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Liaison mit Diktatoren

Korruption, Profitgier, politisches Taktieren und Menschenrechtsverletzungen werfen Schatten auf jüngste und künftige Mega-Sportereignisse. Wenn man sich die nächsten Schauplätze großer Sportevents ansieht, erkennt man einen klaren Trend zu autoritär regierten Ländern. Neuere Beispiele aus der Schweiz, aus Norwegen und Deutschland zeigen, dass eine funktionierende Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen mit möglichen Referenden Mega-Sportereignisse verhindern können. 

Von Marianne Meier

Die Olympischen Spiele, die Fifa-Weltmeisterschaft und andere große Sportereignisse gehören zu den großen verbindenden Momenten der Welt. Sie führen Menschen zusammen zu einer internationalen Feier herausragender Leistungen, eines interkulturellen Geists, von Frieden und menschlicher Solidarität. Kinder und Erwachsene freuen sich gleichermaßen auf diese Ereignisse und die vielen Vorteile, die sie bieten.

Gleichwohl profitieren nicht alle von diesen Vorteilen. Korruption, Profitgier, politisches Taktieren und Menschenrechtsverletzungen werfen Schatten auf jüngste und künftige Mega-Sportereignisse. Diese beeinträchtigen unter Umständen direkt und indirekt Menschenrechte und Kinderrechte oder verschlimmern die bereits bestehenden Verhältnisse. Es ist unbestreitbar, dass große Sportereignisse viele gesellschaftliche Möglichkeiten und Gründe für öffentlichen Stolz bieten. Aber es ist ebenso unbestreitbar, dass sie nicht für jeden etwas Positives darstellen.

Die meisten großen Sportverbände prahlen mit ihren formalen ethischen Richtlinien, die sie sich selbst gegeben haben. Aber in vielen Fällen bleiben diese exemplarisch formulierten Ziele bloß leere Phrasen. In der Olympischen Charta heißt es: "Ziel des Olympismus ist es, den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung des Menschen zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenrechte verpflichtet ist." Zwangsräumungen und zunehmende Überwachung veranschaulichen jedoch die Folgen großer Sportveranstaltungen für die lokale Bevölkerung. Dies widerspricht den grundlegenden Prinzipien des Olympismus.

Die Fifa-Statuten 2015 beinhalten ähnliche Ungereimtheiten zwischen Theorie und Praxis. Die Statuten der Fifa enthalten zum Beispiel folgenden Artikel: „Jegliche Diskriminierung eines Landes, einer Einzelperson oder von Personengruppen aufgrund von Rasse, Hautfarbe, ethnischer, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand, sexueller Orientierung oder aus einem anderem Grund ist unter Androhung der Suspension und des Ausschlusses verboten.“ Wie ist es angesichts der Fifa-Statuten und der mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 öffentlich gezeigten Homophobie möglich, dass die nächste Fifa-Weltmeisterschaft wieder in Russland stattfinden wird? Und was ist mit der Fifa-Weltmeisterschaft 2022 in Katar? Dieses künftige arabische Gastgeberland stellt Homosexualität unter Strafe.

Der Wert von Chartas?

Worin besteht der Wert von Chartas, Statuten und Prinzipien, wenn sie nicht oder nicht ausreichend respektiert und umgesetzt werden? Wenn man sich die nächsten Schauplätze für sportliche Großereignisse ansieht, gibt es einen klaren Trend hin zu autokratisch regierten Ländern. Diesen Trend hat auch das dänische Magazin "Sport Executive" erkannt, das folgenden Titel formuliert hat: "Wenn sich der Sport in die Diktatur verliebt." Diese Tendenz scheint so offensichtlich zu sein, dass sogar Jérôme Valcke, der frühere Fifa-Generalsekretär, im April 2013 öffentlich erklärte, Demokratie könne für eine Weltmeisterschaft hinderlich sein: "Wenn man einen sehr starken Staatschef hat, der entscheiden kann, wie vielleicht Putin es 2018 kann ... das ist leichter für uns Organisatoren als ein Land wie Deutschland, wo man auf verschiedenen Ebenen verhandeln muss." Jüngste Beispiele aus der Schweiz, aus Norwegen und Deutschland bestätigen tatsächlich, dass eine funktionierende Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen mit möglichen Referenden ein Hindernis für große Sportveranstaltungen darstellen.

Kontinuierliche Berichterstattung über hauptsächlich negative Auswirkungen sportlicher Großveranstaltungen auf Arbeiter oder die einheimische Bevölkerung wie auch verlorene Referenden zur Ausrichtung von Olympischen Spielen haben zu einem Paradigmenwandel innerhalb des Systems geführt.

Im Laufe des außergewöhnlichen Fifa-Kongresses im Februar 2016 wurde ein Meilenstein gesetzt. Im Schatten der Präsidentschaftswahl fanden "Menschenrechte" Eingang in die Fifa-Statuten. 

Die Nationalen Olympischen Komitees (NOK) aus der Schweiz, von Österreich, Schweden und Deutschland gaben zum Beispiel dem IOK Empfehlungen in Bezug auf ihre negativen Erfahrungen bei der Bewerbung für Olympische Spiele. Diese vier NOK forderten im Wesentlichen mehr Dialog und Unterstützung für Gastgeberstädte und einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit. Sie schlugen auch mehr Flexibilität und Solidarität vor im Hinblick auf Kosten und Risiken, die mit einer Bewerbung verbunden sind. Vieler ihrer Vorschläge für Reformen fanden Eingang in die "Olympische Agenda 2020", die das IOK im Dezember 2014 vorstellte. Zuvor im gleichen Jahr gab der frühere Fifa-Präsident Blatter – auf Druck von Sponsoren, Medien und der Zivilgesellschaft – Erklärungen zu den Bewerbungsmechanismen für künftige Fifa-Wettkämpfe: "Der Kongress wird aufgerufen, dass er in Zukunft die WM-Vergabe machen muss, und ich werde den Kongress in die Lage bringen, dass er auch die soziale, kulturelle, sagen wir die Menschenrechtssituation anschaut."

Im Laufe des außergewöhnlichen Fifa-Kongresses im Februar 2016 wurde ein Meilenstein gesetzt. Im Schatten der Präsidentschaftswahl fanden „Menschenrechte“ Eingang in die Fifa-Statuten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Fifa-Funktionäre immer jegliche Verbindungen zwischen Menschenrechtsverletzungen und ihren großen Wettkämpfen zurückgewiesen. Ihre Strategie bestand vor allem darin, Aufmerksamkeit auf ihre "Sport für Entwicklung"-Projekte zu lenken, die von der Fifa-Abteilung CSR (Corporate Social Responsibility) durchgeführt wurden, um für die negativen Auswirkungen von Mega-Sportevents zu entschädigen, von denen die Bevölkerungen vor Ort betroffen sind. Die geänderten Fifa-Statuten sehen jetzt vor, dass sich die Fifa dafür einsetzt, alle international anerkannten Menschenrechte zu respektieren und danach streben soll, den Schutz dieser Rechte zu fordern. Das ist ein erster Schritt, aber die Fifa und ihr neuer Präsident müssen ihren Worten auch Taten folgen lassen.

Große Sportereignisse werden von verschiedenen Interessenvertretern vorangetrieben und in einem sehr komplexen Umfeld durchgeführt. Nicht nur Sportverbände – wie die Fifa und das IOK – sind beteiligt, sondern auch öffentliche Behörden, Organisationskomitees und Sponsoren. Die Komplexität wird noch gesteigert durch die Vielfalt der betroffenen Sektoren der Zivilgesellschaft, wozu Menschenrechte zählen, Arbeit, Wohnraum, LGBT, Antikorruption usw.

Die Verantwortung, sicherzustellen, dass die einheimischen Bevölkerungen vor den Risiken geschützt sind, welche die großen Sportveranstaltungen mit sich bringen, liegt nicht alleine bei den entsprechenden Sportverbänden. Nationale und lokale Regierungen, Organisatoren und Sponsoren stellen ebenfalls Protagonisten dieses Prozesses dar und sind deshalb auch dazu verpflichtet, die Wahrung der Menschenrechte in jedem Bereich zu gewährleisten. Dazu zählen Belieferung, mit der Veranstaltung verbundene Arbeitsweisen, die Entwicklung der Infrastruktur, Sicherheit etc. Diese Interessenvertreter müssen auch die Verletzlichkeiten verschiedener sozialer Gruppen berücksichtigen. Und diese Verletzlichkeiten gibt es in allen Phasen des Ereignisses, von der Bewerbung bis zum "Erbe" dieser Zeit. Laut den "Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte" sind gewerbliche Unternehmen dafür verantwortlich, Menschenrechte zu respektieren, wo immer sie operieren, unabhängig von der Fähigkeit oder dem Willen eines Staats, eigene Menschenrechtsverpflichtungen zu erfüllen, auch wenn es die entsprechenden Verpflichtungen dieses Staats nicht verringert.

Alle Interessenvertreter, die an der Ausschreibung und Ausrichtung großer Sportereignisse beteiligt sind, müssen ihre Verantwortung anerkennen und wahrnehmen, Risiken zu minimieren und jeglichen, mit einem solchen Event verbundenen Menschenrechtsverletzungen Einhalt zu gebieten. Aber mit der Herangehensweise "Einfach keinen Schaden zufügen" ist das Potenzial rund um den Sport und Großveranstaltungen im Sport nicht erschöpft. Es gibt auch eine Verantwortung der Interessenvertreter, sicherzustellen, dass im Laufe der gesamten Veranstaltung positive Konsequenzen und Optionen herbeigeführt werden, durch und für die einheimische Bevölkerung, insbesondere Kinder. Diese positiven Veränderungen geschehen jedoch nicht zufällig. Sie setzen eine umsichtige Planung voraus, ausdrückliches Engagement und eine starke Führung von der Spitze, insbesondere von den Veranstaltungsverantwortlichen.

Aber jeder Effekt wird nur dann vielversprechend und nachhaltig sein, wenn die einheimische Bevölkerung konsultiert und von Anfang bis Ende aktiv einbezogen wird. Menschenrechte müssen eine Schlüsselanforderung des gesamten Prozesses der Bewerbung und Ausrichtung sein, der durch einen effektiven Rahmen für die Umsetzung kontrolliert wird, der den Zugang zu einem Rechtsbehelf, eine Sorgfaltsprüfung zu Menschenrechten und eine Risikoabschätzung beinhaltet. Veranstaltungsverantwortliche müssen auch erkennen, dass nicht alle Gastgeberländer oder Gastgeberstädte die gleiche Kompetenz haben, um die erwarteten Standards für Menschenrechte zu erfüllen. In solchen Fällen müssen Entscheidungen sorgfältig getroffen und es muss dabei geholfen werden, die Möglichkeiten vor Ort zu verbessern. Unter allen Umständen ist zu vermeiden, dass eine gastgebende Gemeinschaft im Namen des Sports leidet.

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"Veranstaltungsverantwortliche müssen auch erkennen, dass nicht alle Gastgeberländer oder Gastgeberstädte die gleiche Kompetenz haben, um die erwarteten Standards für Menschenrechte zu erfüllen."

Anstatt Verantwortung zu übernehmen, wiederholen leitende Funktionäre von Sportverbänden immer noch öffentlich, sie seien "nicht die Vereinten Nationen". Ihre Rhetorik konzentriert sich auf die feine Linie zwischen indirektem und direktem Einfluss großer Sportveranstaltungen, wobei man sich oft hinter der rechtlichen Formalität versteckt. Sollte es nicht ein Kerninteresse jeder ernsthaften Sportorganisation und ihrer Werte darstellen, dass im Zusammenhang mit Mega-Sportereignissen keine Rechte verletzt werden? Ein globaler sportlicher Wettkampf kann nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn er der einheimischen Bevölkerung nicht schadet. Obwohl Gastgeberstaaten die Hauptverantwortung für die sich in ihren Ländern ereignenden Menschenrechtsverletzungen tragen, sind auch Sportverbände dafür verantwortlich, all ihren Einfluss zu nutzen, um Menschenrechte und die wahren Werte des Sports zu schützen. Es besteht also die Notwendigkeit, sowohl negative Effekte zu minimieren, als auch die sich bietenden positiven Möglichkeiten vor, während und nach einer sportlichen Großveranstaltung zu maximieren. Zu diesem Zweck braucht es eine stark interdisziplinäre Abstimmung und eine Koordinierung von Forschungsergebnissen mit einer sektorenübergreifenden Herangehensweise.

Der Fall Brasilien

Im Hinblick auf die wissenschaftliche Arbeit hat die Londoner Sportwissenschaftlerin Celia Brackenridges mit ihrem Bericht über "Child Exploitation and the FIFA World Cup: A Review of Risks and Protective Interventions" (2013) einen Meilenstein gesetzt. Da Brasilien die Aufgabe zufiel, die beiden prestigeträchtigsten Großereignisse des Sports – 2014 und 2016 – innerhalb von zwei Jahren auszurichten, gibt es immer mehr Forschungsarbeiten zu diesem Land.

Im Zusammenhang mit der Fifa-Weltmeisterschaft 2014 wurden Untersuchungen von der Universität Dundee durchgeführt, welche vier wesentliche Verletzungen von Kinderrechten in Brasilien identifizierten, die mit der Ausrichtung von sportlichen Großereignissen zu tun haben. Dabei handelt es sich um Gewalt durch Polizei und Armee, Vertreibung, sexuelle Ausbeutung und Kinderarbeit. Die Untersuchung hob in diesem Zusammenhang auch die gesteigerte Verletzlichkeit bestimmter Kinder hervor. Zu der verletzlichsten Gruppe gehörten zum Beispiel Straßenkinder oder Bewohner von Favelas. Die vorliegenden Belege machen auch auf die Tatsache aufmerksam, dass Kinder nicht in Isolation leben, und auch verletzlich sind durch Menschenrechtsverletzungen, die ihre Familien und Communitys erleben.

Eine Unicef-Studie von 2014, die auf Daten aus 190 Ländern basiert, stellte heraus, dass Brasilien im Jahre 2012 die weltweit zweithöchste Kindermord-Rate hatte – besonders an Jungen zwischen zehn und 19 Jahren. Statistische Daten der landesweiten Kindernotrufnummer "Dial 100" ergeben, dass die Zahl gemeldeter Gewalttaten gegen Kinder in den zwölf Gastgeberstädten im Monat der Fifa-Weltmeisterschaft 2014 verglichen mit dem gleichen Monat im Jahre 2013 um 17 Prozent gestiegen ist (Nationalsekretariat für Menschenrechte 2014).

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"Die Fifa-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 haben beide die Gewalt durch Polizei und Armee in Rio de Janeiro enorm verschärft. Es wurde berichtet über Gewalt gegen obdachlose Kinder und Erwachsene sowie Gewalt in Favelas, im Zuge von Protesten und Zwangsräumungen."

Laut des "Dossier on Mega Sporting Events and Human Rights Violations in Rio de Janeiro" (2015) wurden viele benachteiligte Communitys in Brasilien gewaltsam vertrieben, um für große, mit Mega-Sportveranstaltungen verbundene Infrastruktur-Projekte Platz zu machen. In Rio wurden schon mindestens 4.120 Familien aus ihrem Zuhause vertrieben und 2.486 drohen Zwangsräumungen, um Platz zu machen für Projekte, die direkt oder indirekt mit den Olympischen und Paralympischen Spielen 2016 verbunden sind. Aufgrund dieser Zwangsräumungen können viele Kinder nicht mehr zur Schule gehen. Sie verlieren ihren Zugang zu Bildung, Gesundheit und anderen grundlegenden sozialen Dienstleistungen.

In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 wird die Community von Vila Autódromo von der Stadtverwaltung Rios enorm unter Druck gesetzt. Die Bewohner wurden dazu aufgefordert, ihr Zuhause zu verlassen, um für olympische Infrastruktur Platz zu machen; sie leben oftmals ohne Elektrizität und in schwierigen Umständen. Die einst florierende Community mit Geschäften, einer Eigentümergemeinschaft und attraktiven Straßen erinnert an ein Kriegsgebiet. Für die dort verbliebenen Familien ist das Leben ein andauernder Kampf in Erwartung der nächsten Schritte der Behörden. Die Bewohner müssen einen Ausweis zeigen, um durch das Olympiagelände in ihre Häuser zu kommen. Und sie dürfen zu Hause nur mit einer speziellen Genehmigung Besucher empfangen.

Die Fifa-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 haben beide die Gewalt durch Polizei und Armee in Rio de Janeiro enorm verschärft. Es wurde berichtet über Gewalt gegen obdachlose Kinder und Erwachsene sowie Gewalt in Favelas, im Zuge von Protesten und Zwangsräumungen – insbesondere durch die UPP (Brasiliens Militärpolizei). Diese "Sicherheitsmaßnahmen", insbesondere im Rahmen der sogenannten "Befriedungseinsätze" zogen viele Verletzte und Menschenrechtsverletzungen nach sich. Viele Kinder und Jugendliche zeigten aufgrund dieser traumatischen Erfahrungen Symptome psychischer Verletzungen.

Trotz der steigenden Zahl beachtlicher Evaluationen und Forschungen zu Großveranstaltungen im Sport und Menschenrechten gibt es immer noch keine Langzeitstudien. Zudem erhöht der Trend, künftige sportliche Großereignisse in autokratisch regierten Ländern durchzuführen, das Sicherheitsrisiko für Wissenschaftler und investigative Journalisten. Kritische Fragen und Untersuchungen zu großen Sportereignissen und Menschenrechten sind in Russland, Katar oder Peking nicht erwünscht.

Angesichts der beschriebenen Komplexität großer Sportereignisse braucht es ein breiteres Rahmenwerk für Menschenrechte, um Arbeitsrechte, LGBT-Rechte (Lesben-, Schwulen, Bisexuellen- und Transgender-Rechte) und Kinderrechte zu verteidigen und um für die Umwelt und gegen Korruption einzustehen. Neben dieser sektorenübergreifenden Herangehensweise sind starke Koalitionen notwendig, um innerhalb der großen Sportverbände Gehör zu finden. Zu diesem Zweck wurden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um die "Sport and Rights Alliance" (SRA) zu gründen, eine Koalition führender Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, die sich bemühen, Entscheidungsträger internationaler Sportverbände anzusprechen. Wahrer Wandel basiert auf einem Dialog über Werte und auf Belegen für notwendige Reformen im Bewerbungsprozess für künftige sportliche Großereignisse.

Neben Allianzen und dem Druck der Zivilgesellschaft bieten die schon erwähnten "Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte" solide Richtlinien für konkrete Maßnahmen auf politischer Ebene. Aktuell fordern zivilgesellschaftliche Netzwerke die großen Sportverbände dazu auf, eine öffentliche Selbstverpflichtung und Strategie für Menschenrechte herauszugeben; Kapazitäten im Bereich der Menschenrechte zu entwickeln; Zugang zu Rechtsbehelfen zu gewährleisten; eine Sorgfaltsprüfung zu Menschenrechten vorzunehmen; ein Monitoring aller Phasen großer Sportereignisse durchzuführen sowie ein externes unabhängiges Monitoring zu ermöglichen. Im Rahmen der Uefa EM 2008 in Österreich und in der Schweiz beschrieben die Uefa-Funktionäre den Gastgeberstädten ihre Strategie: "Ihr stellt das Haus und wir bringen die Party." Aber in einer respektvollen und anständigen Gesellschaft helfen die Menschen nach einer gemeinsamen Veranstaltung mit, das Haus sauber zu machen und die Kosten zu teilen. Der Hausbesitzer trifft die wesentlichen Entscheidungen. Deshalb ist eine Rücksprache mit der Zivilgesellschaft und lokalen Gruppen notwendig sowie deren Beteiligung in jeder Phase der Veranstaltung.

In der Olympischen Charta und in den Fifa-Statuten sind ethische Prinzipien festgelegt. Aber für ihre Umsetzung muss immer noch viel Arbeit geleistet werden, da diese Schlüsselprinzipien nicht verhandelbar sind. Die komplexen Herausforderungen großer Sportveranstaltungen erfordern eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen allen Interessenvertretern auf nachhaltige Weise – zum Wohle der Menschheit.

Globales Spiel – Sport, Kultur, Entwicklung und Außenpolitik / EUNIC, … (Hg.). – Göttingen: Steidl, 2016. (Kulturreport, EUNIC-Jahrbuch)

Globales Spiel – Sport, Kultur, Entwicklung und Außenpolitik / EUNIC,... (Hg.). – Göttingen: Steidl, 2016. (Kulturreport, EUNIC-Jahrbuch)

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Marianne Meier ist Historikerin und Sportpädagogin. Sie arbeitet als Dozentin und Projektleiterin von Children Win bei der Internationalen Föderation Terre des Hommes.