Linsenmann, Andreas: Musik als politischer Faktor

06.12.2012
Kategorie: Abschlussarbeiten, Geschichte, Kulturbeziehungen bilateral  
Musik als politischer Faktor

Hauptthemen: Frankreich + Internationale Kulturbeziehungen + Deutschland + Besatzungspolitik + Französische Besatzungszone Deutschlands + Nachkriegssituation + Umerziehung + Musik + Kunsterziehung + Kulturpolitik + Deutschlandpolitik
Unterthemen: Auswärtige Kulturpolitik + Militärverwaltung (Besatzungsmacht) + Internationale kulturelle Zusammenarbeit + Kunst + Künstler + Propaganda + Kulturelle Veranstaltung + Musikwissenschaft + Nachkriegsplanung
Abstract: Musik gilt immer noch als wenig erforschtes Phänomen in der Besatzungs- und Umerziehungspolitik der Alliierten. Und dies, obwohl die Musik im deutschen Kulturleben stets einen besonderen Stellenwert eingenommen hat, Deutschland in der Selbsteinschätzung der Deutschen als Land der Musik gilt und auch im Ausland Musik als wesentliches Merkmal deutscher Mentalität wahrgenommen wird. Daran und an den "Hunger nach Kultur" nach Kriegsende knüpfte Frankreich an, um die Deutschen umzuerziehen. Eine wesentliche Rolle bei der Umerziehung durch Musik spielte das Bureau des Spectacles et de la Musique (BSM). Andreas Linsenmann untersucht in seiner Studie, welche Prämissen und Konzepte der französischen Umerziehungs- und Kulturpolitik zugrundelagen, wie sich die französische Musikpolitik auf die deutschen Strukturen auswirkte und welche Projekte die Franzosen selbst initiierten. Er beschreibt die Kennzeichen nationalsozialistischer Musikpolitik, geht auf Strukturen und Akteure französischer Musikpolitik in Deutschland ein und untersucht deren Zuständigkeiten, stellt die konzeptionellen Grundlagen der französischen Musikpolitik dar und subsumiert systematisch die negativ-repressiven und die positiv-konstruktiven Maßnahmen. Darüber hinaus untersucht Andreas Linsenmann regionale Aspekte wie lokale Initiativen und das Vereinswesen sowie die Reichweite und Resultate der französischen Musikpolitik und deren Resonanz in der deutschen Bevölkerung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Hauptziel der französischen Musikpolitik nicht negativ-repressiver Natur war. Oftmals war Einflussnahme allein wegen mangelnder Geldmittel nicht bzw. eingeschränkt möglich, sodass die Rolle der Franzosen von daher eher beobachtend war. Die Politik des BSM war positiv, aber insgesamt mehr auf die Hochkultur als auf Unterhaltungskultur ausgerichtet. Linsenmann weist nach, dass die französische Besatzungsmacht wirklich daran glaubte, die Deutschen von nationalsozialistischer Überheblichkeit durch Musikpolitik abbringen zu können und zeigt die dreifache Funktion, die Musikveranstaltungen für die französische Besatzungsmacht hatte: den Versorgungsaspekt für französische Militärs, den Repräsentationscharakter der Veranstaltungen und die Prestigesteigerung bzw. die Steigerung des französischen Ansehens. Insgesamt wird deutlich, dass die französische Musikpolitik Frankreich als Besatzungsmacht legitimieren sollte und damit einen eindeutig politischen Charakter hatte. (ifa)
Dokumentenart: Dissertation