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Good Practice – Lernen aus erfolgreichen Projekten

Sierra Leone / Friedenserziehung
Bildungszentrum – Methoden ziviler Konfliktbearbeitung
Kindernetzwerk Sierra Leone e. V. (KNSL)

Projekt Bearbeiteter Konflikt Ziele Zielgruppen Maßnahmen und Methoden Erfolgsfaktoren Evaluation Organisation Lokaler Projektpartner Orte der Durchführung Förderzeitraum

Projekt
Aufbau und Etablierung eines Bildungszentrums zu Methoden ziviler Konfliktbearbeitung: Community Mediation and Learning Centre

Bearbeiteter Konflikt
In Sierra Leone fand zwischen 1991 und 2002 ein Bürgerkrieg statt, in dessen Verlauf mindestens 50.000 Menschen ums Leben kamen, ca. 100.000 verletzt wurden und schätzungsweise 2,4 Millionen Menschen intern vertrieben wurden. Der Krieg hinterließ ein wirtschaftlich und sozial verwüstetes Land. Versöhnungsprozesse und ein langfristiger Friedensaufbau befinden sich noch in einem labilen Zustand. Die sozialen Strukturen werden von Gemeindeführern (Paramount Chiefs) beherrscht, die auf Lebzeiten gewählt werden und fast uneingeschränkte Macht vor Ort genießen, die auch die Rechtsprechung ein­schließt. Gerichtsgebühren und Geldstrafen bilden eine wesentliche Einnahmequelle für die Gemeinde­führer, die daraus ihre Verwaltung finanzieren. Allerdings sind ihre Entscheidungen oft nicht nachhaltig, und es kommt vor, dass Konflikte jahrzehntelang ungelöst bleiben. Dies stellt ein erhebliches Gefähr­dungspotential für den sozialen Frieden dar, was sich u.a. in sozio-politischer Ausgrenzung von Frauen und Jugendlichen, aber auch in der hohen Zahl der anhängigen Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Streitigkeiten über Landnutzungs- und Fischereirechte zeigt. Diesem strukturellen Konfliktpotential wird bisher zu wenig Beachtung geschenkt. Hinzu kommt, dass Entscheidungen von lokalen Richtern und traditionellen Schlichten nicht dem nationalen Rechtskodex folgen, sondern weitgehend Ermessens­sache sind.

Ziele
Es findet Gewaltprävention auf familiärer, gesellschaftlicher und politischer Ebene durch eine kontinuierliche und nachhaltige Arbeit des Bildungszentrums statt. Konkret geschieht das in den Bereichen a) Mediationsausbildung von Politikern, Schulleitern, lokalen Gerichtspräsidenten und Gemeindeführern, b) Institutionalisierung von Mediationskonzepten durch Begleitung und Unterstützung von Schlichtungsausschüssen in den Gemeinden, c) Verbesserung und Stärkung der Rechtsprechung durch die Etablierung eines Schlichtungsausschusses auf Distriktebene.

Zielgruppen
Politiker und einflussreiche Streitschlichter, die Recht sprechen (lokale Gerichtspräsidenten, Gemeinde- und Dorfführer), Schulleiter, Mitglieder der Schlichtungsausschüsse, Frauen und Jugendliche.

Maßnahmen und Methoden
Zu Beginn des Projekts steht die Durchführung eines Planungs- und Monitoringworkshops aller Projekt­beteiligten. In der Folge nehmen Vertreter der Zielgruppen an Mediationstrainings teil, um sich zu Techniken der zivilen Konfliktbearbeitung fortzubilden (aktives Zuhören, kooperative Problemlösungen und Ausbau der Fähigkeiten zur gewaltfreien Konfliktintervention, etc.). Der Theorie folgt die Praxis durch die aktive Mitwirkung in realen Streitschlichtungsfällen. Ergänzend werden Diskussionsforen zur Gemeindeentwicklung geschaffen und Mobilisierungskampagnen mit Radiosendungen und Informationsveranstaltungen durchgeführt. Schließlich bieten Computerkurse und eine Bibliothek am Bildungszentrum Zugang zu vielfältigen Informationen, die eine pluralistische Meinungsbildung ermöglichen.

Erfolgsfaktoren des Projekts
Das Projekt baut auf Erfahrungen des Projektträgers in der Region aus vorangegangenen Jahren auf. Erkenntnisse flossen auf Basis einer ausführlichen Situations- und Bedarfsanalyse in die Projekt­planungen ein. Somit ist eine angemessene Einbettung in den Konfliktkontext zu sehen, wenn Schlüssel­akteure in Mediationsverfahren mit dem Ziel ausgebildet werden, transformierenden und positiven Einfluss auf bestehende Strukturen zu nehmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Projekt­maßnahmen einen wirkungsvollen Beitrag u.a. auf politischer Ebene leisten, da sich unter den Schlüssel­akteuren u.a. ehemalige Parlamentsangehörige befinden. Mit Blick auf nachhaltige Ergebnisse verfolgt der Projektträger das Ziel, dass das Zentrum 2010 finanziell unabhängig arbeiten kann. Diese Ein­schätzung erscheint realistisch, so haben sich das sierra-leonische Erziehungsministerium und der Pujehun District Council bereit erklärt, die Stelle eines Bibliothekars zu finanzieren. Im Weiteren sollen durch den Aufbau eines angegliederten Computer- und Informationszentrums Einnahmen generiert werden.

Evaluation
Teil der Maßnahmenplanung ist die Durchführung einer Evaluation. Die Projektverantwortlichen können auf diese Weise die Relevanz des Projektes prüfen, Empfehlungen für folgende Projektphasen erarbeiten und entsprechende Erkenntnisse für eine höhere Wirksamkeit des eigenen Engagements nutzen.

Organisation
Kindernetzwerk Sierra Leone e. V. (KNSL)
Bredowstr. 18a, D-10551 Berlin
Tel. +49 / 30 / 39039059
info( at )schule-fuer-afrika.de
www.schule-fuer-afrika.de

Lokaler Projektpartner
Pujehun Youths for Development (PYD)
1 District Office Road, Pujehun, Sierra Leone
pujehunyouths( at )aol.com

Orte der Durchführung
Alle 12 Chiefdoms des Distrikts Pujehun im Süden Sierra Leones

Förderzeitraum
2008 – 2009


Kindernetzwerk Sierra Leone e. V.

Kindernetzwerk Sierra Leone

 

 
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