CCP-Stipendiat Mohammed Elias Hatimi beim Workshop in Stuttgart, Februar 2017 © ifa / Kuhnle
CCP-Stipendiat Mohammed Elias Hatimi beim Workshop in Stuttgart, Februar 2017 © ifa / Kuhnle

"Wir wollen Frauen zur politischen Partizipation ermutigen”

Jedes Jahr tauschen beim CrossCulture Programm mehr als 80 junge Menschen ihren Arbeitsplatz: Zwei bis drei Monate lernen sie den Arbeitsalltag in einem anderen Land kennen. Die meisten von ihnen kommen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern, so auch Mohammed Elias Hatimi aus Afghanistan. Im Interview spricht er über sein Engagement im Afghan Women’s Network, über die Rolle der Frauen in der Gesellschaft und über seinen Ansatz, die aktuelle Situation zu verbessern.

Interview von Franziska Lengerer

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Wie würdest du dein Heimatland Afghanistan beschreiben?

Elias: Ich denke, mein Land kann am besten mit den Worten Gastfreundlichkeit und Respekt beschrieben werden. In Gemeinschaft zu leben ist sehr wichtig für die Menschen in Afghanistan. Mit meiner Arbeit versuche ich, diese Werte zu fördern und vor allem, den Respekt zwischen allen Gruppen der Gesellschaft zu stärken.

ifa: Kannst du uns noch mehr über deine Arbeit erzählen?

Elias: Ich bin ein zivilgesellschaftlicher Aktivist, ein Citizen Journalist und ein Frauenrechtsaktivist. Derzeit arbeite ich beim Afghan Women’s Network (AWN), das einzige Netzwerk für Frauen in Afghanistan, das im Bereich politische Partizipation und Leadership von Frauen arbeitet, sowie im Bereich sozialer und rechtlicher Schutz für Frauen. In Afghanistan gibt es sehr viele Fälle von Gewalt oder Ungerechtigkeit, von denen in den Medien nicht berichtet wurde. Ich versuche, diese Fälle öffentlich zu machen und sie auf allen Plattformen zu veröffentlichen, auf denen ich aktiv bin. Da Frauen die Hälfte unserer Gemeinschaft ausmachen, kann es keine positive Entwicklung ohne sie geben. Sie haben das Recht, sich zu bilden, zu arbeiten und sich auf sozialer und politischer Ebene zu engagieren. Ich hatte Glück, einen Job bei AWN zu bekommen, denn er gibt mit die Möglichkeit, mit den Geschichten der Frauen die Regierung und die internationale Gemeinschaft erreichen.

ifa: Was unternimmt das Afghan Women’s Network, um Frauen in der Gesellschaft zu stärken?

Elias: Eine unserer Prioritäten ist Sicherheit. Wir versuchen Frauen als Friedensstifterinnen einzusetzen und sie in diese Diskussionen in Afghanistan zu involvieren. Um den sozialen und rechtlichen Schutz von Frauen zu verbessern, bieten wir Bewusstseinstrainings für Mitglieder der Regierung an und starten regelmäßig Forschungsberichte, die Empfehlungen bezüglich der Rolle der Frauen ansprechen. Außerdem versucht AWN, Frauen zur politischen Partizipation zu motivieren und wir glauben, dass Frauen eine Schlüsselrolle im Umweltbereich spielen sollten. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir jetzt vier weibliche Ministerinnen in unserer Regierungspartei haben.

"Mit meiner Arbeit versuche ich, den Respekt zwischen allen Gruppen der Gesellschaft zu stärken." Mohammed Elias Hatimi, 2017
"Mit meiner Arbeit versuche ich, den Respekt zwischen allen Gruppen der Gesellschaft zu stärken." Mohammed Elias Hatimi, 2017

ifa: Glaubst du, dass es in deiner Gesellschaft Menschen gibt, die das ablehnen?

Elias: Derzeit haben Frauen in Afghanistan eine gute soziale Stellung und die Gesellschaft respektiert sie wirklich. In einem Bus zum Beispiel würden die meisten Männer ihren Sitzplatz freigeben, wenn sie eine Frau stehen sehen. Aber Faktoren wie Armut, niedriger wirtschaftlicher Status, Mangel an Bildung und Analphabetismus schaffen Probleme für Familien und lösen manchmal Gewalt gegen Frauen aus. Die Herausforderung ist es, Armut und Analphabetismus zu bekämpfen, um die Akzeptanz für Frauen in allen Teilen unserer Gesellschaft zu stärken.

ifa: Eben hast du erwähnt, dass du auch als “Citizen Journalist” arbeitest. Kannst du dieses Konzept erklären? Was bedeutet es für dich?

Elias: Citizen Journalism steht für Bürger, die als Journalisten agieren. Sie treten mit der Regierung und anderen Interessensvertretern in Kontakt, um Bewusstsein für ihre Probleme, Bedürfnisse und Herausforderungen zu schaffen. Dieses Konzept ist neu in Afghanistan und zusammen mit Prime News Page versuche ich, Schulungsworkshops zu Citizen Journalism durchzuführen, um Jugendliche für Medienaktivitäten zu gewinnen. Meine Arbeit als Citizen Journalist verbindet mich auch mit einer anderen Plattform, mit der ich über Frauenrechte und andere wichtige Themen unserer Gesellschaft spreche. Jetzt freue ich mich darauf, bei der Arbeit von European Youth4Media mitzuwirken und Inspiration für zukünftige Projekte in Afghanistan zu bekommen.

ifa: Danke für dieses Gespräch.

Mohammed Elias Hatimi

Mohammed Elias Hatimi ist ein afghanischer “Citizen Journalist”, der sich gemeinsam mit dem Afghan Women’s Network für Frauenrechte einsetzt. Während seines CrossCulture Praktikums im Frühling 2017 arbeitete er für European Youth4Media in Münster, wo er Einblicke in die Strukturen des Citizen Journalism in Deutschland bekam.

Medienbeiträge

Während seiner Zeit in Deutschland veröffentlichte Mohammed Elias Hatimi zahlreiche zahlreiche Artikel und Berichte auf der Plattform von European Youth4Media. Einige seiner Arbeiten sind online abrufbar:

CCP-Stipendiatin aus Bahrain

Saba Salem kam im Spätsommer 2016 nach Deutschland, um beim Landesamt für Denkmal-pflege in Esslingen am Neckar mehr über Methoden und Möglichkeiten zum Erhalt historisch-kultureller Schätze zu lernen. Zum Interview