Besichtigung der Ausstellung "Future Perfect" mit Lilian Scholtes in Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Nayeli Huizar

"Imaginar para Imaginar" – Ein Workshop mit Lilian Scholtes

Am 27. Juni 2017 reiste Lilian Scholtes von München nach Guadalajara in Mexiko. In ihrem Workshop "Imaginar para Imaginar" ("Imaginieren, um zu imaginieren") griff die Kunstvermittlerin die Interpretation von Kunstwerken durch den Betrachter als Grundlage für neues Schaffen auf. "Was ich als Aufgabe vorschlage ist, dass die Teilnehmer etwas in der Ausstellung suchen, das sie persönlich interessiert", sagte Scholtes über ihre Vorgehensweise. "Das kann alles sein: ein Werk an sich, eine Farbe, eine Relation zwischen zwei Werken oder die Bezüge zwischen dem Kunstwerk und der Architektur des Ortes. Es kann mit Instrumenten des Vergleichs gearbeitet werden, mit Differenzen oder mit Ähnlichkeiten".

Von Ana Paula Santana

Lilian Scholtes, die Leiterin des Workshops, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Nayeli Huizar

Der viertägige Workshop fand im Innenhof des Kunstmuseums der Universität Guadalajara (MUSA) statt. Am ersten Tag besuchten die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer die Ausstellung "Future Perfect. Zeitgenössische Kunst aus Deutschland". Die Ausstellung, die seit 2013 um die Welt reist, versammelt Filme, Fotografien, Skulpturen, Objekte, Malerei und Collagen von sechzehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Zukunftsvorstellungen und Spekulationen über den Verlauf der Geschichte beschäftigen. Der Schwerpunkt des Workshops liege in der Schaffung von etwas Neuem und nicht in der Analyse des bereits Geschaffenen, erklärte Scholtes. "Es geht nicht um die Interpretation der Kunstwerke, sondern um eine materielle Praxis der Kontaktaufnahme mit dem Werk. Davon ausgehend werden das Material des Werkes und dessen Bezug zum Betrachter zum Ausdruck gebracht. Es geht um die Form und das Material, einschließlich des eigenen Körpers, als Material der Bewegung und der Aktion. Und es geht darum, Ästhetik als Einstellung gegenüber der Welt zu verstehen". Am zweiten und dritten Tag arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit verschiedenen Materialien, um eigene Arbeiten zu kreieren. Diese präsentierten sie am vierten Workshop-Tag der Öffentlichkeit.

Sara arbeitet an ihrer Lichtinstallation, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Andrés Blanco
Sara bei der Arbeit, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Sara arbeitet an ihrer Lichtinstallation, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Andrés Blanco

Sara, Philosophie- und Sozialwissenschaftsstudentin sowie Autodidaktin in Malerei und Bildhauerei, entwarf eine Azetat-Lichtinstallation, bei der sich die Besucher in die Komposition und Farbauswahl einbringen konnten. "Es ist das erste Mal, dass ich mich näher mit Installation beschäftige", sagte Sara. "Das ist ganz anders als zu malen. Beim Malen verändert sich das Bild zwar, bleibt aber bestehen. Bei der Installation dagegen geht es darum, Bilder zu kreieren, sie verschwinden zu lassen und wieder bei null anzufangen. Das ist sehr schön!" 

Ernesto bei der Arbeit, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Maribel Barajas

Ernesto, Absolvent der Architektur und autodidaktischer Maler, schuf ein Werk aus Trockeneis, das die Dualität von Narben und Verletzungen im Sein repräsentiert. "Ich hatte viele Ideen und Gefühle als ich mit der Arbeit anfing. Ich stellte die Ausschnitte wie Haut dar, verwundete Haut. Nicht etwa deswegen, weil das Vorhandensein von Schnitten oder Narben etwas Schlechtes bedeutet. Sondern weil die dramatischen Erfahrungen, die jemand hat, auch Erfahrungen sind. Die Dualität ist ein Teil davon: Auf der einen Seite der Riss, auf der anderen Seite das Subtile wo die Gefühle sichtbar werden."

Chuy mit Lilian Scholtes, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Ernesto bei der Arbeit, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Maribel Barajas

Grafikdesigner Chuy ließ sich durch das Werk von Mariana Castillo Deball inspirieren. "Mir gefallen organische Formen sehr. Und als ich das Material angeschaut habe, sah ich vor allem Linien. Ich sagte mir: 'aus den Linien mache ich Striche und Figuren'. Also nahm ich das Material, als ob es ein Stift wäre. Es ist so, als würde ich mit dem Faden in der Luft zeichnen."

Hérnan im Vogelkostüm, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Hérnan im Vogelkostüm, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Andrés Blanco
Hérnan im Vogelkostüm, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Andrés Blanco

Hernán, Ingenieur, interessiert sich seit einigen Jahren für Kunst als Ruhe- und Konzentrationsübung. Im Workshop von Lilian Scholtes entwarf er eine Vogel-Verkleidung, mit der er am Tag der Workshop-Präsentation eine Performance aufführte. "Ich wurde durch ein besonderes Detail inspiriert: einen Vogel aus der Arbeit von Mariana Castillo Deball. In der Verwendung von Stoffen ließ ich mich außerdem von dem Werk von Yorgos Sapountzis inspirieren."

Karim und Ernesto bei der Arbeit, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Maribel Barajas

Der Fotograf Karim nannte seine Arbeit "Exposed": ein Triptychon aus Fotos, die mit verschiedenen Materialien bearbeitet wurden. "Ich wurde durch zwei Stücke der Ausstellung angeregt: die Postkarten von Cyprien Gaillard und das Werk über Alan Turing von Henrik Olesen. Ich habe meine Wahrnehmung von meiner Umgebung und die beiden Techniken miteinander verbunden. Bei den Postkarten überdeckte ich das Bild nicht, sondern entnahm es, entzog es. Wir Fotografen machen oft Aufnahmen von Menschen, wissen hinterher aber nie, was mit ihnen ist. Die Fotos, die ich für 'Exposed' verwendete stammen von einer Reise durch den Bundesstaat Jalisco. Dabei habe ich mich ausführlich mit dem Leuten unterhalten, die ich fotografierte. Als ich in den Workshop kam wollte ich mit diesen Fotos arbeiten, ohne aber die Gesichter zu zeigen. Ich wollte vielmehr, dass die Betrachter die Lücken selbst mit ihrer eigenen Wahrnehmung und Vorstellungskraft ausfüllen."

Manuel und zwei weitere Workshop-Teilnehmerinnen, Guadalajara, Mexiko, 2017 © FototecaMusa/Andrés Blanco

Manuel, Kulturmanager und bildender Künstler, schuf eine Skulptureninstallation, die als wichtigster Kanal für eine rituelle Handlung diente."Meine Arbeit in diesem Workshop basiert auf dem Gemälde von Antje Majewski. Ich besitze Kleidung, wie die, die dort abgebildet ist. Deswegen will ich mich so anziehen und ein Ritual durchführen", sagte Manuel. Er lud die Zuschauer ein, ihre Wünsche aufzuschreiben und in einem bunten Pferd zu hinterlegen."Ich habe Wörter verwendet, die die Leute in dem Sinne "Kunst ist lustig, Halte inne und sei glücklich" interpretieren werden, damit sie sich für ihr Glück ins Zeug legen."

Nasan Tur: Backpacks, 2006; Courtesy: Nasan Tur, © (Nasan Tur) VG Bild-Kunst, Bonn 2013, Foto: Nasan Tur

Future Perfect

Eine Ausstellung über zeitgenössische Kunst

Ausstellungseröffnungen

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01.11.2017 | Oʻzbekiston Davlat Sanʼat muzeyi, Taschkent
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03.11.2017, 13:00 Uhr - 14:00 Uhr | Jakarta
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21.11.2017 | Complexul Muzeal Național Moldova Iași
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14.12.2017, 12:00 Uhr - 13:00 Uhr | Gordur
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