"Syrian Elsewhere" von Rula Asad, Syrien

Zum Auftakt der CrossCulture Tour berichten die syrische Journalistin Rula Asad und der Kunstfotograf Mohan Dehne in ihrer einwöchigen Ausstellung von Identitäten geflüchteter Syrerinnen und Syrer in Europa. 20 fotografische Porträts und Videointerviews beschreiben verschiedene Erfahrungen der Menschen in ihrer neuen Umgebung und stellen die Frage nach der Loyalität zur früheren Heimat Syrien. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Freiburger Hilfsorganisation AMICA e.V. statt. Der Eintritt ist frei. Vormittags werden nach Anmeldung Führungen für Schulklassen angeboten.

Rula Asad Foto: ifa/Kuhnle

Rula Asad ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin des 2012 initiierten Netzwerks Weiblicher Syrischer Journalisten (SFJN). SFJN ist eine gemeinnützige Initiative, die Journalistinnen ausbildet und ihre Rolle in den lokalen Medien fördert. Rula Asad hat einen journalistischen Abschluss der Universität von Damaskus und arbeitet als freie Journalistin. Sie berichtete über Frauen und Menschenrechte sowie über Kultur und zivilgesellschaftliche Themen aus dem Libanon, Jordanien und der Türkei. Mit dem CrossCulture Programm kam sie das erste Mal nach Europa, wo sie für die Frauenrechtsorganisation AMICA e. V. und das Radio Dreyeckland in Freiburg arbeitete. "Syrian Elsewhere" ist ihr sehr persönlicher Beitrag zur CrossCulture Tour. Alles begann mit dem  Reflektieren über identitätsbasierte Fragen: "Wer bin ich?", "Welche Identität habe ich heute?" und "Welcher Kultur gehöre ich an?" Ihr Projekt beinhaltet eine Reihe von Fotografien und Videointerviews mit Syrern, die Zuflucht in verschiedenen europäischen Ländern fanden.

Ein Blick in die Publikation "Syrian Elsewhere"

Ausschnitte aus den gefilmten Interviews

Ein Treffen mit Rula & Mohan, den Köpfen hinter "Syrian Elsewhere"

Rula Asad & Mohan Dehne bei der Arbeit © Fotos: Mohan Dehne
Rula Asad & Mohan Dehne bei der Arbeit © Fotos: Mohan Dehne

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Wann und wie seid ihr auf die Idee gekommen “Syrian Elsewhere” zu realisieren?

Mohan: Es hat mit der syrischen Revolution im Jahr 2011 angefangen. Ich habe Menschen in Damaskus über ihre Meinung zur politischen Situation in Syrien interviewt. Dabei war ich besonders daran interessiert zu erfahren, ob sie überhaupt eine Lösung für das Dilemma sehen.

Rula: Ich beschäftige mich seit 2012 mehr mit dem Thema Syrerinnen und Syrer im Ausland. Zu der Zeit habe ich als Journalistin über die Situation in Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien und in der Türkei berichtet, und habe später auch als Freiwillige in einem Flüchtlingslager in den Niederlanden gearbeitet. Dabei sind immer mehr Fragen zur syrischen Kultur in einer neuen Gesellschaft aufgekommen. Bis 2014, als das Projekt „Syrian Elsewhere“ so startete wie es heute ist, hat uns das Thema beide persönlich betroffen, und wir wollten wissen wie sich die syrische Identität wandeln würde.

Rula Asad hat an der Universität von Damaskus Journalismus studiert.
Rula Asad hat an der Universität von Damaskus Journalismus studiert.

ifa: Wie habt ihr die Menschen gefunden und ausgewählt, die ihr letztendlich interviewt und porträtiert habt?

Rula/Mohan: Zu Beginn interviewten wir Syrerinnen und Syrer, die wir zufällig zu verschiedenen Anlässen trafen. Später fingen wir an bei unseren Entscheidungen auf die Diversität der Ausgewählten zu achten, um die syrische Gesellschaft so breit wie möglich repräsentieren zu können. Das war kein einfacher Job, da manche Angst hatten zu sprechen und andere weit weg lebten. Nach sechs Jahren Arbeit am Projekt haben wir es endlich geschafft eine Gruppe von Syrerinnen und Syrern zusammen zu bekommen, die in verschiedenen europäischen Ländern leben und sich in Bezug auf ihr Alter, Bildungsniveau, Glauben und ihren Hintergrund unterscheiden. Wir haben uns dafür sehr stark auf unser Netzwerk und soziale Medien gestützt.

Mohan Dehne arbeitet und lebt seit 2000 als Kunstfotograf und Dozent in den Niederlanden.
Mohan Dehne arbeitet und lebt seit 2000 als Kunstfotograf und Dozent in den Niederlanden.

ifa: Bitte erzählt uns mehr über die emotionalen Aspekte eures Projekts. Da ihr beide selbst Syrer im Exil seid, war es sicher nicht einfach die Geschichten und Emotionen zu dokumentieren. Wie seid ihr damit umgegangen?

Rula/Mohan: Es war überwältigend. Manche erzählten uns sehr viel über ihre eigenen dramatischen Erfahrungen, vor allem diejenigen, die über das Meer kamen. Wir versuchten damit professionell umzugehen, aber nach den Interviews wurden wir beide sehr emotional, und es dauerte ein paar Tage bis wir an den nächsten Interviews arbeiten konnten.

ifa: Wie haben eure Interviewpartner generell auf eure Projektidee reagiert?

Rula/Mohan: Sie haben sich sehr gefreut und geehrt gefühlt, wobei es für manche dann auch ein sehr schockierendes Thema war, da sie nie über ihre Identität nachgedacht hatten! Es war vor allem für diejenigen mit Kindern schwierig, wenn es um die Frage ging wie sie ihren Kindern in Zukunft von der syrischen Identität erzählen werden.

"Syrian Elsewhere" fand vom 23. bis 30. April 2017 im Weingut und Brennerei Dilger, Freiburg im Breisgau statt.

Interview mit Rula Asad bei Radio Dreyeckland am 20. April 2017

Radio Dreyeckland Freiburg (CC BY-NC-SA)

In Kooperation mit

Die Hilfsorganisation AMICA e.V. wurde 1993 während des Bosnienkrieges gegründet. Sie setzt sich für Frauen und Mädchen ein, die unter den Folgen von Kriegsgewalt in ihren Heimatländern leiden. Vor Ort baut AMICA e.V. psychosoziale Frauenzentren auf, in denen Fachkräfte soziale, rechtliche und medizinische Beratung, therapeutische Begleitung und Maßnahmen zur Existenzsicherung durchführen. Politische Bildung sowie Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sind weitere wichtige Bausteine der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen. Für das langjährige Engagement in Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo erhielt AMICA e.V. den Deutschen UNIFEM-Preis 2010. Im Jahr 2016 wurde AMICA e.V. mit dem Friedenspreis "Sievershäuser Ermutigung" für die Hilfe für durch Krieg und Flucht traumatisierte Menschen geehrt. Außerdem erhielt AMICA e.V. den Eine-Welt-Preis Baden-Württemberg.

www.amica-ev.org