MASDAR CITY – Klimagerechte Planung, Abu Dhabi

Masdar aus der Vogelperspektive; © Foster+Partner, Transsolar
Masdar aus der Vogelperspektive
Fotos: © Foster+Partner, Transsolar

Realisierung seit 2008
Masterplan: Foster+Partner
Verkehrsplanung: Systematica, Mailand
Infrastruktur, Wasser, Müll: WSP, London

Solarbetriebene Schirme; © Foster+Partner, Transsolar
Solarbetriebene Schirme


Energiekonzept: Transsolar, Stuttgart
Haustechnik: Fleck & Kurz, Paris
Solare Systeme: ETA, Florenz

Masdar City entsteht nach dem Vorbild traditioneller eingefriedeter arabischer Städte auf quadratischem Grundriss. Das Projekt ist als Laboratorium für zukünftige nachhaltige Stadtentwicklung angelegt und soll einen internationalen Forschungsstandort für erneuerbare Energietechnik etablieren. Ausgangspunkt sind drei sich ergänzende Prämissen: Der primäre Energieverbrauch wird durch passive Gestaltungsstrategien und verbesserte Technik um ca. 70% reduziert.
Dies betrifft hauptsächlich den Bedarf an Energie und Wasser. Erneuerbare Energien und aktive Wiederverwertung sorgen für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Der hohe Technisierungsgrad geht mit der Einsicht einher, dass es gleichzeitig einer Veränderung des allgemeinen Lebensstils bedarf, um der Herausforderung der Stadt nach dem Ende des Ölzeitalters begegnen zu können.

STUDIO MUMBAI – Vernakuläre Prinzipien, Leti, Uttaranchal

Foto: Studio Mumbai Architects entwickeln im Rückgriff auf traditionelles Wissen, lokale Bauweisen und Materialien eine "entschleunigte", regional verwurzelte Architektur. Seit mehreren Jahren arbeiten die Architekten mit einer festen Gruppe von Handwerk
© Studio Mumbai Architects

Realisierung seit 2006
Studio Mumbai Architects: Bijoy Jain, Geoffrey Johnston, Roy Katz mit Bhimaram, Deeparam Suthar, Dharmaram Suthar, Tabrez Ahmed, Prem Singh, Jean Marc Moreno

Foto: Studio Mumbai Architects entwickeln im Rückgriff auf traditionelles Wissen, lokale Bauweisen und Materialien eine "entschleunigte", regional verwurzelte Architektur. Seit mehreren Jahren arbeiten die Architekten mit einer festen Gruppe von Handwerk

Fotos: Studio Mumbai Architects entwickeln im Rückgriff auf traditionelles Wissen, lokale Bauweisen und Materialien eine "entschleunigte", regional verwurzelte Architektur. Seit mehreren Jahren arbeiten die Architekten mit einer festen Gruppe von Handwerkern, Maurern und Zimmermännern zusammen. Das über die Generationen weitergegebene Wissen und traditonelle Bautechniken können auf diesem Wege nutzbar gemacht und in eine zeitgemäße Architektursprache übertragen werden.

In den letzten 30 Jahren hat Indien eine wirtschaftliche Aufholjagd gestartet, die mit einer rasanten technologischen und urbanen Entwicklung verbunden ist. Fast 30 Prozent der Bevölkerung leben heute in den explosionsartig gewachsenen städtischen Ballungsräumen. Dennoch ist das Land noch vornehmlich landwirtschaftlich geprägt.  In diesem Nebeneinander von Hochtechnologie und Tradition wird westliche Architektur häufig als Ausweis von Modernität und als Mode verstanden, die es zu kopieren und nachzuahmen gilt. Ihre Eignung für den Ort und die besonderen klimatischen Bedingungen wird dabei häufig nicht hinterfragt. Studio Mumbai Architects thematisieren genau diese Fragestellungen und erproben im Rückgriff auf traditionelles Wissen, lokale Bauweisen und Materialien eine "entschleunigte", regional verwurzelte Architektur. Seit mehreren Jahren arbeiten sie mit einer festen Gruppe von Handwerkern, Maurern und Zimmermännern zusammen und können so deren Wissen über traditionelle, überlieferte Bautechniken nutzbar machen und diese Wissensressource in eine zeitgemäße Architektursprache übertragen. Über die Jahre haben die Handwerker, die zum Großteil noch niemals zuvor Zeichnungen angefertigt haben, eine große Sammlung an Konstruktionszeichnungen und Ausführungsdetails zusammengetragen. Ein anderer Arbeitsschwerpunkt liegt im Anfertigen von Modellen, an denen neue Methoden und Konstruktionen entwickelt und erprobt werden, bevor sie in realen Projekten angewendet werden.

Nachhaltigkeit

Die verschiedenen Wellen der Industrialisierung und die Entwicklung einer globalen Wirtschaft haben den Energiebedarf der Menschheit stetig wachsen lassen. Die Techniken zur Energiegewinnung haben sich verfeinert, die Ressourcen diversifiziert. Es sind insbesondere die Krisen, die diesen Wachstumsverlauf strukturieren. Die Verknappung des Holzes im 18. Jahrhundert lag als Erfahrung der Definition des forstwirtschaftlichen Begriffs der Nachhaltigkeit (Hans Carl von Carlowitz) zugrunde und leitete die Verwendung fossiler Energieträger wie Braun- und Steinkohle (Koks) als Basis der Industriellen Revolution ein. Im 20. Jahrhundert trugen Öl und Gas wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Auch das Verhältnis von Mensch und Natur wird durch die Form der Energiegewinnung und die damit verbundene Veränderung der menschlichen Lebenswelt geprägt. Angesichts der sichtbaren, negativen Konsequenzen der Industrialisierung wurden erste Gegenentwürfe formuliert. Diese bündelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kritik am industrialisierten Großstadtmoloch. Dieser Fokussierung auf die Stadt als Krisenherd stand im 20. Jahrhundert angesichts ökologischer und atomarer Katastrophenängste die Erkenntnis der globalen Dimension der Krise entgegen. Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts scheinen die Techniken verfügbar, um die Vision einer nachhaltigen Stadt zu realisieren, die sich als Teil weltumspannender Energie- und Stoffkreisläufe begreift und sich aus regenerativen Energien speist. Strategien zu einer wirksamen Transformation menschlicher Lebensgewohnheiten werden in vernetzenden, partizipatorischen Ansätzen gesucht.