
2010 / Russische Föderation, Tschetschenien Schulen des Friedens Kommunika – Frauennetzwerk Osteuropa e. V.  |  | |
Tschetschenien ist als autonome Republik teil der Russischen Föderation. Nach dem Niedergang der Sowjetunion wurden aufkeimende Sezessionsbestrebungen gewaltsam niedergeschlagen und durch die Einsetzung tschetschenischer, pro-russischer Führungskräfte auf Regierungsebene beschwichtigt. Erfahrungen aus den Kriegen und der andauernden Gewalt durch Anschläge islamistischer Gruppierungen prägen die Gesellschaft.
Organisationen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen und eine Aufarbeitung der Vergangenheit fordern, werden in ihrer Arbeit durch eingeschränkte Meinungsäußerungsrechte, Einschüchterung und Mordanschläge stark behindert. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region leidet weiterhin unter den gewaltsamen Auseinandersetzungen. Das Bildungssystem ist marode. Mangelhafte materielle Ausstattung und schlechte Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte erschweren die Arbeit an den Schulen.
Kommunika e. V. rief 2008 zusammen mit der lokalen Organisation "Živaja nit’ – Lebensfaden" ein Projekt zur Veränderung der Lehrmethoden an den Schulen ins Leben. Das Projekt wird nun bereits im dritten Jahr in Folge von zivik gefördert. Im Jahr 2009 wurden 19 Lehrerinnen in reformpädagogischen, partizipativen Lehrmethoden geschult. Diese setzen ihr neuerworbenes Wissen erfolgreich im Unterricht ein und bieten beispielsweise an ihren Schulen Lehreinheiten zur zivilen Konfliktbearbeitung und Friedenserziehung an. So wirken sie als Multiplikatoren im Prozess der Vermittlung von Kernkompetenzen einer in Frieden lebenden Gesellschaft.
Ziel des Projekts ist es, die Rolle der Schulen als Ort der Friedenserziehung, Konfliktbearbeitung und Demokratieförderung in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zu stärken. Als konkrete Maßnahmen des Projekts 2010 sind zwei Trainings für die 17 Teilnehmenden, Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen aus lokalen Organisationen, geplant. Das erste wird Ende Juni/Anfang Juli im Rahmen einer Bildungsreise nach Deutschland stattfinden. Neben dem Training werden mehrere deutsche Schulen besucht, in denen die tschetschenischen Teilnehmerinnen Programme zur Konfliktbewältigung kennen lernen können. Das zweite Training findet Ende des Jahres in Tschetschenien statt.
Es werden erste Erfolge in den Schulen berichtet. Die Schüler werden selbstbewusster, entwickeln eigene Ideen, die Lernmotivation steigt und der Zusammenhalt in den Klassen wächst. Das Projekt bringt die Region einen weiteren Schritt voran auf dem Weg hin zu einer friedlicheren und demokratischeren Gesellschaft.
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