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Kurt-Jürgen Maaß (Hg.): Kultur und Außenpolitik. Handbuch für Studium und Praxis. Mit einem Geleitwort von Bundespräsident Horst Köhler zur ersten Auflage 2005. – 2. vollst. überab. und erw. Aufl. – Baden-Baden: Nomos, 2009. – 500 S.; nur im Buchhandel. – 39 €; ISBN 978-3-8329-4813-9.


EinleitungZusammenfassung Inhaltsverzeichnis Autoren


Einleitung zur zweiten Auflage

Ist die Außenkulturpolitik Deutschlands die "tragende dritte Säule der Außenpolitik"? Oder ist sie mit ihren Zielen und Aufgaben überfordert? Ist sie eine Investition in die Zukunft oder gehört sie zu den (in Krisenzeiten verzichtbaren) Subventionen? Steht die Kultur im Dienst der Diplomatie? Oder arbeitet die Diplomatie im Dienst der Kultur? Ist die Zusammenarbeit des Auswärtigen Amtes mit einer steigenden Zahl zivilgesellschaftlicher Akteure ein Gewinn? Oder erhöht sie die Unübersichtlichkeit dieses Politikfeldes?

Die Diskussion um die Außenkulturpolitik hat sich in den letzten Jahren eine Reihe von erstaunlichen Auseinandersetzungen geleistet. Die Kontroversen haben ihr aber genützt. Sie steht heute politisch konsolidierter und anerkannter da. Kultur ist – so sieht es jetzt auch das Auswärtige Amt – ein Fundament der Außenpolitik. Sie wird genutzt, um außenpolitische Ziele zu erreichen. Bis 1989 wurde mit ihr im Ausland das „bessere Deutschland“ vorgestellt und vermittelt. Nach 1990 und bis ins laufende Jahrzehnt hinein wurde die Hilfe bei der Transformation und beim Demokratie-Aufbau in den mitteleuropäischen ehemaligen Mitgliedstaaten der Sowjetunion zu einer Priorität. In der letzten Dekade ist die Bedeutung der Auswärtigen Kulturpolitik immens gewachsen. Von ihr werden Beiträge zur Integration der neuen EU-Mitgliedsländer, neue Ansätze im Dialog mit der islamisch geprägten Welt, eine Unterstützung wirtschaftlicher Interessen der Bundesrepublik Deutschland und Beiträge zur außenpolitischen Krisenprävention erwartet. In Deutschland selbst sollen Kulturbegegnung, Dialog und Austausch die Integration von Migranten unterstützen.

Trotz dieses Bedeutungszuwachses sind eine ernst zu nehmende akademische Diskussion und eine wissenschaftliche Untermauerung bisher erst langsam in Gang gekommen. Nur etwa 30 deutsche Hochschulen behandeln das Thema in der Lehre. Die Zahl der Wissenschaftler, die sich in Forschungsarbeiten mit Fragen Auswärtiger Kulturpolitik beschäftigen, ist immer noch gering. Man konstatiert eine Praxis ohne Theorie. Auch der internationale Vergleich und der Erfahrungsaustausch waren bis vor kurzem nicht existent. Ein europäisches Netzwerk in der Forschung wie auch in der Praxis ist nur rudimentär entwickelt. Gerade beim Übergang auf das Bologna-System hätte die Möglichkeit bestanden, zumindest exemplarisch einen Master-Studiengang "Kulturdiplomatie" zu entwickeln, der – bewusst und breit interdisziplinär angelegt – die Vielfalt der Themen der Außenkulturpolitik in einer Ausbildung zusammenbringt und Chancen für einen Berufszugang anlegt. Das ist versäumt worden. Vielleicht könnte in naher Zukunft ein Master-Aufbaustudium von einem Jahr erprobt werden?
In der Zusammenarbeit bleiben zur Zeit noch viele Chancen für Synergien ungenutzt. Noch nie haben sich so viele Akteure an der Außenkulturpolitik und an den kulturellen Außenbeziehungen Deutschlands beteiligt: internationale Organisationen, Bundesministerien, Landesregierungen, Kommunen, Mittlerorganisationen, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, Einzelpersonen. Sie alle stärker in einen Dialog zu bringen, ist eine der Aufgaben der nächsten Jahre.

Mit der Erstauflage dieses Buches wurde zum ersten Mal in der einhundertjährigen Geschichte der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik der Versuch unternommen, eine Gesamtdarstellung dieses hochkomplexen Themas vorzulegen. Sie soll einerseits die Hochschulen ermuntern, sich stärker als bisher in der Lehre wie in der Forschung mit der "dritten Säule" der deutschen Außenpolitik zu befassen. Politikern und Praktikern der Außenkulturpolitik im Inland wie in den 1 500 deutschen Vertretungen im Ausland soll das Buch als Referenzquelle und Nachschlagewerk dienen. Und schließlich soll es Studentinnen und Studenten anregen, für sich selbst die vielfachen Chancen späterer Arbeitsmöglichkeiten in diesem Berufsfeld zu erkennen.

Drei Nachdrucke der Erstauflage innerhalb kurzer Zeit haben den Nutzen dieses Gemeinschaftswerkes für Theorie und Praxis deutlich gemacht. Der Nomos-Verlag hat nicht zuletzt deswegen die Überarbeitung, Aktualisierung und thematische Erweiterung in einer zweiten Auflage angeregt. Einige Themen haben neue Autoren: deutsche Schulen im Ausland, das Deutschlandbild im Ausland, Konfliktprävention, das Auswärtige Amt in der Außenkulturpolitik. Erweitert wurde der thematische Umfang durch die Aufsätze über die Außenkulturpolitik Chinas und der Russischen Föderation sowie über die Außenkulturpolitik in Forschung und Lehre. Alle anderen Beiträge sind überarbeitet, zum Teil auch deutlich erweitert worden. Die neue, von allen Autorinnen und Autoren verarbeitete Literatur der letzten fünf Jahre erweitert das Literaturverzeichnis um fast ein Viertel.

In dieser Gesamtdarstellung wird vom erweiterten Kulturbegriff ausgegangen. Zu ihm gehören auch die Stichworte Entwicklung und Kultur, Krisenprävention und Konfliktbewältigung, Systemtransfer und Systemaufbau, globaler Ausbildungsmarkt und Kampf um kluge Köpfe, Internationalisierung und Qualifizierung des deutschen Ausbildungssystems und Auswirkungen der Globalisierung.

Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk. Es gibt den derzeitigen Stand der – zunehmend dynamischen – Diskussion wieder, nutzt alle zurzeit verfügbaren Quellen und führt internationale Vergleiche in die deutsche Debatte ein. Es sieht sich in enger Nachbarschaft zum Internet und beschreibt deshalb beispielsweise die Tätigkeit der Mittlerorganisationen nur ganz knapp, weil alle Organisationen umfangreiche und jederzeit aktuelle Informationen über ihre Tätigkeit online anbieten.

Mein Dank gilt Manfred Erhardt, Andreas Schlüter und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die die Idee für dieses Handbuch spontan gutgeheißen und sowohl die Erstausgabe als auch die Überarbeitung (über die Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung) finanziell unterstützt haben. Die Alexander Rave-Stiftung, Stuttgart, hat vor allem die zweite Auflage mit unterstützt und darüber hinaus durch einen Druckkostenzuschuss den Preis des Buches deutlich senken können. Auch ihr danke ich sehr. Ich danke sodann den Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis, die sich auf dieses Gemeinschaftswerk eingelassen und es mit so viel Engagement zustande gebracht und überarbeitet haben. Dank sagen möchte ich ebenso der Bibliothek des ifa, die mit ihren im letzten Jahrzehnt entwickelten besonderen Serviceleistungen für jede Forschungsarbeit in der Außenkulturpolitik unentbehrlich geworden ist. Dank sage ich auch dem ifa-Kompetenzzentrum Auswärtige Kulturpolitik, allen voran der Task Force "Handbuch" mit Udo Rossbach als Leiter und Claudia Judt und Kornelia Serwotka, ohne die ich 2004/2005 neben meinem Amt als Generalsekretär des ifa die Herausgeberaufgabe nur schwer hätte meistern können. Sebastian Körber hat einen kritischen Blick auf den Ersttext geworfen und dabei gute Ideen gehabt. Ein Dank für die Erstauflage gebührt auch meinen damaligen Mitarbeiterinnen Karin Lyncker und Kerstin Maihöfer für Unterstützung und Geduld. In der Vorbereitung der zweiten Auflage war mein Hauptgesprächspartner der Lektor Peter Michel, dessen klarem Verstand und scharfem Korrekturblick die Neubearbeitung vieles verdankt.

Kurt-Jürgen Maaß

 

 

 
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