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2010 / Bolivien
Prävention und Bearbeitung von Landkonflikten in der Chiquitania
Deutsche Welthungerhilfe e. V.


Die Welthungerhilfe ist seit 1970 in Bolivien tätig und arbeitet seit 1998 mit der unabhängigen Stiftung Fundación TIERRA (Taller de Iniciativas en Estudios Rurales y Reforma Agraria) zusammen. Fundación TIERRA möchte mit ihrer Arbeit einen Beitrag zur Demokratisierung des Zugangs, Besitzes und der Nutzung der natürlichen Ressourcen leisten und die Beteiligung der Zivilbevölkerung an der Politikgestaltung sowie den Dialog und die Konfliktvermittlung zwischen dieser und politischen Entscheidungsträgern fördern.

Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas und von extremer Ungleichverteilung von Besitz und Einkommen geprägt, die insbesondere in der Ausgrenzung der indigenen Bevölkerungsmehrheit zum Ausdruck kommt. Die Benachteiligung der indigenen Bevölkerung verschärft sich in den letzten Jahren u. a. aufgrund der steigenden Einwanderung und bedroht letztendlich die Existenzgrundlage der Kleinbauern. Mit der Wahl des Bauernführers Evo Morales zum ersten indigenen Präsidenten Boliviens im Dezember 2005 begann ein Prozess tiefgreifender politischer und sozialer Veränderungen, der die bolivianische Gesellschaft stark polarisiert. So stehen nun die Erwartungen der indigenen kleinbäuerlichen bzw. landlosen Bevölkerung den Interessen der traditionellen Machtgruppen und Eliten gegenüber.

Fundación TIERRA entwickelte Prozesse zur Klärung der Landbesitzverhältnisse und Grenzziehungen, um auf der Basis des geltenden Rechts und des lokalen Gewohnheitsrechts die bestehenden Konflikte zu bearbeiten. Das Projekt fördert die Kapazitäten zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung und stärkt die indigenen Organisationen und kommunalen Führungspersonen durch Fortbildungen zu Multiplikatoren in Rechtsfragen. Diese stehen dann ihren Gemeinden als Referenzpersonen in Landkonfliktfällen und bei der Schlichtung von Konflikten zur Verfügung. Fundación TIERRA versucht durch eine transparente Informationsvermittlung und eine allparteiliche Rolle die teilweise gewalttätige Austragung von Konflikten zu verhindern. Hierfür werden u. a. 48 Radioprogramme produziert und ausgestrahlt. Dialogräume werden geschaffen, in denen unterschiedliche Positionen sowohl von staatlicher Seite als auch von Seiten der Zivilgesellschaft ausgetauscht werden können und wo vor allem die bisher ausgegrenzte indigene und kleinbäuerliche Landbevölkerung die Möglichkeit erhält ihre Interessen in politische Aushandlungsprozesse einzubringen.

Das Projekt verhilft den Kleinbauernfamilien eine Rechtssicherheit über ihr Land zu erlangen und somit zu einer gesicherten Existenzgrundlage. Es trägt zur Klärung der Konflikte um Eigentumsrechte innerhalb und zwischen den Gemeinden sowie zwischen anderen Konfliktparteien bei und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Konfliktreduktion.








 

 
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