Bargeldtransfer Programm, © Juan José Pacherres, DRK, Peru 2017
Bargeldtransfer Programm, © Juan José Pacherres, DRK, Peru 2017

Peru

Klimaphänomen "El Niño Costero"

Autonomie der Betroffenen durch Bargeldtransfer stärken

Das Klimaphänomen "El Niño Costero" hat 2017 in Peru zu extremen Niederschlägen geführt. Anders als der pazifikweite "El Niño" tritt "El Niño Costero“ lokal begrenzt auf und lässt sich deutlich schwerer vorhersagen. Grund sind abweichende Meerestemperaturen vor der peruanischen Küste, welche 2017 zwischen vier und sechs Grad über den üblichen Werten lagen. Deswegen verdunstete außergewöhnlich viel Wasser und anhaltende Regenfälle, die verheerende Überschwemmungen hervorriefen, waren die Folge. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren mehr als eine Million Peruanerinnen und Peruaner entlang der gesamten Küste von der Katastrophe betroffen. Hunderttausende waren auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen und Zehntausende verloren ihre Unterkünfte. Die Infrastruktur in den betroffenen Gebieten war stark eingeschränkt. Hauptverkehrswege waren nicht passierbar, Wasser und Stromversorgung kamen zum Erliegen. Die schlechten Hygienebedingungen führten zum Ausbruch von Krankheiten, die medizinische Versorgung war unzureichend.

Das ifa-Förderprogramm Humanitäre Hilfe finanziert und begleitet vor diesem Hintergrund Hilfsaktionen mehrerer Organisationen und deren lokalen Partnern. Den regionalen Schwerpunkt bildeten dabei die am stärksten betroffenen Regionen Piura, Tumbes und Lambayeque im Norden des Landes. Die geförderten Projekte deckten das gesamte Spektrum humanitärer Soforthilfe ab. Das bedeutet, dass die betroffene Bevölkerung in den Bereichen Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene, Unterkunft, Gesundheit und Nahrungsmittel unterstützt wurde. Um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen über das Projektende hinaus sicherzustellen, bildeten Aufklärungskampagnen in den unterschiedlichen Bereichen einen wichtigen Bestandteil der Projektarbeit.

Die vom ifa im Auftrag des Auswärtigen Amts geförderten Projekte in Peru zeigen außerdem, dass neue Strategien und innovative Instrumente der humanitären Hilfe umgesetzt werden. Im Jahr 2016 fand erstmals ein von den Vereinten Nationen initiierter Weltgipfel für humanitäre Hilfe in Istanbul statt. Dort wurde u.a. die Forderung formuliert, dass Bargeldtransfer-Programme (Cash Transfer Programming), vermehrt eingesetzt werden sollten. Gegenüber etablierten Instrumenten der humanitären Hilfe wie beispielsweise der Verteilung von Hilfspaketen können Bargeldtransfer-Programme eine echte Alternative  sein. Im Falle Perus wurde ein solches Programm implementiert. Die betroffenen Familien erhielten statt Hilfsgütern eine finanzielle Hilfe in Höhe von 190 EUR. Ziel ist es unter anderem den Betroffenen ein Stück Autonomie zurückzugeben. Unter der Voraussetzung funktionierender Märkte stellen Bargeldtransfer-Programme nach heutigem Kenntnisstand das bessere Instrument dar, bedarfsgerecht Hilfe zu leisten. Die Empfängerinnen und Empfänger wissen selbst am besten, was sie zum Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage benötigen. Individuelle Bedürfnisse sind auch im Katastrophenfall keineswegs homogen. Standardisierte Hilfspakete können diesem Umstand nur schwer Rechnung tragen. Die Begünstigten beschaffen die Waren in der Region, und stärken damit die  lokalen Märkte. Darüber hinaus können hohe Logistikkosten, die bei der Beschaffung, der Verpackung und dem Transport von Hilfspaketen anfallen, eingespart werden und ebenfalls den Opfern der Katastrophe zu Gute kommen.

Beim Projektbeispiel Peru wurde die Starthilfe in Form von Schecks verteilt, die bei lokalen  Banken eingelöst werden konnten. Andere Bargeldtransfer-Programme nutzen Gutscheine oder Überweisungen per Mobiltelefon.

Wie funktioniert das Förderprogramm Humanitäre Hilfe?

Mehr Informationen rund um das Förderprogramm finden Sie im Flyer des ifa. (PDF)