Yoko Ono. Foto: © Earl McGehee
Foto: © Earl McGehee

Die berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt

Künstlerin, Musikerin, Aktivistin – seit Beginn ihrer Karriere engagiert sich Yoko Ono für Gleichberechtigung, Völkerverständigung und Weltfrieden. Mit provokativen künstlerischen Statements verleiht sie ihren Forderungen immer wieder Ausdruck. Für ihre anhaltende friedenspolitische und künstlerische Arbeit erhielt Yoko Ono am 17. Oktober 2013 in Berlin den Theodor-Wanner-Preis.

Porträt von Dominic Konrad.

"A dream you dream alone is only a dream. A dream you dream together is reality."
(Yoko Ono)

Ihr Mann John Lennon sagte einmal, sie sei die "berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt": Jeder kenne ihren Namen, doch niemand wisse, was sie tue. Dabei ist das Leben der Yoko Ono seit den 1950er Jahren von einem unermüdlichen und kompromisslosen Engagement für gesellschafts- und friedenspolitische Themen geprägt. In ihrer Kunst bezieht Ono klare Positionen, mit internationalen Projekten engagiert sie sich für Menschenrechte und gegen den Welthunger.

Für ihr Lebenswerk würdigt das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) die achtzigjährige Künstlerin mit dem Theodor-Wanner-Preis, denn mit ihrer Arbeit hat sie das Bewusstsein der Welt für Frieden als absoluten Wert und die Rolle der Kunst und Kultur darin nachhaltig beeinflusst.

Mit den provokanten Statements ihrer Happenings und Performances macht Yoko Ono in den 1950er und 1960er Jahren auf sich aufmerksam. Sie wird zu einer Größe der noch jungen Fluxus-Bewegung und bezieht in ihren Arbeiten zu welt- und gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen Stellung. Mit ihrer Performance "Cut Piece" (1964), bei der die Künstlerin das Publikum beliebige Teile ihrer Kleidung wegschneiden lässt, kritisiert Yoko Ono bereits Jahre vor dem Aufkeimen der Feminismusdebatte die Reduzierung  der Frau zum Objekt der männerdominierten Gesellschaft. Dieser Position verleihen Ono und John Lennon 1969 mit dem Song "Woman is the Nigger of the World" nochmals Nachdruck.

Ihren dritten Ehemann John Lennon trifft Yoko Ono während ihrer ersten Londoner Ausstellung 1966. Das enorme Medienecho um ihre Beziehung nutzt das Paar, um eine Forderung nach universellem Frieden in die Welt zu transportieren. Ihre Flitterwochen gestalten Lennon und Ono als Performance-Aktion. Das "Bed-In for Peace" 1969 im Hilton Hotel Amsterdam schreibt Geschichte. Gemeinsam beschreiten Ono und Lennon künstlerisch neue Wege und wagen den Schritt zu experimentellen, teils atonalen Kompositionen.

Auch nach Lennons Tod führt Yoko Ono die gemeinsame Arbeit für Frieden und Menschenrechte fort. Immer wieder nutzt sie ihre weltweite Popularität, um auf soziale Missstände hinzuweisen: Die Ungleichbehandlung der Geschlechter, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, der Welthunger, die Wahrung der Menschenrechte. Im Oktober 2002 stiftet Yoko Ono den "LennonOno Grant for Peace", einen mit 50.000 Dollar dotierten Preis, der im zweijährigen Turnus an Künstler verliehen wird, die sich für den Frieden engagieren.

"We are at a point in human history when we have to wake up and realize that the only people who can save the world are us."

(Imagine Peace Manifesto, 2011)

2007 eröffnet sie zu Ehren von John Lennon den "Imagine Peace Tower", einen Turm aus Licht auf der isländischen Insel Viðey. Die Worte "Stell dir vor es ist Frieden", eine Reminiszenz an Lennons Friedenshymne "Imagine", sind in 24 Sprachen darauf eingraviert. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gewährt sie die Nutzungsrechte von John Lennons Solotiteln für das Projekt "Make Some Noise". Im Jahr 2011 lanciert sie in Zusammenarbeit mit "Hard Rock International" und der Plattform "Why Hunger" die Spendenkampagne "Imagine there’s no hunger".

Yoko Onos künstlerisches und soziales Engagement ist in radikaler Grundsätzlichkeit vom Handeln für den Frieden und dem Streben nach Völkerverständigung und Dialog bestimmt. Die Verleihung des Theodor-Wanner-Preises findet am 17. Oktober 2013 in Berlin statt. Die Laudatio hält Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle.