
2010 / Tadschikistan Friedensmarsch 2010 Deutscher Caritasverband e. V. Caritas Deutschland arbeitet seit 2006 in Tadschikistan. Im Jahr 2007 fand das Projekt ebenfalls mit Unterstützung des ifa zum ersten Mal statt und geht nun in das vierte Jahr. Caritas Deutschland arbeitet in diesem Projekt mit der Organisation "ZUMRAD" Child Ecological Society zusammen. ZUMRAD arbeitet mit Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und Schulen zusammen und organisiert Camps, Seminare, Trainings, Ausflüge sowie Aktivitäten und Veranstaltungen zum Thema Umweltschutz.
Die derzeitige Lage in Tadschikistan scheint stabil und ruhig. Es herrscht der gemeinsame Konsens, dass ein Bürgerkrieg nicht wiederholt werden sollte. Dennoch sind latente Gewaltpotenziale vorhanden. Erwachsene beschreiben die Konflikte häufig in Verbindung mit ethnischer Zugehörigkeit, was von Kindern und Jugendlichen aufgegriffen und zu nationalistischer Orientierung und ethnisch begründeten Anfeindungen führt. Zurzeit werden keine offenen gewaltsamen Konflikte ausgetragen, es zeigen sich aber durchaus Konflikte um Ressourcen (Land und Wasser), die unter dem Deckmantel ethnischer Konflikte und Interessen gehandelt werden. Dadurch entstehen spürbar zunehmend soziale Spannungen. Ferner tragen eine ausgeprägte Regionalisierung und Netzwerke von Patronagen in Tadschikistan zu einer instabilen politischen Situation bei.
Das Projekt setzt bei Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern sowie der Schule an und bezieht lokale Autoritäten aus Politik und Religion mit ein. Im Juli fanden sechs "mini-camps" statt, bei denen die Teilnehmenden lernten sich selbst zu organisieren und sich in einer Gruppe zurechtzufinden. Sie lernten das Leben von Jugendlichen in Bergdörfern kennen, gingen wandern und diskutierten über Lösungen von Umweltproblemen. Unter dem Motto "Sport – messenger of peace" findet neben anderen Sportveranstaltungen im August ein Motorradrennen statt, das mit dem Besuch der verschiedenen Regionen Tadschikistans und dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Nationalitäten und ethnischer Gruppen verbunden ist. Dabei soll ein Austausch über alltägliche Probleme stattfinden und über Konflikte und ihre Lösungen diskutiert werden. Im August wird auch das Hauptcamp über zehn Tage stattfinden, bei dem 120 Kinder und Jugendliche, Vertreter von Kinderclubs, Repräsentanten des Bildungsministeriums und öffentliche Organisationen teilnehmen werden. In Gruppen werden alternative Lösungsmöglichkeiten der Konflikte diskutiert und Aspekte identifiziert, die die Bevölkerung von Tadschikistan einen.
Das Projekt soll dazu beitragen, dass die Teilnehmenden ein Verständnis für die Gewaltfreiheit als Philosophie und als Strategie im Umgang mit Konflikten haben. Kritische Formen der Erziehung sollen im Lernprozess Anwendung finden. Auf diese Weise werden die jüngeren Generationen ethnisch "immunisiert" und sind geschützt gegen die Entstehung von Feindbildern aufgrund ethnischer Zuschreibungen. Die bisher marginalisierten Jugendlichen werden befähigt an ihren eigenen Ressourcen anzusetzen und werden so zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten. Durch das Projekt wird das Thema "Frieden" in einer gespaltenen und sich im Umbruch befindenden Gesellschaft wie Tadschikistan dauerhaft schon Kindern vermittelt. Der von ZUMRAD gewählte Weg über Freizeitaktivitäten hat sich dafür bewährt.
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