Von der Kunst, sich selbst zurückzunehmen

Ein Gespräch mit Barbara Klemm

Mit ruhiger Hand greift sie nach ihrer Tasche, um sich ihrem wertvollsten Inhalt zu vergewissern: "Die Leica habe ich immer dabei." Jahrzehntelang dokumentierte die frühere FAZ-Fotografin das Zeitgeschehen, während sich ihre Fotos ins kollektive Bildgedächtnis der Deutschen brannten. Barbara Klemm lächelt. Am Rande der Ausstellung Zeitsprung in Stuttgart nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch.

Von Juliane Pfordte

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Frau Klemm, Ihre Schwarzweißfotos stehen für eine fast schon vergessene Ära der Pressefotografie. Sie haben mal gesagt, dass Sie auch schwarzweiß träumen. Ist das wirklich so?

Barbara Klemm: Ja, soweit ich mich erinnern kann, sind alle meine Träume schwarzweiß. Träumen Sie bunt?

ifa: Ja, sehr bunt sogar. Nun waren Sie durch die Zeitung zunächst festgelegt auf Schwarzweiß-Fotografie. War es trotzdem eine bewusste Entscheidung?

Klemm: Ich habe auch zwei Jahre lang Farbe fotografiert, aber das war nicht mein Metier. Meiner Meinung nach lassen sich Inhalte in Schwarzweiß deutlicher und schneller vermitteln als in Farbe. Strukturen werden in Grau- und Schwarzweißtönen sehr viel klarer. Vielleicht wirkt ein farbiges Bild auf den ersten Blick anziehender, weil es einem sofort ins Auge springt. Aber für ein gelungenes Farbfoto braucht man Zeit und Gestaltungsspielraum und das hat man in der Reportagefotografie nicht. Mir war immer wichtig, dass das Bild neugierig auf den Artikel macht. Zwischen einem Schwarzweißfoto und Text besteht eine Homogenität. Das Bild platzt nicht heraus, es verstärkt den Text, wenn es ein gutes Bild ist.

ifa: Was macht denn ein gutes Bild aus?

Klemm: Eine gute Komposition: die Aufteilung des Bildes in klare Formen, die den Inhalt schnell vermitteln und ordnen – das ist für mich ein gutes Bild.

ifa: Ist dieser Anspruch künstlerisch geprägt? Ihre Eltern waren beide Maler.

Klemm: Ich bin mit Kunst groß geworden, das hat mich immer umgeben und unbewusst sicher sehr geprägt. Ich ging oft mit meinem Vater ins Museum und staunte, was er alles über Maler und die Malerei wusste. Davon ist sicher viel hängen geblieben, gerade wenn es darum geht, bei der Aufnahme eines Ereignisses, eine gute Komposition zu sehen. Mein Vater sagte immer, ich hätte das in mir, aber bis zu einem gewissen Punkt kann man das trainieren. Betrachten, beobachten, sich bewegen – das schult.

ifa: Haben Sie sich eher als Fotokünstlerin oder -journalistin gesehen?

Klemm: Ich habe immer versucht, ein gutes Bild zu machen – keine Kunst. Ich bin nie mit dem Anspruch an die Arbeit gegangen, Kunst zu machen. Das ist im Fotojournalismus schwierig, weil so viele Faktoren eine Rolle spielen, die man kaum beeinflussen kann.

ifa: Und warum haben Sie sich für Fotografie entschieden?

Klemm: Das war eine Idee meines Vaters. Er schlug vor, eine Fotografenlehre zu machen. Manchmal sind es glückliche Momente im Leben, die man beim Schopfe packen muss. Meine Ausbildung konnte ich in einem Porträtatelier in Karlsruhe machen. Danach arbeitete ich für kurze Zeit in einer Repro-Firma. Aber dort wäre ich eingegangen wie eine Primel – es war furchtbar, ständig nur Streifenanzeigen herzustellen. Eine Kollegin aus der Firma sollte in Frankfurt für die FAZ in der Klischeeherstellung arbeiten, also die Druckvorlagen für die Zeitungsfotos herstellen. Da sie dann doch nicht nach Frankfurt gehen wollte, erhielt ich die Stelle.

ifa: Bei der FAZ lernten Sie den Fotografen und späteren Kollegen Wolfgang Haut kennen. Er regte Sie dazu an, ab 1970 journalistisch zu arbeiten. Welche Vor- und Nachteile hatte die Auftragsfotografie für Sie?

Klemm: Für mich hatte es immer nur Vorteile. Ich brauchte den Druck der Zeitung, um das optimale Bild zu liefern. Der größte Druck ging aber immer von mir selbst aus. Mich haben sehr viele Dinge gereizt, daher arbeitete ich auf Reisen oft zusätzlich zu den Aufträgen der FAZ. Von morgens bis abends ging ich durch die Straßen und versuchte, ganz Verschiedenes einzufangen: von sozialen Themen über Kultur bis hin zu Landschaften. Oftmals fotografierte ich, um Artikel zu bebildern, die noch gar nicht geschrieben waren.

ifa: Wie frei waren Sie in Ihrer Arbeit?

Klemm: In der Beziehung war die Zeitung sehr großzügig. Ich konnte frei arbeiten und viele eigene Themen umsetzen. Probleme hatte ich manchmal mit den Bildunterschriften, zum Beispiel während der Studentenbewegung.

ifa: Sie haben Ihre Sympathie für die Studentenbewegung nie zurückgehalten. Wie hat das Ihre Arbeit mit der eher konservativen FAZ beeinflusst?

Klemm: Darüber war die Zeitung natürlich nicht immer erbaut. Aber in den Konferenzen konnte man die Fakten darstellen, die auch auf den Bildern zu sehen waren. Ich lernte mich durchzusetzen. Das war in der damaligen Männerwelt nicht immer einfach.

ifa: Wie haben Sie sich allgemein als Frau in einer von Männern dominierten Politik- und Fotografenwelt gefühlt?

Klemm: Ich habe eigentlich immer nur versucht, meine Sache gut zu machen. Der Rest war mir egal. Klar habe ich gemerkt, dass mich die Kollegen zunächst immer etwas von oben herab behandelten und dachten: "Die Kleine da, was die wohl will." Aber letztlich waren es die Fotos, die sich gegen die der männlichen Kollegen durchsetzen mussten. Mit der Zeit merkten sie, dass meine Bilder nicht nur Eintagsfliegen waren.

ifa: Hatte es auch Vorteile, eine Frau zu sein?

Leonid Breschnew, Willy Brandt, Bonn, 1973 © Barbara Klemm

Klemm: Bei meinen Kollegen weniger, aber in der Politik schon. Zum Beispiel beim Treffen von Willy Brandt und Leonid Breschnew. Dass ich überhaupt bei diesem Treffen fotografieren durfte, lag sicher auch daran, dass ich jung und die einzige Frau war. Als Breschnew in den Konferenzraum kam und mich sah, meinte er: "Endlich mal eine Frau, Männer hab ich immer hier." Auch bei meinen Reisen in die ehemalige Sowjetunion war es von Vorteil. Ich konnte mich freier bewegen. Man hatte keine Angst vor mir. Man unterschätzte mich und meine Arbeit. Im Nachhinein weiß ich, dass das der Grund war, warum ich selten Ärger beim Fotografieren hatte.

ifa: Denken Sie, dass es in der Fotografie einen speziellen weiblichen Blick gibt?

Klemm: Nein, es gibt sensible und unsensible Fotografen, aber das ist keine Frage des Geschlechts. Vielleicht haben Frauen eine andere Herangehensweise. Während ich mich zum Beispiel eher zurückhalte, haben Männer womöglich eher das Gefühl, zeigen zu müssen, wer sie sind.

ifa: Erich Salomon war zum Beispiel dafür bekannt, sich selbst in Szene zu setzen, auch in Selbstporträts – heute würde man vielleicht vom ersten Selfie sprechen.

Klemm: Bilder von mir selbst haben mich nie interessiert. Abgesehen von einem Bild auf der documenta, das mich in einer Videoinstallation von hinten zeigt, habe ich nie Bilder von mir gemacht.

ifa: Was unterscheidet Ihre Arbeit von der Salomons?

Klemm: Ich glaube, ich bin immer politischer gewesen. Salomon war Teil der Welt, die er fotografierte – der Eliten und Politiker. Vielleicht konnte er sich den Nationalsozialismus und Holocaust deswegen nicht ganz vorstellen, obwohl er selbst Jude war. Vielleicht hat ihn dies sein eigenes Leben gekostet. Aber auch er, so wie ich, wollte mit den Fotos immer zeigen, wie sich Politik auf das soziale Leben der Menschen auswirkt.

ifa: Wie haben die Menschen reagiert, wenn sie merkten, dass Sie sie fotografierten?

Klemm: Wenn jemand nicht wollte, dass ich das Bild verwendete, habe ich das immer akzeptiert. Wenn jemand aggressiv wurde – auch das kam ab und zu vor – habe ich versucht zu vermitteln und erklärt, dass mir die Situation sehr gut gefallen hatte und dass ich für die Zeitung arbeitete. Gegenüber Berufsfotografen besteht heute aber eine besondere Empfindsamkeit, die es damals so nicht gab. Obwohl doch jeder heute Alles und Jeden fotografiert und ins Netz stellt und sich entblößt, ist den Leuten das Recht am eigenen Bild viel wichtiger geworden.

ifa: Von Politikern über Künstler bis hin zu Straßenszenen in Rumänien oder Südafrika – welche Art von Fotografie hat Sie am meisten fasziniert?

Leipzig, 1970, Kinder der "Pionierorganisation Ernst Thälmann"© Barbara Klemm

Klemm: Mich haben immer die Menschen interessiert – das, was im öffentlichen Raum passiert, was man auf der Straße beobachten kann. Das ist auch der Raum, der uns Fotografen am leichtesten zugänglich ist. Es reizt mich, Menschen zu beobachten und zu sehen, wie eine Situation mitten aus dem Leben wie eine Inszenierung wirkt – als hätte ein Regisseur die Menschen dort so hingestellt. Wenn es mir glückt, diese Momente einzufangen, ist das ein großartiges Gefühl. Architektur hingegen hat mich weniger gereizt, obwohl mir trotzdem ein paar gute Aufnahmen gelungen sind.

ifa: In Ihrem aktuellsten Projekt steht nicht der Mensch im Vordergrund, sondern die Natur.

Klemm: Für das Projekt Reisenotizen habe ich mich im Auftrag der Altana Kulturstiftung auf Goethes Spuren begeben und Orte besucht, die er gezeichnet hatte: unter anderen Weimar, Jena, den Thüringer Wald, das Fichtelgebirge, bis hin zu Rom und Tivoli. Das war ein wunderbarer Auftrag, mit dem ich fast ein Jahr beschäftigt war. Es war schön, dass mein Mann im Gegensatz zu früher da mitfahren konnte.

ifa: Ihr Mann Leo Hilbert ist Psychoanalytiker. Inwiefern hat er Ihre Empathie, Ihr Gespür für das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz geprägt?

Klemm: Mein Mann ist unglaublich belesen. Er hat mich oft auf politische Themen aufmerksam gemacht, auf Aspekte, die ich vorher nicht bedacht hatte. Wir tauschen uns oft und intensiv über meine Arbeit aus.

ifa: Wie haben Sie es geschafft, immer Abstand zu dem zu halten, was sie fotografierten?

Klemm: Das ist die Kunst, sich selbst zurückzunehmen. Es geht immer darum, zu beobachten, nicht zu stören oder das Geschehen zu verändern. Das ist verdammt schwer, es verlangt Konzentration und Erfahrung.

ifa: … Erfahrung, die Sie hatten, als Ihnen zum Beispiel die berühmten Aufnahmen vom Mauerfall 1989 gelangen.

Klemm: Das war das wichtigste Ereignis in meiner gesamten Laufbahn als Fotografin. Ich denke, für uns alle war es damals unglaublich, noch zu Lebzeiten diese Mauer und das Regime dahinter fallen zu sehen. Damals musste ich meine eigenen Emotionen sehr zurückhalten, um wirklich sehen zu können, wo sich das Geschehen verdichtete. Ich war schon bei der Alexanderplatz-Demonstration der Künstler am 4. November in Berlin, aber damals ahnte noch niemand, was am 9. November passieren würde.

ifa: Erinnern Sie sie noch, was Sie an jenem Abend gemacht haben?

Fall der Mauer, Berlin, 10. November 1989; © Barbara Klemm

Klemm: Wir waren unterwegs und ich schaltete in der Nacht den Fernseher an, als plötzlich eine Sendung "aus gegebenem Anlass" abgesetzt wurde und Helmut Kohl aus Warschau über die Ereignisse in Berlin sprach. Da war mir sofort klar, dass ich am nächsten Morgen den ersten Flieger nach Berlin nehmen würde. Es war irre, wie alle Menschen nicht nur davor, sondern auch auf der Mauer beim Brandenburger Tor standen und jubelten.

10. November 1989, Berlin. © Barbara Klemm

Also kletterte ich auch hoch. Ich wollte ja auch sehen, wie es im Osten aussah. Es gab aber nur eine einzige Leiter. Das war Wahnsinn. In dem Moment fotografierte ich auch die junge Frau, die den Grenzbeamten um ein Autogramm bat. Plötzlich drehten sich alle Richtung Westen: Dort standen Willy Brandt, Dietrich Stobbe und Walter Momper. Wie gerne hätte ich diese drei Berliner Bürgermeister mit der Mauer im Hintergrund fotografiert. Aber ich stand oben – zum Springen war es zu hoch, die Leiter war zu weit weg und es war ohnehin so voll, dass man Angst hatte, aus Versehen jemanden hinunter zu schubsen. Also machte ich das schöne Bild mit den Dreien von oben.

ifa: Und waren damit die Einzige mit dieser Perspektive.

Klemm: Ja, das war hier der Zwang. Ich habe mir bei Salomon abgeschaut, Alternativen zu suchen oder sich anders Zugang zu verschaffen, wenn mal etwas schief geht.

ifa: Es ist schwer vorstellbar, dass Ihnen viele Fehler unterlaufen sind.

Klemm: Oh doch (lacht), zum Beispiel bei einem Treffen von François Mitterand und Helmut Kohl. Erst beim Rausgehen merkte ich, dass ich keinen Film in einer Kamera hatte. Da stand ich plötzlich mit hochrotem Kopf, während alle anderen Kollegen abschwirrten.

ifa: Und was haben Sie gemacht?

Klemm: Ich drehte eine Runde um das Gebäude – das war ein kleines Schlösschen in der Pfalz. Und so gelang mir ein gutes Foto von Kohl und Mitterand, als sie mit der Dolmetscherin aus dem Fenster auf die Pfälzer Landschaft blickten. Das Foto war sehr schwer zu vergrößern, aber es war ein Motiv, das alle anderen Fotografen nicht hatten.

ifa: Auch das Bild von Helmut Kohl anlässlich seines 65. Geburtstags ist einzigartig, eine intime Momentaufnahme seiner Macht.

Helmut Kohl, Bundeskanzleramt Bonn, 1995 © Barbara Klemm

Klemm: Als ich diesen Auftrag erhielt, wusste ich, dass ich den Kanzler mit seinen engsten Mitarbeitern bei der Arbeit zeigen möchte. Man kann Politiker immer besser in Aktion fotografieren. Ich brachte ihm zwei Bilder mit: eines vom Anfang seiner Karriere, der Gratulation von Helmut Schmidt nach dem Misstrauensvotum, und eins vom Höhepunkt, dem 3. Oktober 1990 auf der Balustrade vor dem Reichstag mit Oskar Lafontaine, Willy Brandt, Hannelore Kohl und Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker und Lothar de Maizière. Daraufhin fragte er mich, wie ich es denn haben wollte. Auf diese Frage hatte ich gehofft.

ifa: Und wie wollten Sie es haben?

Klemm: Ich bat ihn, so zu arbeiten wie immer, als ob ich nicht da wäre. So konnte ich vom Hintergrund aus beobachten und fotografieren. Als er nach einer halben Stunde meinte "Jetzt reicht's", tat ich so, als hätte ich es nicht gehört und machte trotzdem weiter. Das hätte ich mich früher nicht getraut, aber er ließ mich gewähren. Das ist, sich zurück zu nehmen und zu beobachten. Das ist immer eine große Anstrengung. Damals war ich so erschöpft, als hätte ich Kohlen geschaufelt.

ifa: Wäre das Schreiben für Sie die einfachere Alternative gewesen?

Klemm: Schreiben ist eine ganz hohe Kunst. Texter haben es erheblich schwerer als Fotografen. Ich habe Redakteure immer dafür bewundert, wie sie die Geschichten, die wir zusammen erlebt hatten, mit Worten auf den Punkt brachten. Wir Fotografen haben den Druck im Moment des Ereignisses, in dem wir die Situation in ihrer Komplexität erfassen müssen. Wenn uns das nicht gelingt, können wir anschließend nichts mehr retten – entweder das Bild ist auf dem Negativ, scharf und gut belichtet oder eben nicht. Dieser Druck ist unglaublich groß. Redakteure hingegen können im Nachhinein noch einmal recherchieren, Infos einholen oder nachlesen, bevor sie den Artikel schreiben.

ifa: Wäre es für Sie auch in Frage gekommen, in Kriegsgebiete zu gehen?

Klemm: Nein, dafür habe ich immer zu viel Angst gehabt. Das müssen Leute machen, die dafür ausgebildet sind, sich bewusst darauf einlassen und einen inneren Drang dazu verspüren. In Kriegsgebiete zu ziehen, nur um ein sensationelles Bild zu machen oder berühmt zu werden, war nicht meine Sache. Auch wenn man sehr erfahren und vorsichtig ist, kann es einen treffen. Das habe ich auch Anja Niedringhaus* bei unserem letzten Treffen gesagt, vier Wochen bevor sie erschossen wurde. Ich war für sie wie eine große Schwester. Wir haben uns sehr gemocht.

ifa: Was würden Sie jungen Fotografen heute mit auf den Weg geben?

Klemm: Wenn man begabt ist, den Beruf unbedingt will und fleißig ist, kann man auch heute mit Fotografie erfolgreich sein. Es gibt viele Ausbildungswege und Möglichkeiten, von der Architektur, über Mode, Kunst bis hin zu Journalismus. Aber es ist schwierig, seine Nische zu finden. Und es ist extrem schwierig geworden, bei der Masse der digitalen Fotos etwas Beständiges zu schaffen. Auch die Berufsmöglichkeiten sind bei der großen Anzahl der Fotografen und der immer schlechter werdenden Bezahlung extrem schwierig.

ifa: Ihre Nische ist die analoge Schwarzweißfotografie. Wie stehen Sie zur digitalen Fotografie?

Klemm: Sie ist mir zu perfekt. Man kann sich heute nicht mehr sicher sein, ob die Dinge wirklich so stattgefunden haben, wie sie auf Bildern gezeigt werden. Man kann sehr viele Details manipulieren, was gute Redaktionen zum Glück nicht zulassen.

ifa: Also fotografieren Sie noch heute schwarzweiß und analog?

Klemm: Ja, und dabei bleibe ich. Selbst mit einer digitalen Leica-Kamera würde ich nicht arbeiten. Leica wollte sie mir großzügiger Weise anlässlich des Leica Hall of Fame Award 2012 schenken. Daraufhin sagte ich: "Wenn das die Bedingung ist, kann ich den Preis nicht annehmen." Das war ein netter Versuch, mich zur digitalen Fotografie zu verführen, aber ich durfte mir dann eine neue analoge Kamera aussuchen.

ifa: Frau Klemm, ich bedanke mich für das Gespräch.

© ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) 2016

*Anja Niedringhaus

Die deutsche Fotojournalistin kam im April 2014 bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben.

Barbara Klemm; Foto: privat

Barbara Klemm wurde 1939 in Münster geboren. Nach der Ausbildung in einem Porträtatelier in Karlsruhe begann sie 1959 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zu arbeiten: zunächst in der Klischeeherstellung, von 1970 bis 2004 als Redaktionsfotografin mit dem Schwerpunkt Feuilleton und Politik. Seit 1992 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg. Im Jahr 2000 übernahm sie eine Honorarprofessur im Fach Fotografie an der Fachhochschule Darmstadt. Barbara Klemm lebt heute in Frankfurt am Main.

Ausstellungskataloge

Barbara Klemm. Helldunkel. Fotografien aus Deutschland – Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), 2009. – 196 S.

Barbara Klemm

Helldunkel. Fotografien aus Deutschland. – Stuttgart: ifa, 2009. – 196 S. – bestellen

Zeitsprung. Erich Salomon. Barbara Klemm. – Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), 2007. – 142 S.

Zeitsprung

Erich Salomon. Barbara Klemm. – Stuttgart: ifa, 2007. – 142 S. – bestellen

ifa-Ausstellungen

Barbara Klemm – Helldunkel. Fotografien aus Deutschland
Zeitsprung. Erich Salomon – Barbara Klemm