55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
55. Biennale Venedig: Eröffnung des deutschen Pavillons
Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt

Die Aufgaben der Biennale in Gegenwart und Zukunft

Als Ausstellungsformat erfreut sich die Biennale in den letzten Jahrzehnten großer Beliebtheit. Als international bedeutende Kunstereignisse stellen sie nicht nur eine Plattform für Künstler und Kuratoren dar, sondern befördern auch die Diskussionen über das Format zwischen identitätsstiftendem Standortmarketing und außenkulturpolitischer Selbstdarstellung eines Landes. Doch welche künstlerischen und gesellschaftlichen Aufgaben gehen mit dem Konzept der 2-jährigen Kunstschau einher? Und welche Wege sollten Biennalen in Zukunft beschreiten?

Ein Ausblick von Elke aus dem Moore, Leiterin der Abteilung Kunst des ifa

Gemäß Ihrer Erfahrung, welche Rolle können Biennalen haben?

Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig; Foto: Thorsten Arndt
Eröffnung des deutschen Pavillons der
55. Biennale Venedig
Foto: Thorsten Arndt

Das Format Biennale ist einzigartig. Biennalen können zum einen ein Instrument der Selbstdarstellung von Nationen und regionaler Kulturidentität sein, zum anderen können sie Zuflucht bieten. In ihrer Vergänglichkeit bilden sie ein Gegennarrativ zu den musealen Strukturen und zeigen eine Alternative oder ein visionäres Potential in Stadtgebieten auf, die von Wirtschaftsinteressen bestimmt werden.Biennalen können auf gesellschaftspolitisch relevante Fragen aufmerksam machen. Sie bieten die Möglichkeit, sowohl auf lokaler wie auch auf internationaler Ebene, Besucher anzuziehen. Biennalen können das Publikum mit brisanten Fragen konfrontieren, sie finden neue Denkweisen und Anknüpfungspunkte im internationalen Kulturbereich, sie verfügen über ein hohes Maß an Reflexion und bieten das Potenzial für neue Formen des Widerstands.
Für die Bewohner der jeweiligen Stadt können Biennalen ein starkes Identifikationsmittel darstellen – zumeist als Teil des Stadtmarketings oder des Nation-Branding, aber Biennalen geben auch den Teilen der Bevölkerung eine Stimme, die durch die kulturellen Medien weniger repräsentiert werden.Vor dem wirtschaftlichen Potenzial und dem Mehrwert einer Biennale können wir unsere Augen nicht verschließen. Kunsthandel und Tourismus sind für die Stadt, das Dorf oder das Gebiet einer Biennale von ungemein hohem Wert. Es ist eine der größten Herausforderungen für die Organisatoren von Biennalen, sich mit den Erwartungen und der Auswertung der Biennale auseinanderzusetzen und daraus Konsequenzen für die künftige kulturpolitische Agenda zu ziehen.

Was ist die spezifische Funktion und das Potential einer Biennale?

Eröffnung des deutschen Pavillons der 55. Biennale Venedig. Foto: Thorsten Arndt
Eröffnung des deutschen Pavillons der
55. Biennale Venedig
Foto: Thorsten Arndt

Biennalen stellen heute mehr als bloß Ausstellungen zeitgenössischer Kunst dar. Sie haben sich als starke Stimme für eine unabhängige Kunstszene etabliert, die neben den bestehenden internationalen Kunstmärkten agiert und sich weiterentwickelt. Mit seiner kritischen Reflexion der Kunstproduktion und der Rolle von Kunst und Künstlern in gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozessen kann das Format Biennale ein Gegennarrativ zur zeitgenössischen Kunstgeschichte zeichnen.

Stellen Biennalen noch immer eine alternative Plattform für Experimente und Widerstand dar? Sehen Sie hierfür eine Zukunft?

Seit jeher sind Biennalen Orte für Experimente. Sie sind Labor, Ort für künstlerische Recherche und Plattform alternativen Denkens. Vor allem im Bereich der öffentlichen Kunst und durch Interventionen im öffentlichen Raum, der mehr und mehr privatisiert wird, können und sollten Biennalen als Gegennarrativ fungieren, als eine politische Struktur, die durch die Sprache der Künstlerin oder des Künstlers initiiert und bestimmt wird. Ich kann mir vorstellen, dass kleinere Gemeinschaften neue Einblicke in ihre Traditionen und Fragen bieten.

Erstmals erschienen in

Shifting Gravity. World Biennial Forum no. 1. / Ute Meta Bauer, Hou Hanru Hou. Gwangju Biennale Foundation. Institut für Auslandsbeziehungen (Hg.). – Ostfildern: Hatje Cantz, 2013. – 225 S.