Fritz Wertheimer: Generalsekretär des DAI von 1918 bis 1933

Fritz Wertheimer, Generalsekretär des DAI von 1918 bis 1933 © Institut für Auslandsbeziehungen
Fritz Wertheimer, Generalsekretär des
DAI von 1918 bis 1933
© ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

Fritz Wertheimer (1884–1968) studierte Jura und Volkswirtschaft, bevor er sich als Publizist einen Namen machte. Ab 1907 berichtete er für die "Frankfurter Zeitung" als Korrespondent aus China und Japan und veröffentliche Analysen zur japanischen Kolonialpolitik und über das deutsche Verhältnis zu Ostasien. Während des Ersten Weltkriegs war Wertheimer als Kriegsberichterstatter im Hauptquartier Hindenburgs akkreditiert. Aus seinen Frontberichten gingen mehrere Bücher hervor, unter anderem "Hindenburgs Mauer im Osten" (1916).

Noch vor Kriegsende, im Oktober 1918, wurde Wertheimer zum Generalsekretär des Deutschen Ausland-Instituts (DAI) ernannt, aus dem 1949 das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) werden sollte. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Theodor Wanner erarbeitete er das Profil des DAI. Die Interessen und politischen Vorstellungen der beiden Männer an der Spitze des Instituts waren ähnlich, sie gewährleisteten dessen liberale Ausrichtung (Wertheimer war Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei).

Als Herausgeber der institutseigenen Zeitschrift "Der Auslanddeutsche" und mithilfe von Rundfunkbeiträgen sorgte Wertheimer dafür, dass die deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen im Ausland Verbindungen nach Deutschland aufrechterhalten konnten. Er war der Auffassung, dass der deutsche Staat sich für die Rechte der deutschen Minderheiten im Ausland – die er als loyale Staatsbürger ihrer Gastländer betrachtete – einsetzen müsse. Die Publikation "Deutschland, die Minderheiten und der Völkerbund" von 1926 ist nur ein Beispiel für Wertheimers Schaffen, das auch Einfluss auf Gustav Stresemanns Außenpolitik hatte.

Im Zuge der Gleichschaltung des DAI wurde Wertheimer, der aus einem jüdischen Elternhaus stammte und selbst konfessionslos war, im März 1933 an der Weiterarbeit im DAI gehindert. Er blieb zunächst in Stuttgart und versuchte, sich freiberuflich als Autor über Wasser zu halten. Im Juli 1939 emigrierte er schließlich mit seiner Frau nach Brasilien, wo sein ältester Sohn seit 1934 lebte. Nach dem Krieg erstritt Wertheimer die deutsche Staatsbürgerschaft wieder und kämpfte um seinen Anspruch auf Wiedergutmachung. Er starb während eines Deutschlandbesuchs 1968 in Freiburg.

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