In Sierra Leone treffen sich Menschen nach den Erdrutschen bei einer Versammlugn der Caritas
Eine Frau in Sierra Leone gibt Fingerabdrücke ab

Sierra Leone: Erdrutsch in Freetown

Bericht von Karin Kathöfer

Am Morgen des 14. August 2017 ereignete sich ein schwerer Erdrutsch in Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Sierra Leone. Sintflutartige Regenfälle in den Tagen zuvor hatten einen Hangrutsch am sogenannten "Sugar Loaf Mountain" in unmittelbarer Nähe zum Stadtgebiet von Freetown ausgelöst. Die genaue Zahl der Todesopfer steht nach wie vor nicht genau fest. Bis Ende August 2017 wurden nach Angaben der lokalen Behörden 500 Todesopfer geborgen. Hunderte galten jedoch auch Wochen nach der Katastrophe als vermisst, so dass mittlerweile von über 1.000 Opfern ausgegangen wird.

Direkt von der Katastrophe betroffen sind etwa 5.000 Menschen, deren Häuser und Besitz dem Erdboden gleich gemacht wurden. Zudem ist die ohnehin fragile Infrastruktur zusammengebrochen. Vor dem Hintergrund eines mangelhaften Abfallmanagements und schlechter Abwassersysteme steigt das Risiko des Ausbruchs von  Krankheiten wie beispielsweise Cholera, die sich unter diesen Bedingungen schnell ausbreiten können.

Die vom ifa geförderten Projekte im Krisengebiet konzentrieren sich in erster Linie darauf, schnell und bedarfsgerecht die Grundbedürfnisse der betroffenen Bevölkerung zu decken. Dringend notwendige Nahrungsmittel, Matratzen und Decken sowie Hygieneartikel werden an die Opfer verteilt. Neben der Sicherung der Grundbedürfnisse ist die psychosoziale Unterstützung der betroffenen Bevölkerung ein integraler Bestandteil der Sofortmaßnahmen. Freiwillige lokale Helferinnen und Helfer beteiligen sich aktiv an den Aufräumarbeiten und werden mit den notwendigen Aufräummaterialien ausgestattet. Die geförderten humanitären Organisationen sind nicht nur lokal gut vernetzt. Sie arbeiten auch eng mit anderen nationalen und internationalen Akteuren der humanitären Hilfe zusammen, um eine Abstimmung der Hilfsaktionen zu gewähren.

Problematische Strukturen bleiben unberührt

Derartige Soforthilfemaßnahmen sind unerlässlich, um das Überleben der betroffenen Bevölkerung zu sichern. Die zugrundeliegenden Strukturen, die diese Katastrophe verstärkt haben, bleiben davon allerdings weitestgehend unberührt. Starke Regenfälle in und um Freetown haben bereits in den letzten Jahren zu ähnlichen Problemen geführt. Bereits 2015 kamen bei Überflutungen mehrere Menschen ums Leben, ganze Stadtviertel wurden seit 2008 jedes Jahr überschwemmt. Einer der Hauptgründe für das steigende Ausmaß solcher Katastrophen liegt in Sierra Leone, wie auch in vielen anderen Ländern des "Globalen Südens", in der stark zunehmenden Urbanisierung. Die Städte breiten sich unkontrolliert aus und ungeeignete Hanglagen werden vor allem von den Ärmsten der Armen besiedelt. Aktuelle Studien beziffern den Mangel an adäquaten Häusern in Freetown auf 166.000 und prognostizieren, dass sich die Zahl in den nächsten zehn Jahren nahezu verdoppeln wird. Mit Blick auf die aktuelle Katastrophe bedeutet dies, dass dringend große Infrastrukturinvestitionen getätigt werden müssen. Für derartige Projekte fehlt es in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, vor allen Dingen an finanziellen Ressourcen und politischem Willen.

Wie funktioniert das Förderprogramm Humanitäre Hilfe?

Mehr Informationen rund um das Förderprogramm finden Sie im Flyer (PDF).