AKBP in Staaten im Umbruch am Beispiel Myanmar
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AKBP in Staaten im Umbruch am Beispiel Myanmar
AKBP in Staaten im Umbruch am Beispiel Myanmar

AKBP in Staaten im Umbruch am Beispiel Myanmar

Workshop
11.11.2013 | Bonn

Nach der Öffnung: Deutschland im Dialog mit Myanmar

Von Anna Kaitinnis/Dorothea Grassmann

Die Jahrzehnte lange Militärdiktatur in Myanmar ist zu Ende. Seit 2010 ändern sich in Myanmar die politischen Rahmenbedingungen und damit auch die bilateralen Beziehungen: Im Juli 2013 unterzeichneten Deutschland und Myanmar ein Kulturabkommen.

Mit welchen Problemen sehen Kulturschaffende und Wissenschaftler aus Myanmar ihr Land im Demokratisierungsprozess konfrontiert? Wo gibt es Anknüpfungspunkte der Deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, um den Transformationsprozess mit zivilgesellschaftlichen Akteuren in Myanmar zu begleiten?

ifa und BICC (Bonn International Center for Conversion) luden am 11. November 2013 20 Experten der AKBP, der Friedens- und Konfliktforschung, der Demokratisierungsforschung, Myanmar-Experten sowie Künstler und Kulturschaffende aus Myanmar zu einem Erfahrungsaustausch ein.

Hürden auf dem Weg zur Demokratie

Den Weg zur Demokratie in Myanmar kennzeichnen derzeit vor allen zwei Hürden: ein fragiler Frieden sowie Altlasten aus der Militärdiktatur. Dr. Gerhard Will, Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht den fragilen Frieden im Spannungsverhältnis zwischen der Zentralregierung und bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten begründet. Zudem gäbe es Konflikte zwischen einzelnen Fraktionen innerhalb des Militärs. Die Tatsache, dass sich die aktuelle Regierung überwiegend aus den alten Eliten und dem dazugehörigen Administrationsapparat zusammensetze, erschwere zudem die Schaffung einer neuen sozialen und wirtschaftlichen Basis. Dr. Khin Zaw Win, Direktor des Tampadipa Institut in Myanmar, identifizierte als weitere Hürden das Fehlen einer Vision für die Zukunft Myanmars und der Mangel an Kritik gegenüber der gegenwärtigen Regierung bei der Bevölkerung.

Stärkung der Zivilgesellschaft

Um dem Mangel an Visionen für die Zukunft zu begegnen und die Kritikfähigkeit zu stärken, müsse nach Khin Zaw Win die Zivilgesellschaft gestärkt werden. Nur sie könne als Korrektiv den Transformationsprozess vorantreiben. Anna Kaitinnis, Expertin des ifa-Forschungsprogramms "Kultur und Außenpolitik", identifizierte in diesem Zusammenhang den Bildungsbereich als wichtigen Motor, um den Demokratisierungsprozess des Landes voranzutreiben. Der Schwerpunkt solle dabei zunächst auf den Hochschulbereich gelegt werden. In den Bereichen Kunst und Kultur sowie Medien fehle es an Austauschprogrammen und Fortbildungsangeboten, um die zivilgesellschaftlichen Akteure zu unterstützen. Dies bekräftigte Myint Zaw, Programm Manager bei der Ju Foundation in Myanmar. Es bestehe großer Bedarf an qualifizierten Fachkräften, um vom Verfall bedrohte Kulturgüter zu restaurieren. Es sei wichtig sowohl ein wertschätzendes Bewusstsein für die schwindenden kulturellen Güter und natürlichen Ressourcen des Landes zu entwickeln als auch einen nachhaltigen Umgang mit diesen zu fördern. Als relevante Zielgruppen in der Zivilgesellschaft nannten die Teilnehmenden der Veranstaltung insbesondere Journalisten, weil sie einen großen Adressatenkreis erreichen und meinungsbildend sein können und Lehrer, die in Myanmar eine Vorbildfunktion einnehmen.

Deutsches Engagement in Myanmar: Potenziale und Grenzen

Deutsche Mittlerorganisationen haben in Myanmar einen guten Ruf, da sie  im Vergleich zu anderen europäischen Kulturinstituten, die in direktem staatlichen Auftrag stehen, im Wesentlichen autonom handeln können. Dennoch wäre nach Ansicht der Experten die Formulierung einheitlicher Zielvorstellungen für Myanmar sinnvoll. Davon ausgehend würden die Mittlerorganisationen ihren Arbeitsbereichen entsprechend eigene Ziele aufstellen und Strategien für deren Erreichen entwickeln. Gleichzeitig erreiche man eine bessere Breitenwirkung. Die Formulierung einer gemeinsamen Zielvorstellung mache jedoch erst Sinn, wenn sich eine Vision für die Zukunft des Landes in Myanmar selbst abzeichnet. Bedürfnisse und Interesse an Kooperation stellten die Teilnehmer in allen Bereichen heraus – von Bildung über Kunst und Kultur bis hin zu Medien. Da Themen rund um die ethnischen Konflikte in Myanmar sensibel sind, rieten die Experten, sich bei eventuellen Kooperationen mit Minderheitenvertretern möglichst breit aufzustellen. So werde der Anschein vermieden, Partei für oder gegen eine Gruppe beziehungsweise mehrere Gruppen zu ergreifen.

Um das Vertrauen bei der Zivilgesellschaft zu stärken sei es unabdingbar, dass die Mittlerorganisationen ihre Arbeit transparent gestalten. Sie sollten Gründe für die Wahl von Themenschwerpunkten oder Partnern benennen. Der Friedensprozess solle eher indirekt begleitet werden, zum Beispiel durch die Schaffung von Diskussionsangeboten.