Saba Salem (mitte) mit Kolleginnen und Kollegen des Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am Neckar (© ifa/Kuhnle)
Saba Salem (mitte) mit Kolleginnen und Kollegen des Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am Neckar. (© ifa/Kuhnle)

"Meine Reise hat gerade erst begonnen"

Saba Salem, CrossCulture-Stipendiatin aus Bahrain, kam im Spätsommer 2016 nach Deutschland, um mehr über Methoden und Möglichkeiten zum Erhalt historisch-kultureller Schätze zu lernen. Beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am Neckar sammelte sie drei Monate lang wertvolle Erfahrungen, über die sie am Ende ihres Aufenthaltes Einiges zu erzählen weiß.

Das Interview führte Wolfgang Kuhnle

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Während Ihres Praktikums haben Sie für das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen gearbeitet. Könnten Sie uns einen Überblick über Ihre tägliche Arbeit und Ihre Zuständigkeiten verschaffen?

Saba Salem: Meistens besuchten meine Kollegen und ich verschiedene Projekte in verschiedenen Gebieten. Wir diskutierten Restaurierungskonzepte mit Architekten und Restauratoren. Wir suchten die Projekte auch auf, um die Arbeiten zu begutachten, nachdem der Prozess abgeschlossen war. Viele Dinge sind anders als in meinem Heimatland Bahrain. Deswegen las ich auch viel Literatur im Büro über Historische Erhaltung.

ifa: Neben Ihrer Arbeit in Esslingen hatten Sie auch Gelegenheit, an einem internationalen EU-Projekt in Cluj, Rumänien teilzunehmen. Worum ging es bei dem Projekt?

Salem: Im Workshop ging es um einen illustrierten Glossar von Erhaltungsbegriffen für Wandgemälde und architektonische Oberflächen. Die Veröffentlichung wurde in elf Sprachen entwickelt. Sie unterstreicht die essentielle Rolle, die multilinguale Wörterbücher in internationalen Erhaltungskampagnen spielen. Um es einfach auszudrücken, es ist wie eine Dokumentation verwendeter Begriffe und Standards für jeden in diesem Bereich. Neben dem Workshop hatte ich auch Gelegenheit, moldawische Klöster zu besichtigen, die auf der Liste des Weltkulturerbes stehen. Das war eine aufregende Erfahrung. Es vermittelte mir einen Eindruck vom byzantinischen Zeichenstil, der in Osteuropa weiter verbreitet ist.

ifa: Demnächst endet Ihr Praktikum in Deutschland. Waren Sie in der Lage, in Esslingen Arbeitserfahrungen zu sammeln, die Ihrer professionellen Karriere zugutekommen werden? Falls ja, könnten Sie kurz beschreiben wie und in welchen Situationen Sie Ihr erlerntes Wissen anwenden würden?

Salem: Ich glaube, dass das Wissen, das ich in Deutschland erworben habe erst der Anfang ist. Ich wünschte, ich hätte drei Monate mehr um dauerhaft vor Ort zu sein und mit verschiedenen Werkzeugen und Methoden zu arbeiten. Wenn ich meine Zeit in Esslingen beendet habe, plane ich meine weiterführende Ausbildung zu beenden. Ich werde meine gewonnene Erfahrung nutzen, um mich um ein Stipendium für einen Masterplatz zu bewerben. Meine Reise hat gerade erst begonnen.

ifa: Sie haben für fast drei Monate in Deutschland gelebt. Welche Eindrücke haben Sie vom Land, seiner Kultur und den Menschen gewonnen? Wie würde Ihr Resümee aussehen?

Salem: Ich mag die Tatsache, dass es hier viele Stiftungen für verschiedene Zwecke gibt. Ich hoffe sehr, dass auch ich eine Stiftung für die Erhaltung des Kulturerbes meines Landes gründen kann. Ich fand es inspirierend, dass die Universitäten in engem Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen stehen. Ich schätze die deutsche Art des Recyclings – zum Beispiel die Mülltrennung. Die lokale Bevölkerung ist wirklich hilfsbereit. Und nicht zu vergessen: Die unglaubliche Eiscreme in Stuttgart. Auch wenn sich das wie ein Witz anhören mag: Ich würde gern ein Franchise meines liebsten Eiscafes in Stuttgart in Bahrain eröffnen.

Saba Salem

Die 27-jährige Saba Salem (B.A. in Innenarchitektur & Design, University of Bahrain) arbeitet seit 2015 im Kulturministerium in Bahrain. Von 2012 bis 2014 war sie für verschiedene Architekturbüros tätig. Zudem hat sie sich mit Fortbildungen in den Bereichen Archäologie, Denkmalschutz und Kulturerbe qualifiziert. Von August bis Oktober 2016 absolvierte sie ein CrossCulture-Praktikum beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am Neckar.

Saba Salem, CCP-Stipendiatin 2016 (© ifa/Kuhnle)