CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig

Drei Fragen an...

Von Katharina Ludwig

Im Februar nahmen zwölf CrossCulture Stipendiaten aus zehn verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und verschiedenen Arbeitsfeldern am CCP-Workshop in Stuttgart teil. Sie tauschten Erfahrungen, Wissen und Ideen sowie Pläne und Träume aus – und fanden heraus, dass sie den gleichen Sinn für Humor haben. Am Ende gingen sie als eine Gruppe, mit einem besseren Verständnis für Kulturen, vielen neuen Ideen, Plänen für Kooperationen und neu geschlossenen Freundschaften.

Drei der Workshop-Teilnehmer möchten wir an dieser Stelle vorstellen. Mit Azamat, Maqsud und Noman haben wir über ihre Arbeit und ihre bisherigen Erfahrungen als CrossCulture Praktikanten in Deutschland gesprochen.

Tradition trifft Moderne

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Was sind bisher deine Eindrücke über Deutschland? Konntest du Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu deinem Heimatland Pakistan entdecken?

Noman: Ich konnte einige Unterschiede in meinem Arbeitsgebiet ausmachen: Hier in Deutschland arbeite ich zum Beispiel mit ganz anderen Materialien und Maschinen. In meiner Heimatorganisation AHAN benutzen wir nicht so moderne Nähmaschinen. Die Menschen tragen auch andere Kleidung, aber das ändert sich auch in Pakistan: Immer mehr Leute tragen westliche Mode. Das Essen ist auch sehr unterschiedlich. Der Ort, aus dem ich stamme, Lahore, ist als Schlemmerparadies Pakistans bekannt. Ich vermisse es sehr, daher koche ich meistens selbst.

Eine Gemeinsamkeit ist der Karneval. Wir haben viele Festivals in Pakistan und ich kann etwas davon im Karneval in Deutschland entdecken. Es ist eine sehr fröhliche Atmosphäre und ich habe es sehr genossen. Es war wie in meinem Land.

ifa: Wie sieht deine Arbeit als Designer aus?

Noman: Ich bin Textildesigner, aber bei AHAN arbeite ich als Produktdesigner. Ich designe Stickereien für Taschen, Kleidung, Kissen, aber auch Produkte wie Holzarbeiten und Keramik. Ich entwickle die Designs,die Handwerker stellen die Produkte her. AHAN betreibt auch Qualitätssicherung, entwickelt Marketingstrategien für Handwerker und unterstützt sie finanziell. Um uns mit der Bevölkerung und den AHAN-Kunsthandwerkern auszutauschen, reisen wir sehr viel. Die Menschen sind sehr glücklich, mit uns zu arbeiten und schätzen es sehr, dass wir ihnen Gehalt bieten, Workshops organisieren und das Material bereitstellen.
Hier in Deutschland arbeite ich in der Design Abteilung von Madeira Garne. Es ist sehr schön, mit ihnen an verschiedenen Aufgaben zu arbeiten. Sie sind auch sehr nett. Im Moment produzieren wir Textilfische für eine kommende Ausstellung in Köln.

ifa: Was sind deine Inspirationsquellen?

Noman: Wenn ich an Produkten arbeite, nehme ich Einflüsse von ethnischen und traditionellen Handwerkskünsten auf, wie wir sie in Pakistan kennen: zum Beispiel die blaue Töpferei aus Multan (Punjab) oder farbenfrohe Stickereien aus KPK (Khyber Pakhtunkhwa). Ich kombiniere moderne Einflüsse und traditionelle Elemente und kreiere etwas Neues und Besonderes.

Hier in Deutschland lerne ich neue Dinge kennen, zum Beispiel verschiedene Materialien und moderne Techniken und Technologien. Das wird mir auf jeden Fall helfen, neue Produkte zu kreieren. Ich denke, ich werde auch Aspekte der deutschen Kultur miteinbeziehen - besonders was ich während des Karnevals erlebt habe. Ich werde einige Elemente extrahieren und in meine Designs in Pakistan einfließen lassen.

Jedes Kind ist ein Genie

ifa: Was ist dir beim Vergleich von kasachischen und deutschen Erziehungsmethoden aufgefallen?

Azamat: Das CrossCulture Praktikum ist eine großartige Gelegenheit für mich, zu sehen wie inklusive Erziehung in Deutschland umgesetzt wird. Von dieser Erfahrung kann "Osobennyj mir" profitieren. In meinem Heimatland gibt es keine Inklusion, in Deutschland ist sie in die Praxis eingebunden. Das Gebäude des Kinderhauses Bachwiesenstraße zum Beispiel ist vollkommen an die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung angepasst. Ich war beeindruckt von der Aufmerksamkeit die der kreativen Entwicklung von Kindern geschenkt wird. Es gibt viele Aktivitäten wie beispielsweise Zeichnen oder Tonmodellierung. Für mich ist es sehr spannend zu beobachten, wie die Erzieher den Kindern beibringen auch non-verbale Kommunikation zu nutzen, das kannte ich vorher nicht.
Mir ist auch noch etwas Anderes aufgefallen. In Stuttgart gibt es, wie in Kasachstan auch, viele verschiedene ethnische Gruppen. Der Unterschied ist jedoch, dass in Deutschland auch verschiedene Sprachen gesprochen werden, während es in Kasachstan nur zwei gibt: kasachisch und russisch. Daher ist es für mich sehr interessant zu beobachten wie die Erzieher mit den Kindern, die kein deutsch sprechen, umgehen und sie in die Gruppe einbeziehen.

ifa: Wie ist es mit autistischen Kindern zu arbeiten?

Azamat: Es ist sehr anspruchsvoll. Da es den Kindern schwer fällt mit anderen Menschen zu interagieren, versuchen wir ihnen zu zeigen wie sie besser kommunizieren und sich in die Gemeinschaft einbinden können. Wir glauben, dass jedes Kind ein Genie ist, wie Einstein.
In Kasachstan leben Menschen mit besonderen Bedürfnissen isoliert und erhalten keine spezielle Förderung. Ich hoffe, dass wir in der Zukunft diese Probleme überwinden können. Da bin ich zuversichtlich. Die Medien sprechen oft über inklusive Erziehung, die Regierung weiß von den Problemen und versucht jeden Tag die Situation zu verbessern. Es gibt auf jeden Fall eine Entwicklung dahingehend in Kasachstan.

ifa: Glaubst du dass die Erfahrungen, die du beim CCP Praktikum gemacht hast, dich in deiner weiteren Arbeit voranbringen?

Azamat: Auf jeden Fall. Wenn ich zurückgehe, versuche ich einige der Praktiken, die ich gelernt habe in meiner Organisation einzubringen. Vielen Dank an das ifa, dass ich diese Erfahrungen machen kann.

Musik verbindet Menschen

ifa: In deiner Bewerbung für das CCP-Stipendium hast du die unterschiedliche Wahrnehmung und Bedeutung von Musik im Alltag in Usbekistan und Deutschland genannt. Welchen Einfluss hat Musik auf die Entwicklung von Kindern?

Maqsud: Musik ist sehr wichtig in der Entwicklung von Kindern. In Usbekistan sagen wir zum Beispiel, dass Kinder, die den Schlafliedern ihrer Mutter lauschten, nette und positive Menschen werden. Ich mag auch die europäische und amerikanische Erziehung, weil jedes Kind in der Schule eine der Kunstrichtungen lernen muss – sei es Musik, Malen oder Gedichte schreiben. Ich wünschte, es wäre in meinem Land auch so, aber wir werden daran arbeiten.
Die Wahrnehmung und die Rolle von Musik im Alltag sind in Usbekistan nicht leicht von heute auf morgen zu verändern. Aber das versuche ich mit meiner Arbeit als Lehrer - die Wahrnehmung gegenüber der Musik und anderen Künsten schon in der Kindheit zu ändern. Ich liebe Musik, Unterrichten und Kinder. Ich bin sehr froh, das alles in meinem Job verbinden zu können.

ifa: In welcher Weise kann Musik Menschen verbinden?

Maqsud: Musik ist etwas Besonderes. Sie hat keine Sprache. Überall in der Welt kann man durch Musik verstanden werden. Es ist ein mächtiges Instrument für internationale Beziehungen. Die Globalisierung macht Musik multikultureller und vielfältiger. Und weil Musik über die Geschichte, das Leben und die Gefühle von Menschen erzählt, kann man durch Musik viel über andere Kulturen lernen.

ifa: Glaubst du, dass das CrossCulture Praktikum dir bei deiner professionellen und persönlichen Entwicklung hilft?

Maqsud: Ohne Zweifel. Das Praktikum bietet einem viele Informationen und Kontakte, um die eigenen Ideen zu verwirklichen. Ich werde meine Schüler mit meinen Erfahrungen aus Deutschland ermutigen und Ideen teilen, wie man sich auf seine Studien konzentriert oder in gemeinsamen Projekten arbeitet. Ich würde künftig auch gerne Country Representitive des ifa für Usbekistan sein, um anderen Stipendiaten zu helfen.

CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig
CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig

"Es war absolut toll. Ich habe viel gelernt und konnte die anderen Stipendiaten treffen. Das Gefühl einer interkulturellen Sphäre ist das Eindrucksvollste was ich je erlebt habe. Auch das methodische Vorgehen war herausragend und lebhaft, jeder konnte sich beteiligen."

Zulaikha Afzali, Afghanistan

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"Ich bin stolz auf meine nationale Kultur und Identität. Aber das schließt den Kontakt mit anderen Kulturen nicht aus. Im Gegenteil: ich glaube, dass kulturelle Vielfalt eine Möglichkeit ist positive Elemente der eigenen Kultur auszutauschen, Brücken zu bauen und religiöse, kulturelle und andere Unterschiede zu überwinden."

Khaleda Abusoboh, Palästina

CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig
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"Ich will die Welt durch eure Augen sehen, nicht nur durch meine eigene kulturelle Linse."

Abdullah Albusaidy, Oman

CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig
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"Die interaktiven Spiele haben viele Dinge offenbart, die mir vorher nicht bewusst waren."

Maqsudjon Ubaev, Usbekistan

CCP-Workshop 2015 © ifa/ Ludwig
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"Im Hinblick auf das Lernen sehe ich mich selbst noch als Kind. Ich sollte selbstbewusster und geduldiger sein, schwierigen Situationen entgegentreten und mehr Fragen stellen."

Laila Khalid, Pakistan

Kontakt

Institut für Auslandsbeziehungen
CrossCulture Programm
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Fax +49.711.2225.195
crossculture(at)ifa.de

Noman Zafar

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Der Textil- und Produktdesigner Noman Zafar arbeitet für Aik Hunar Aik Nagar (AHAN) in Lahore. AHAN ist eine halbstaatliche gemeinnützige Organisation, die für die Handwerkskunst in Pakistan wirbt und Einkommensmöglichkeiten durch Handwerk und Ausbildung fördert. Seit einem Monat absolviert Noman ein Praktikum bei Madeira Garne, einem Garnproduzenten aus Freiburg. 

Azamat Azatov

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Nach seinem BWL Studium widmete sich Azamat Azatov der Pädagogik und arbeitet heute als Leiter der Ausbildungseinrichtung Osobennyj mir (Open Society) in Kasachstan. Zusätzlich koordiniert er ehrenamtlich ein Projekt mit autistischen Kindern in Semey, wo viele Menschen an den Langzeitfolgen der nuklearen Waffentests der ehemaligen Sowjetunion leiden. Um seine Kenntnisse über Inklusion zu erweitern, absolviert Azamat Azatov momentan ein CrossCulture Praktikum beim Kinderhaus Bachwiesenstraße der Diakonie Stetten e.V.

Maqsud Ubaev

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Maqsud Ubaev ist Lehrer und Dirigent des Schulorchesters sowie Leiter des Orchesters und des Ensembles des Uspensky Republic Special Music Academic Lyceum in Taschkent. Momentan absolviert er ein dreimonatiges CrossCulture Praktikum bei der Kölner Orchester-Gesellschaft und bei der Rheinischen Musikhochschule.