Otto Dix
Workshop in Sibiu
Workshop in Cluj
Workshop in Cluj
Workshop in Sibiu
Workshop in Cluj
Workshop in Cluj

Fotos: Wiebke Trunk, 2009

Workshop-Reihe zum Thema Gewalt in Bildern

Kunst braucht aktuelle Formate der Vermittlung. Die Kunsthistorikerin Wiebke Trunk hat die Tournee der ifa-Ausstellung "Otto Dix" mehrere Monate lang nach Tiflis, Nicosia und nach Rumänien begleitet. Neben Sibiu, Cluj-Napoca und Brasov war Timisoara eine der Stationen in Rumänien.

Gewaltdarstellungen sind in vielen Medien auf dem Vormarsch. Darstellungen von Folter und Hexenverbrennungen vergangener Jahrhunderte zeigen jedoch, dass das Thema nicht neu ist. Im Rahmen der ifa-Ausstellung mit Grafiken von Otto Dix, die Gewalt im Krieg und im Alltag zeigen, wird das Thema in ausstellungsbegleitenden Workshops aufgegriffen und auf die heutige Zeit übertragen.

Die Kunsthistorikerin Wiebke Trunk begleitet die Ausstellungstournee neben Einführungen und Vorträgen mit Workshops insbesondere für Kinder und Jugendliche. Die Workshops dienen nur zu einem Teil der Vermittlung von Wissen, zum anderen soll eine Diskussion und Reflektion auf das eigene Umfeld der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stattfinden und so neue Zugänge zu Kunstwerken ermöglichen.

Über die Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Otto Dix, der in seinen Radierungen sexuelle und kriegerische Aggression des ersten Weltkriegs und der Zwanzigerjahre in Deutschland darstellt, beginnt mit den Teilnehmern ein Dialog über Gewalt und Aggressionen in den Bildern von heute. Die Jugendlichen erhalten Kopien der Radierungen von Dix, die Erwachsenen bringen Bilder zum Thema aus dem eigenen Umfeld mit – diese Materialien werden zu Collagen verarbeitet und Gewaltdarstellungen nach eigenem Ermessen entschärft. Über gemeinsame Diskussionen und Analysen der entstandenen Werke wird versucht, die ursprünglich negativ besetzten Bilder in positive Aussagen zu verwandeln. Zunächst oft skeptisch und zurückhaltend entwickeln die Teilnehmer bei der Arbeit mit den Bildern innerhalb kurzer Zeit unterschiedliche Ideen. So erhält eine der Prostituierten von Otto Dix etwa ein Sofa, um sich auszuruhen und eine Wohnung, in der sie sicher ist.

Auf diese Weise werden unterschiedliche Aspekte des Gewaltthemas von den Jugendlichen benannt, diskutiert und reflektiert, sei es Gewalt in der Gruppe, im Verhältnis von Männern und Frauen oder staatlicher Gewalt in Kriegen oder anderen Formen der Repression etc. Die entstandenen neuen Bilder werden nach dem Workshop in unmittelbarer Nähe der Bilder von Otto Dix präsentiert.

Die Reaktionen der Teilnehmer sind positiv, viele sind überrascht, durch die vielfältigen Positionen leichter Zugang zu den Arbeiten zu bekommen. Sophie Werner, Programmleiterin des Deutschen Kulturzentrums in Hermannstadt, beurteilte den Workshop als wichtigen und erfolgreichen Beitrag innerhalb des Rahmenprogramms, da es an derartigen Angeboten gerade in Rumänien mangle: "Solche Veranstaltungen (sind auch) in Zukunft wirklich wünschenswert. Auf diese Weise kann von den Teilnehmern mental so viel mehr mitgenommen werden und die Ausstellung kann auch nachhaltig noch Wirkung zeigen."

Das den Workshops zugrunde liegende Konzept wird noch selten angewandt: Durch die Produktion eigener Arbeiten und die dialogische Auseinandersetzung über die eigenen und fremden Werke erarbeiten sich junge wie ältere Teilnehmer den Zugang zu den Kunstwerken gemeinsam. Ziel ist es, ein grundlegendes Verständnis der Kunst zu erreichen, um es für die Reflexion des eigenen Lebensumfeldes zu nutzen. Durch den Austausch von Argumenten und das Hinterfragen der eigenen Sicht findet eine sehr viel differenziertere Auseinandersetzung mit Kunst statt, als es bei der bloßen Vermittlung von kanonischem Wissen im Rahmen eines Vortrags möglich wäre.

Diese Art der Kunstvermittlung, bei der das Publikum zum Mitakteur wird, erfordert jedoch ein hohes Maß an Moderation. In Rumänien wurde nicht nur in mehreren Sprachen gesprochen, die Teilnehmer kamen vielmehr aus zahlreichen Berufsfeldern mit entsprechend unterschiedlichem Wissen und diskutierten und arbeiteten von ihren individuellen Lebenshintergründen und Erfahrungen aus.

Um den Zugang zu Kunstwerken zu erleichtern und um den Umgang mit ihnen zu nutzen, ist es daher notwendig, sinnvoll und konsequent, diese individuellen und kulturellen Erfahrungen und Hintergründe der Teilnehmer zu berücksichtigen und in die Diskussion mit einzubeziehen.

Leitung der Workshops: Wiebke Trunk, Kunstvermittlerin, Künstlerin und Dozentin an der Hochschule für Darstellende Kunst in Stuttgart
Teilnehmer/-innen: Kulturschaffende, Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte und Multiplikatoren sowie Kinder und Jugendliche
Initiator: ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)
Veranstalter: Goethe-Institut Tbilissi, Goethe-Zentrum Nikosia und die Deutsch-Rumänischen Kulturzentren von Sibiu, Cluj-Napoca, Brasov und Timisoara sowie die Museen vor Ort