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Die neuen Kulturmanager: Anna Kusa, Daria Leduck, Dominik Duda, Othmara Glas (v.l.n.r.)

Neue Gesichter: Arbeiten für und mit deutschen Minderheiten

Erfahrungen in einem Verband oder in einer Redaktion der deutschen Minderheiten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten sammeln: Seit über zwanzig Jahren sendet das ifa jährlich 17 Redakteurinnen und Redakteure sowie Kulturmanagerinnen und -manager im Rahmen des Entsendeprogramms ins Ausland. Für bis zu fünf Jahre bringen sie sich in Arbeitsbereiche deutscher Minderheiten ein, starten eigene Projekte und fördern den Austausch. Anfang September 2017 haben Othmara Glas, Dominik Duda, Daria Leduck und Anna Kusa ihren Einsatz begonnen. Wie war ihr erster Eindruck? Was erwarten sie von dieser Erfahrung? Welche Ideen bringen sie mit? 

Interview von Karoline Gil

Karoline Gil: Die Aufgaben als ifa-Entsandter sind sehr vielfältig: Ihr unterstützt Kultur-, Jugend- und Bildungsarbeit der Organisationen der deutschen Minderheiten vor Ort, erfüllt redaktionelle Aufgaben und setzt eigene Projektideen um. Was sind Eure Erwartungen an das erste Entsendejahr? 

Othmara Glas: Einer der wichtigsten Ratschläge von "den alten Hasen" war wohl, dass man nicht gleich mit einem großen Projekt starten sollte, sondern dass es Zeit zum Ankommen und Einarbeiten braucht. Ich habe 2016 im Rahmen meines Studiums schon ein Praktikum bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung in Almaty absolviert, wo ich nun als Redakteurin arbeiten werde. Deshalb denke ich, dass die Eingewöhnungszeit etwas kürzer ausfallen wird. Aber ich bin mir auch im Klaren darüber, dass die Aufgabenfülle und Verantwortung als Redakteurin noch einmal ganz anders sein werden als letztes Jahr. Außerdem findet in meiner Gastinstitution gerade ein größerer personeller Wechsel statt. Konkrete Erwartungen habe ich daher eigentlich nicht. Ich denke, dass die kommenden Monate spannend und abwechslungsreich sein werden.

Anna Kusa: Vom ersten Entsendejahr erwarte ich mir, die regionalen Eigenheiten der deutschen Minderheiten kennen zu lernen. Erst einmal werde ich meine  Gastinstitution, das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz, unterstützen, um neue Impulse zu erhalten und das Vorgehen für meine eigenen Projekte auszuarbeiten.

Daria Leduck: Als Erstes möchte ich die Stadt Breslau gerne näher kennen lernen und herausfinden, in welchem kulturellen Umfeld ich mich dort bewege. Ich möchte ein Netzwerk zu potentiellen Projektpartnern aufbauen und ein oder zwei Projekte, die mir am Herzen liegen, umsetzen.  

Dominik Duda: Ich bin höchst motiviert, wahrscheinlich genauso wie die anderen Neuen. Wir wollen uns schnell einleben. Wir alle sind bereits aus verschiedenen Gründen mit unserem Gastland verbunden. Meine Familie stammt beispielsweise aus Oberschlesien, also denke ich, dass das gut gelingt. Weiter freuen wir uns natürlich auf positives Feedback zu unseren ersten Ideen. Ich habe bisher auf ehrenamtlicher Basis Jugend- und Bildungsprojekte durchgeführt und Vereinsarbeit geleistet. Ich hoffe, dass ich diese Erfahrungen in die deutsch-polnische Jugendarbeit einbringen kann. Es ist mir wichtig, das Engagement der Jugend zu fördern und somit die Nachwuchsgewinnung zu unterstützen.

Karoline Gil: Die ersten Tage beginnen traditionell mit einer Einführungswoche im ifa, in diesem Jahr sowohl in Stuttgart als auch in Berlin. Welche Impulse aus der Woche nehmt Ihr für Eure Arbeit mit?

Othmara Glas: Mir hat die Einführungswoche geholfen, die Strukturen des ifa besser zu verstehen und zu sehen, welche Arbeit die anderen Entsandten leisten und welchen Herausforderungen sie gegenüberstehen. Ich fand es gut, mit den anderen Entsandten und den Alumni ins Gespräch zu kommen. Einige ihrer Projektideen haben ebenfalls mit Medien zu tun. So konnte ich Anknüpfungspunkte für die Arbeit bei der DAZ und eventuelle eigene Projekte finden.

Anna Kusa: Aus der Einführungswoche nehme ich viele Erfahrungen der Kollegen aus dem Entsendeprogramm mit, was durch den wertvollen Austausch ermöglicht wurde. Dadurch konnten bereits erste Impulse für eigene Projekte gesetzt, aber auch der Wille zu Kooperationen mit anderen Entsandten bekundet werden. Der Besuch im Auswärtigen Amt und bei dem Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationalen Minderheiten Hartmut Koschyk waren zwei besonders wichtige und informative Treffen, die in Verbindung zum  ifa stehen. 

Daria Leduck: Während der Einführungswoche hatten wir die Gelegenheit, sowohl mit den anderen Kulturmanagerinnen und -managern und Redakteurinnen und Redakteuren als auch mit verschiedenen Mitarbeitern des ifa ins Gespräch zu kommen. Dadurch habe ich viel über die konkrete Arbeit vor Ort und die inhaltliche Ausrichtung des Programms erfahren. Hauptanliegen des Entsendeprogramms ist es, Vielfalt, Multikulturalität und den interkulturellen Dialog zu fördern. Das sind Ziele, die mir persönlich sehr am Herzen liegen und für die ich mich vor Ort mit meiner Arbeit gerne einsetzen will.
   
Dominik Duda: Wir haben während der Einführungswoche sehr viele bereichernde Eindrücke aus der Praxis unserer Kollegen mitbekommen. Unsere Vorgängerinnen und Vorgänger haben uns wichtige Details zur Arbeit als Kulturmanagerin und -manager oder Redakteurin und Redakteur vor Ort mitgegeben. Im Auswärtigen Amt wurde uns zusätzlich noch einmal bewusst, wie wichtig die Hintergründe unserer Arbeit sind. Im ifa haben wir die notwendigen technischen Werkzeuge und Verfahren kennengelernt. Ich denke, wir sind gut vorbereitet.

Karoline Gil: Wichtige Ziele eures Einsatzes sind, die deutschen Minderheiten als zivilgesellschaftliche Akteure zu stärken und ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln. Gibt es schon Projektideen, die Ihr in diesem Rahmen umsetzen möchtet?

Karolin Gil im Gespräch mit Dominik Duda und Othmara Glas. Foto: © ifa/ Quitsch

Othmara Glas: Fester Bestandteil der Arbeit der ifa-Redakteurinnen und Redakteurebei der DAZ ist die Zentralasiatische Medienwerkstatt (ZAM). Diese findet einmal im Jahr statt und bringt junge Journalisten aus der Region und Deutschland zusammen. Ich habe schon eine Idee, welches Thema ich nächstes Jahr in den Mittelpunkt stellen möchte, bin mir aber noch nicht sicher, wie die Umsetzung genau aussehen kann. Ansonsten kann ich natürlich jede Woche mit einer neuen Ausgabe dazu beitragen, dass Deutschland und die deutsche Minderheit in Kasachstan präsenter sind.

Anna Kusa: In den ersten Projektideen möchte ich vor allem Jugendliche ansprechen. Sie sind  von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht das Bewusstsein als deutsche Minderheit zu erhalten. Die Stadt Gleiwitz verfügt über Archive zu der Zeit, als die Stadt zu Deutschland gehörte. Darin lassen sich deutsche Straßennamen und sogar Einwohnerlisten mit Berufsbezeichnung finden. In Workshops können sich Jugendliche durch kreatives Schreiben in die jeweilige Zeit und einzelne Personen hineinversetzten.

Daria Leduck: Zusammen mit meiner Kollegin Ania aus Gleiwitz würde ich gern ein Literaturprojekt umsetzen, bei dem es darum geht, deutsche Nachwuchsschriftsteller mit Migrationshintergrund nach Polen einzuladen. Die deutsche Gesellschaft ist multikulturell geprägt und dies schlägt sich selbstverständlich auch in der Literatur nieder. Sowohl in den deutschen als auch in den polnischen Medien hat das Phänomen der Migration zurzeit ein eher negatives Image. Wir möchten daher einem interessierten deutsch-polnischen Publikum in Schlesien die Möglichkeit geben, mit nach Deutschland eingewanderten Autoren ins Gespräch zu kommen und deren Texte kennen zu lernen: Texte, die hochinteressant sind, da sie viel über das multikulturelle Leben in Deutschland erzählen.
   
Dominik Duda: Während der Einführungswoche hatten wir schon Zeit, uns ein wenig auszutauschen und natürlich wurde auch schon die eine oder andere Projektidee diskutiert. Konkret geht es dabei um den Einfluss der deutschen Sprache oder das Themenfeld Integration und Migration. Gerade die kommenden Wochen im Herbst wollen wir dazu nutzen, Projekte für 2018 zu planen. 

Svenja Quitsch

Svenja Quitsch

Koordination Entsendeprogramm
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quitsch(at)ifa.de

Entsendeprogramm

Im Rahmen des Entsendeprogramms entsendet das ifa jedes Jahr insgesamt17 Kulturmanager/innen und Redakteure/innen zu Verbänden und Redaktionen der deutschen Minderheiten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.

Meine Entsendung

DIALOG DER ZIVILGESELLSCHAFTEN

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 ifa Edition Kultur und Außenpolitik

Zivilgesellschaftliche Akteure in der Außenpolitik

Chancen und Perspektiven von Public Diplomacy

ifa | Das außenpolitische Wirken zivilgesellschaftlicher Akteure wird von staatlicher Seite oft nicht anerkannt. Die Akteure müssen sich zudem Herausforderungen wie dem Zivilgesellschaftsverständnis vor Ort und der Frage nach der Grenze zu wirtschaftlichen Akteuren stellen. Die 2016 im Forschungsprogramm "Kultur und Außenpolitik" von Robert Lohmann, Daniel Göler und Isabel Vollmer erstellte Studie schlüsselt die Bandbreite des außenpolitischen Handelns deutscher zivilgesellschaftlicher Akteure auf und fordert eine größere konzeptionelle Klarheit. 

ifa Media: Zivilgesellschaftliche Akteure in der Außenpolitik. Chancen und Perspektiven von Public Diplomacy