Magic Moments of My Life: Titel für die Biografiearbeitseinheit mit Fokus auf das Positive im Leben; © Christina Foerch
Magic Moments of My Life: Titel für die Biografiearbeitseinheit mit Fokus auf das Positive im Leben; © Christina Foerch
Assaad Chaftari und eine Schülerin im Sommercamp; © Issa Moussa
Assaad Chaftari und eine Schülerin im Sommercamp; © Issa Moussa
Biografiearbeitseinheit: Ein ehemaliger General erzählt, © Christina Foerch
Biografiearbeitseinheit: Ein ehemaliger General erzählt, © Christina Foerch
Arbeitsgruppe im Sommercamp mit Psychologen, Friedensexperten und ehemaligen Kämpfern; © FFP
Arbeitsgruppe im Sommercamp mit Psychologen, Friedensexperten und ehemaligen Kämpfern; © FFP

Ehemalige Kämpfer engagieren sich für eine Kultur des Friedens

2017 | Libanon

Das Taif-Friedensabkommen besiegelte 1989 das Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs im Libanon. Es garantierte eine Generalamnestie für alle, die am Bürgerkrieg beteiligt waren – auch den Kämpfern der zahlreichen Milizen. Diese wurden sozusagen jetzt auf gleich ins zivile Leben entlassen. Vielen gelang eine Reintegration ins normale Leben, manchen aber auch nicht.  Nur wenige haben sich mit ihrer Kriegsvergangenheit konstruktiv auseinandergesetzt und engagieren sich aktiv in der Zivilgesellschaft. Die Organisation Fighters for Peace (FFP) besteht aus ehemaligen Kombattanten, die bereit sind, sich der Vergangenheit zu stellen und Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. Ehemalige Kämpfer verschiedener politischer, religiöser und sozialer Herkunft kommen in der Organisation zusammen, um öffentlich für eine Kultur des Friedens und der Versöhnung im Libanon einzutreten.

In dem von zivik unterstützten Projekt gehen ehemalige Kombattanten als Zeitzeugen des Krieges an Schulen, Universitäten, in Städte und Kommunen. Früher waren sie verfeindet, heute reden sie dort gemeinsam über ihre Vergangenheit und über den Fehler, einen gewaltsamen Weg eingeschlagen zu haben. Sie erzählen von ihrem Lebenswandel und der Möglichkeit zur Versöhnung. Das Hauptaugenmerk gilt Jugendlichen – so waren die meisten von ihnen ja selbst Teenager, als sie in den Krieg zogen. Die Jugendlichen von heute sollen nicht wiederholen, was die ehemaligen Kämpfer getan haben. Mit Ausstellungen und Theaterproduktionen geht FFP in die Öffentlichkeit, um genau das zu erreichen: Eine Abkehr von Gewalt. Gleichzeitig wollen sie damit andere ex-Kombattanten ermutigen, sich zu offenbaren und sich in der Vergangenheitsaufarbeitung zu engagieren.

Die ehemaligen Kämpfer reichen anderen die Hand – sei es den Angehörigen derer, die im Krieg verschleppt wurden, oder den Aktivisten und ehemaligen Kämpfern aus Syrien und der arabischen Region. Die ex-Kombattanten von FFP setzen sich in der Gruppe bewusst mit der eigenen Vergangenheit auseinander. In Biografie-Arbeitskreisen kommen sie zusammen, um Vergangenes zu reflektieren, und um gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Wo im normalen Leben kein Raum und keine Zeit bestehen, hier in der Gruppe haben sie einen geschützten Raum, in dem die Reflexion und der Blick ins Heute gelingen. In der Gruppe erleben sie, dass sie alle Ähnliches erfahren haben – über jegliche politische und religiöse Grenzen hinweg. Das verbindet.

FFP hat Zeitzeugeninterviews auf der eigenen Internetseite hochgeladen – sie ist für jedermann zugänglich. Langfristig soll eine Online-Plattform entstehen, mit Zeitzeugeninterviews von ex-Kombattanten, Opfern, Zivilisten und anderen Beteiligten zum Thema Krieg, Wandel und Friedensbildung.