N.E.S.T. – Partizipative Stadt, Amhara-Region

Foto: Das Modell N.E.S.T. soll in einem Dorf nahe des Tanasees im Nordwesten von Äthiopien als Pilotprojekt erprobt warden. Das Zentrum mit den wesentlichen Versorgungseinrichtungen bildet die Basis für eine nachhaltige selbstverwaltete Entwicklung der
© Courtesy N.E.S.T. und Franz Oswald

Realisierung ab 2010
Team: Fasil Giorghis, Prof. Dr. Hans Hurni, Prof. Dr. Dieter Laepple, Prof. Franz Oswald, Monika Oswald, Peter Schenker, Dr. Roland Walthert, Zegeye Cherenet, Nadine Appelhans, Dr. Martin Grunder, Surendra Kotecha, Corinne Kuenzli, René Schaetti

Foto: Das Modell N.E.S.T. soll in einem Dorf nahe des Tanasees im Nordwesten von Äthiopien als Pilotprojekt erprobt warden. Das Zentrum mit den wesentlichen Versorgungseinrichtungen bildet die Basis für eine nachhaltige selbstverwaltete Entwicklung der

Fotos: Das Modell N.E.S.T. soll in einem Dorf nahe des Tanasees im Nordwesten von Äthiopien als Pilotprojekt erprobt werden. Das Zentrum mit den wesentlichen Versorgungseinrichtungen bildet die Basis für eine nachhaltige selbstverwaltete Entwicklung der Siedlung.

Ein Team um den Schweizer Urbanisten Franz Oswald hat mit der New Energy Sustainable Town (N.E.S.T.) ein Modell für die eigenverantwortliche Entwicklung energie- und nahrungsmittelautarker Siedlungen in ländlichen Regionen Afrikas initiiert. Dieses Modell kombiniert die Analyse- und Entwurfsmethode der "Netzstadt" mit dem partizipativen Entwicklungsverfahren "Synoikos", mit dessen Hilfe langfristig orientierte Entwicklungsziele für die Stadt definiert werden sollen. Zur Lösung der aus Bevölkerungswachstum, Ressourcenverknappung und Landflucht resultierenden Probleme soll das Modell in einem Dorf nahe des Tanasees im Nordwesten von Äthiopien erste Anwendung finden. Ausgehend von einem Zentrum mit den wesentlichen Versorgungseinrichtungen sieht der Masterplan ein erweiterbares Flächenraster als Basis für eine nachhaltige selbstverwaltete Entwicklung der Siedlung auf räumlicher, ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene vor.

STRAIT-INKUBATOR – Meta-urbane Struktur, Meerenge von Taiwan

Taiwan-Strait-Inkubator in Taichung / Xiamen; Courtesy: CHORA
Taiwan-Strait-Inkubator in Taichung / Xiamen
Courtesy: CHORA

Planung ab 2008
Team: CHORA, Raoul Bunschoten; Fachgebiet für Architektur der Taichung Universität; SCS Architects Associates; Behörde für Stadtentwicklung der Stadt Taichung

Der Klimawandel macht vor Grenzen zwischen Ländern oder politischen Systemen nicht Halt. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Projekt "Taiwan-Strait-Inkubator" dem "urbanen Gewebe" beiderseits der Meerenge von Taiwan, der Formosastraße. Indem die beiden Städte Taichung (Taiwan) und Xiamen (China) als gemeinsames städtisches System betrachtet werden, kann das übergreifende Entwicklungsszenario als Inkubator neuer Formen der politischen Kooperation und des gesellschaftlichen Austausches dienen. Jenseits der vielfältigen historischen, politischen, ökonomischen und sozialen Beziehungen dieses Gebiets sollen konkrete Maßnahmen gegen den Klimawandel, beginnend mit einer gemeinschaftlichen Energieplanung für beide Städte, den Bewohnern die Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum bewusst machen.

Stadtsystem

Durch die großmaßstäbliche infrastrukturelle Aufrüstung der Stadt mit Entwässerungssystemen, Wasser-, Strom- und Gasversorgung bildet sich im 19. Jahrhundert die Überzeugung heraus, die Stadt sei ein planbares System. Die Entwicklungsgeschichte der städtischen Infrastruktur zeigt, dass dabei abwechselnd privatwirtschaftliche und kommunale Interessen zum Zug kamen. Der Wettbewerb zwischen privaten Versorgungsunternehmen förderte den Einsatz innovativer Technik zugunsten von Komfort und Hygiene. Dagegen ließ die Kommunalisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine flächendeckende Versorgung entstehen. Mit der Zeit wurde die Selbstorganisation durch eine Tendenz zur Zentralisierung abgelöst. In den 1960er Jahren erlebte der Gedanke der Stadt als Organismus oder System in utopischen Stadtentwürfen des Metabolismus und der Megastrukturen eine Hochphase. Beide Richtungen bedienten sich Metaphern biologischer Kreisläufe und technischer Neuerungen. Sie beziehen sich dabei auf kybernetische Systeme, die Rückkoppelungseffekte und Interaktion miteinbeziehen und die Steuerbarkeit trotz gesteigerter Komplexität versprechen. Die Betrachtung anthropogener, also durch den Menschen verursachter oder beeinflusster Stoff- und Energieflüsse stellt heute eine Grundlage für den effizienten Umgang mit Ressourcen in Städten dar. Derzeit erfährt die Organisation von Versorgungseinheiten wie Wasser- oder Kraftwerken aus ökologischen Gründen eine Rückkehr zu dezentralen Formen. Die Visionen der Stadt als interaktives System finden ihre Fortsetzung in „intelligenten Systemen“ (Smart Grids), die flexibel auf den aktuellen, individuellen Verbrauch reagieren.