Hito Steyerl: Factory of the Sun, Videostill, 2015 © Hito Steyerl

Hito Steyerl: Factory of the Sun

Teilhabe oder (Fern)Steuerung?

Die Videoinstallation "Factory of the Sun" gehört zu den am meisten diskutierten Arbeiten der letztjährigen Biennale. Im Artforum und in anderen Fachartikeln wurde die Arbeit zur einer der wichtigsten Entdeckungen des vergangenen Jahres gekürt. Factory of the Sun ist ein "interpassives Computerspiel", eine Abrechnung mit dem Mythos des Internets, welcher dem Einzelnen Teilhabe vorgaukelt und ihn doch zur Marionette macht. Zwischen unterschiedlichen Realitätsebenen changierend, setzt Steyerls Video den Kampf um das Internet in Szene; die fortschreitende Ökonomisierung trifft auf die alte Utopie des Internets als Ort der Freiheit. Der Titel der Arbeit Factory of the Sun leitet sich von der neuen materiellen Substanz unserer Bilder ab, die wie alle digitalen Informationen zu Lichtimpulsen reduziert werden und über die neuen Glasfaserkabel des Internets zirkulieren.

Im zentralen Bau des Deutschen Pavillons war Factory of the Sun als Rauminstallation aufwändig inszeniert. Ein Raster aus blauen Lichtstreifen verwandelte den Raum in ein Motion Capture Studio, in einen Aufnahmeort, an dem menschliche Bewegungen in Daten umgewandelt werden, als Grundlage eines jeden Computerspiels. Diese Installation wird in den wesentlichen Grundzügen auf Reisen gehen, die große, inklinierte Leinwand, das blaue Leuchtraster auf dem Boden, die Sonnenstühle.

Hito Steyerl: Factory of the Sun, Videostill, 2015 © Hito Steyerl
Hito Steyerl: Factory of the Sun, Videostill, 2015 © Hito Steyerl
Hito Steyerl: Factory of the Sun, Videostill, 2015 © Hito Steyerl
Hito Steyerl; Foto © Thomas Meyer, Ostkreuz

Hito Steyerl, geboren 1966, lebt und arbeitet als Künstlerin, Filmemacherin und Autorin in Berlin. Hito Steyerls Filme und Essays nehmen das digitale Bild zum Ausgangspunkt, um in eine Welt vorzudringen, in der die Strategien der Blendung sich als kollektives Verlangen manifestieren. Wenn also Krieg, Genozid, Kapitalstrom, Digitalmüll und Klassenkampf immer teilweise innerhalb von Bildern stattfinden, haben wir es nicht mehr länger mit der Virtualität, sondern mit einer irritierenden und potenziell fremden Dinglichkeit zu tun, die wir gerade erst zu begreifen beginnen. Die Welt der Bilder, erinnert uns Steyerl, ist heutzutage alles andere als flach. Und paradoxerweise begegnet uns deren Ethik gerade in ihren 'trashigen' und bedeutungslosen Winkeln. Denn dort gibt es keine Formenzwänge und das gänzlich Unbemerkte und Unerkannte tobt sich mit Lichtgeschwindigkeit an politischen Projekten aus. Dort verschmelzen Spektakel und Armut, um sich wieder zu trennen und dann miteinander zu tanzen." (Brian Kuan Wood)
Steyerls Arbeiten wurden weltweit bei zahlreichen Filmfestivals und Ausstellungen gezeigt, zuletzt im Artists Space, New York (2015), im Institute of Contemporary Arts (ICA), London (2014), im Van Abbemuseum, Eindhoven (2014), im Art Institute of Chicago (2013) und auf der Biennale di Venezia (2013). 2007 nahm sie an der documenta 12 teil.