Element in dem Beitrag von Jasmina Metwaly und Philip Rizk besteht in erster Linie aus ihrem Film Out in the Streets. Dessen Gegenstand ist ein inszenierter Theaterworkshop – eine Art Kammerspiel – das die beiden jungen ägyptischen Künstler und Filmemacher in einem improvisierten Studio auf einer Dachterrasse in Kairo mit Laiendarstellern, Arbeitern und Tagelöhnern aus einem Kairoer Arbeiterviertel aufführen. Auf exemplarische Weise erzählen sie eine Abhandlung über die Privatisierung und anschließende Abwicklung eines staatlichen Unternehmens. Gleichzeitig berichtet ihr Spiel von der alltäglichen Demütigung, die die Menschen durch die staatliche Obrigkeit erfahren.

Dieser über 60-minütige Film wird in einer installativen Form zu sehen sein und um weitere Dokumente ergänzt. Elemente aus der improvisierten Workshop-Situation auf dem Dach begleiten die Projektion des Films. Einige Bodenfliesen des Dachs, auf dem dieser Workshop stattgefunden hat, werden mitreisen, und die filmische Erzählung in die Realität des Ausstellungsraums vor Ort öffnen.

Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, Filmstill, 2015 © Jasmina Metwaly & Philip Rizk and courtesy Sfeir-Semler Gallery
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, Filmstill, 2015 © Jasmina Metwaly & Philip Rizk and courtesy Sfeir-Semler Gallery
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, Filmstill, 2015 © Jasmina Metwaly & Philip Rizk and courtesy Sfeir-Semler Gallery

Jasmina Metwaly, geboren 1982, lebt und arbeitet als Künstlerin in Kairo. Sie studierte Malerei an der Akademie der Schönen Künste in Poznán. Sie ist Mitbegründerin des Medienkollektivs Mosireen, das sich während der Revolution 2011 in Ägypten formierte, um eine Plattform für den Bürgerjournalismus und ein Archiv der Revolution zu etablieren. Metwalys Arbeiten wurden bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale) und beim Internationalen Film Festival Rotterdam gezeigt. Mit ihren Beiträgen für Mosireen war sie auf der 7. Berlin Biennale (2012) und in der Ausstellung "Kairo. Offene Stadt. Neue Bilder einer andauernden Revolution" in Braunschweig, Essen und Hamburg (2012/13) vertreten. Ihre individuellen Arbeiten wurden in Galerien und Kunsträumen in Kairo, Ramallah, London und Breslau gezeigt. Seit 2010 arbeitet sie regelmäßig mit Philip Rizk zusammen. In ihren gemeinsamen Arbeiten geht es um neue Wege der Partizipation des Menschen als Subjekt seiner Geschichte und um neue Formen der filmischen und politischen Repräsentation.

 

Jasmina Metwaly und Philip Rizk; Foto: privat

Philip Rizk, geboren 1982, lebt und arbeitet als Filmemacher und Autor in Kairo. Er studierte Philosophie und Anthropologie. Seit 2009 arbeitet er mit Video. Seine erste Filmarbeit ist der Dokumentarkurzfilm "This Palestinian Life" (2009). 2010 schloss er die Kurzfilmserie "Sturm" ab, eine Zweikanal-Arbeit, die den Niedergang der Landwirtschaft und Industrie in Ägypten untersucht. Zusammen mit Jasmina Metwaly gründete Rizk 2011 das Videokollektiv "intifadat intifadat" und produzierte eine Reihe von Videos mit dem Titel "Remarking January 25". Er ist Mitglied des Medienkollektivs Mosireen. Seine Texte sind in verschiedenen Sammelbänden, im Journal of Human Geography und auf den Online-Plattformen Jadaliyya und Roar Magazine erschienen. Seine Filmarbeiten wurden in der Ausstellung "Kairo. Offene Stadt. Neue Bilder einer andauernden Revolution" sowie bei verschiedenen Filmfestivals in Europa und Nahost gezeigt, unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale). Seit 2010 arbeitet er regelmäßig mit Jasmina Metwaly.

Fabrik. Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon. – Stuttgart: ifa, 2015. – 220 S

Ausstellungskatalog

Fabrik. Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon. – Stuttgart: ifa, 2015. – 220 S. Bestellen auf ifa Media