4 Fragen an Stefan Behnisch und Thomas Auer

Stefan Behnisch (Behnisch Architekten) und Thomas Auer (Transsolar KlimaEngeneering) beschäftigen sich seit Jahren mit nachhaltiger Architektur. Im Interview mit dem Institut für Auslandsbeziehungen sprechen sie über die Grundlagen ihrer Arbeit und wie sich diese in den letzten Jahren verändert hat.

Stefan Behnisch; Foto: Christoph Soeder
Stefan Behnisch;
Foto: Christoph Soeder

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Ihre Arbeit steht für die Sicherung natürlicher Ressourcen im Entwurf, der Ausführung und der Nutzung. Wie setzen Sie dies um? 

Stefan Behnisch: Die Suche nach einer nachhaltig gebauten Umwelt hat unsere Büros zusammengeführt, aber über die Jahre auch unsere Arbeitsweisen verändert. Über diese lange Zeit haben wir gemeinsam einen integrativen Designprozess entwickelt und dabei erkannt, dass es nicht immer eine Lösung nach Rezept gibt. Technische Lösungen sind bei jedem Bau in unterschiedlicher Form anzuwenden. Um jeweils eine Lösung zu finden, müssen wir akzeptieren, dass der kulturelle, geopolitische, kommunalpolitische, topografische, klimatische, eben der situationsgebundene Kontext eine maßgebliche Rolle spielt. Das Ganze ist nicht als Regionalismus, sondern als ein neuer, internationaler Ansatz zu verstehen – die Situation der Aufgabe darf nicht weiter ignoriert werden.
Thomas Auer: Die Grundlage für unsere Arbeit ist ein Verständnis des Ortes und der Aufgabe, woraus sich wiederum Fragen für uns ergeben, auf die wir bereits in den frühen Planungsphasen Antworten finden müssen. Je besser die Antworten sind, desto leichter ist es, diese im Planungs- und Bauprozess erfolgreich zu realisieren.

Thomas Auer; Foto: Holger Talinski
Thomas Auer;
Foto: Holger Talinski

ifa: Was sind für Sie Merkmale nachhaltiger Architektur?

Behnisch: Wichtige Merkmale nachhaltiger Architektur sind neben der energetischen Komponente auch Dinge wie gute Nutzbarkeit, kulturelle Bereicherung und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren energetischen, materiellen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen.
Auer: Nicht eine Technologie oder die Ästhetik alleine macht ein gutes Gebäude aus, sondern die Qualität der Komposition der unterschiedlichen Themen. Gute Architektur ist auch immer nachhaltig.

ifa: Welche Eindrücke haben sich bei Ihnen während der verschiedenen Ausstellungsstationen eingeprägt?

Behnisch: Ich war selbst an einigen Ausstellungsorten und es war großartig zu sehen und zu erkennen, dass die Fokussierung auf das Inhaltliche auch über die vielen Kulturen hinweg wahrgenommen werden kann.

ifa: Inwiefern hat sich nachhaltiges Bauen seit Beginn der Tournee von EDS 2006 bis heute verändert? 

Behnisch: Die technischen Lösungen haben sich vielleicht verfeinert, das Thema an sich ist inzwischen weiter verbreitet und aktueller denn je.
Auer: Inhaltlich hat es sich nicht verändert. Es fand aber eine stärkere politische und gesellschaftliche Verankerung – zum Beispiel durch die EU carbon roadmap oder das Abkommen von Paris – statt. Diese macht die Nachhaltigkeit in der Architektur zunehmend normaler, was durchaus eine positive Entwicklung ist.