The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens

Eva Meyer & Eran Schaerf

Eva Meyer (*1950) und Eran Schaerf (*1962) leben und arbeiten in Berlin. Sie arbeiten seit 1997 zusammen an einem Gedächtnis zu zweit. Filme unter anderem: "Mein Gedächtnis beobachtet mich" (2016/2008), "Pro Testing" (2010), "Sie könnte zu Ihnen gehören" (2007), "Flashforward" (2004). Gezeigt unter anderem in: Putting Rehearsal to the Test, VOX Centre de L'image, Montreal; Theatrical Fields, NTU CCA Singapore; Ambulante, Documentary Film Festival, Mexico; Séance: Performing Film, Mumok, Vienna; Skulptur Projekte Münster; and Cinema without Walls / Rotterdam Film Festival. Publikation: "Gedächtnis zu zweit. For the Performance of Europe", München, 2000.

Eva Meyer entwickelt ein cinematisches Denken. Bücher unter anderem: "Zählen und Erzählen. Für eine Semiotik des Weiblichen" (1983, Neuauflage 2015), "Architexturen" (1986), "Die Autobiographie der Schrift" (1989), "Von jetzt an werde ich mehrere sein" (2003), "What Does the Veil Know?" (hg. mit Vivian Liska, 2009), "Legende sein" (2016).

Eran Schaerfs transdisziplinäre Praxis fokussiert Architekturen der Erzählung. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsteilnahmen unter anderem: Venedig Biennale (2011); Manifesta (1998); Enterprise, ICA Boston (1997); Documenta IX, Kassel (1992). Eine Auswahl seiner Publikationen: "Frequenzmoduliertes Szenario" (2015), "Listener's Voice" (2001), "Re-enactment" (1996). Seine Hörspiele sind beim Bayerischen Rundfunk abrufbar (www.fm-scenario.net, www.hoerspielpool.de).

Eva Meyer und Eran Schaerf: Wie gewohnt. Ein Versatzstück, 1997 (1); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Eva Meyer und Eran Schaerf: Haile Selassie Road, Mombasa, 1997; © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Jeannette Hanby und David Bygott: Kangas: 101 Uses, Nairobi, 1985 (3); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Eva Meyer und Eran Schaerf: Wie gewohnt. Ein Versatzstück, 1997 (2); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Jeannette Hanby und David Bygott: Kangas: 101 Uses, Nairobi, 1985 (1); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Jeannette Hanby und David Bygott: Kangas: 101 Uses, Nairobi, 1985 (2); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Eva Meyer und Eran Schaerf: Wie gewohnt. Ein Versatzstück, 1997 (3); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Jeannette Hanby und David Bygott: Kangas: 101 Uses, Nairobi, 1985 (4); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Wie gewohnt. Ein Versatzstück, 1997 (1); © Eva Meyer, © (Eran Schaerf) VG Bild-Kunst Bonn, 2017

"Wie gewohnt" ist ein Versatzstück, eine dokumentarische Fiktion, um sich jenseits von Aneignung und Überwältigtsein in unbekannten Gegenden einzurichten. Im Film ist es Mombasa und Zanzibar, wo es zwischen Sprache und Architektur einen Stoff gibt, aus dem man im wahrsten Sinne des Wortes eine Gewohnheit macht. Kangas sind Stoffe mit Mustern und Sprüchen, die man nicht nur anzieht oder ausbreitet, zum Tragen von Babys oder gegen die Sonne und Einblicke gebraucht, sondern mit denen man anderen zu lesen gibt, was man zu sagen hat. Doch da man diese Gewohnheit an- oder ausziehen kann, wird sie zu einer kritischen Fiktion, die auch den Leser involviert. Seinem Stoff entsprechend hat der Film kein Drehbuch, sondern ein Schnittbuch. Dieser Stoff sind nicht nur die Gewänder der Körper, sondern auch die Wände der Häuser, deren Sicht- und Sonnblenden einen nahezu internationalen Baustil re-orientieren und ihrerseits aus der Verschleierung einer Form der Wahrnehmung machen. In einem islamischen und armen Land sind es Schleier und Mauern, die Religion und Besitz sichern sollen. Aber es sind ihre Sprüche, die diese Schleier und Mauern in ein öffentliches Gespräch involvieren, an dem jeder teilhat.