Minderheitenmuseen: Fiktion oder Wirklichkeit?

Straßenbild in Stuttgart

Erfahrungsbericht von Klara Kuti

Ich bin Dr. Klara Kuti, und ich freue mich, meine Hospitationszeit der ifa-Community vorstellen zu können. Ich war lange Jahre in der Forschung und Lehre tätig, und erst vor kurzem habe ich eine Stelle im Ungarndeutschen Museum in Tata (Ungarn) angetreten. Meine Aufgabe dort ist es, das kleine, etwas verschlafene Museum wieder aufzuwecken und die dortige Museumsarbeit an aktuelle Standards anzupassen. Es macht großen Spaß wieder etwas ganz Neues zu beginnen!

Guatemala-Sammlung, Museum der fünf Kontinente München

Ein  neues Museum, eine neue Arbeitsstelle, das bedeutet auch neue Herausforderungen...Die  Teilnahme am Hospitationsprogramm des ifa hat mir ermöglicht mich am Donauschwäbische Zentralmuseum im Themenfeld der Musealisierung und Visualisierung von Minderheitenkulturen weiterzubilden.

Ungarndeutsche Stube im Stadtmuseum Gerlingen

Nach dieser intensiven Lernzeit habe ich natürlich mehr Fragen als Antworten. Aber das ist gut so, denke ich. Minderheitenmuseen wurden schon immer mit ganz unterschiedlichen Zielen gegründet. Und doch müssen alle diese Museen die gleichen Fragen beantworten: lässt sich Minderheitenkultur in ihrer Wirklichkeit und Lebendigkeit ausstellen? Oder ist das, was in den Museen ausgestellt wird zwangsweise das Zeugnis einer vergangenen Kultur?

Stube im Donauschwäbischen Zentralmuseum, Ulm

Werden erst vom Verfall bedrohte Kulturen in Museen ausstellbar? Wie lässt sich Minderheitenkultur in der Mehrheitsgesellschaft präsentieren? Wenn wir die schönsten, auffälligsten, typischsten Objekte einer Minderheit ausstellen, verstärken wir dadurch nicht nur die Alterität der anderen Kultur, und bestätigen dadurch den Unterschied zwischen Minderheit und Mehrheit? 

Alltagsinszenierung des Museums der Alltagskultur, Waldenbuch

Werden im Museum die Unterschiede betont, im Alltag die Gemeinsamkeiten? Wie kann im Museum der gelebte Alltag gezeigt werden? Die Objekte der Museen werden doch ihrem ursprünglichen Kontext entzogen und verfremdet. Die Wirklichkeit im Museum ist eine fiktive Welt. Und die Objekte sind nur die Abstraktionen dieser Welt. Ist das Museum dann nur ein lahmes Kino, indem fiktive Geschichten erzählt werden?

Süd-Amerika Sammlung des Museums fünf Kontinente, München

Tatsächlich funktioniert das Museum wie ein Spiegel. Es reflektiert uns und unsere eigene Welt aber eben ein bisschen verzerrt. Alle Ungarnreisenden möchte ich herzlich einladen: kommt in unser Museum (http://kunymuzeum.hu/de/nemet-nemzetisegi-muzeum) und schaut in unseren kleinen ungarndeutschen Zerrspiegel!

Fotos: Dr. Klara Kuti

Dr. Klara Kuti, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ungarndeutschen Museum, Tata in Ungarn und hat 2015 eine Hospitation am Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm absolviert.