Dialogforum "Welches Europa Wollen wir?" Freiburg 2017. Foto: © Thomas Kunz

Außenpolitik live

Diplomaten hautnah - ein Fazit

Mit welchen Themen beschäftigen sich Diplomaten? Wie sieht ihr Arbeitsumfeld aus? Vor  welchen Fragen und Problemen stehen sie? Wie treffen sie in Konfliktsituationen wichtige Entscheidungen? Diplomaten sind oft mit sensiblen Themen konfrontiert. In Einklang mit den Interessen und Werten ihres Landes müssen sie Lösungsstrategien entwickeln. In einer funktionierenden Demokratie können sie dabei nicht auf das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger verzichten. Bürgerdialoge können hierbei ein wertvolles Hilfsmittel sein und weiterführende Impulse bringen.

Von Mirjam Karrer

Mit der Veranstaltungsreihe "Außenpolitik live – Diplomaten im Dialog" hat das ifa ein Austauschforum geschaffen. Insgesamt waren es 77 Veranstaltungen in ganz Deutschland, die  das ifa im Auftrag des Auswärtigen Amtes seit 2011 organisierte. Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten Diplomaten aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen hautnah kennen lernen. Das Konzept ging auf: rege Diskussionen kamen zustande. Häufig gingen die spannenden Debatten noch über den Veranstaltungsrahmen hinaus weiter. "Sehr oft wurde bis zur Sperrstunde weiter diskutiert. Von dieser Leidenschaft lebt die Demokratie", so Veranstalterin Odila Triebel vom ifa. 
 
Anhand aktueller Themen erklärten Diplomatinnen und Diplomaten des Auswärtigen Amtes aus ganz unterschiedlichen Ressorts den Zuhörerinnen und Zuhörern wie Außenpolitik funktioniert. So vielseitig wie die einzelnen Aufgabenbereiche waren auch die regionalen Schwerpunkte. Auf  wirtschaftliche Beziehungen gingen beispielsweise Botschafter ein, die in Singapur, Katar oder auch Russland tätig waren. Die Arbeit des Menschenrechtsrates der UN war ebenso Thema wie Migration und deren Ursachen. Andreas Görgen sprach als Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes über gefährdete Kulturgüter in Palmyra, Nepal und Timbuktu.

Burak Copur, Haznain Kazim und Martin Erdmann in Köln 2016. Foto:© ifa/ Hochstaetter

Transparenz und ihre Grenzen

Bei der Arbeit als Diplomat ist es äußerst wichtig diskret zu sein und vorsichtig mit sensiblen Informationen umzugehen. Besonders heikel ist es während noch laufenden politischen Verhandlungen. Es geht dabei um den Schutz Dritter und das Vertrauen der Verhandlungspartner. In manchen Fällen kann aber auch der Ausschluss der Öffentlichkeit ausschlaggebend für Erfolg oder Scheitern von Vorhaben sein. Ist es in so einem Fall gerechtfertigt die Öffentlichkeit außen vor zu lassen? Ist intransparentes politisches Handeln mit demokratischen Prinzipien vereinbar? Ein schwieriges Thema.

Die Veranstaltung über die deutsch-türkische Beziehung letztes Jahr machte den Spagat zwischen Transparenz und Diskretion in der Rolle als Diplomat besonders deutlich. Einen vollen Hörsaal an der Universität in Köln fand der deutsche Botschafter in Ankara Martin Erdmann vor. An mehreren Stellen überließ er das Wort dem ehemaligen Türkei-Korrespondenten Haznain Kazim. Gerade bei heiklen Themen wie Präsidialsystem oder Pressefreiheit konnte Erdmann aufgrund seiner Funktion als Diplomat keine Kritik äußern.

Ein komplexes und vielfältiges Feld

Wie Krisendiplomatie von außen aussieht, machte Andreas Kindl deutlich, Botschafter der Vertretung im Jemen. Aufgrund der verschärften Konflikte arbeitete er von der jordanischen Hauptstadt Amman aus. Den Jemen selbst hat er nie besucht.  Der Arabische Frühling und dessen Folgen waren besonders 2014 ein sehr präsentes Thema bei "Außenpolitik live". Entwicklungen in Tunesien nach den Wahlen und die Auswirkungen auf die Beziehungen mit Deutschland standen in diesem Jahr mehrmals im Mittelpunkt.
 
In den letzten drei Jahren rückte das Thema Europa mehr in den Vordergrund. Dabei kamen Debatten um Populismus, Europaskeptizismus und die Rolle Deutschlands in einem europäischen Kontext auf. Mit der Frage "Welches Europa wollen wir?"  widmete sich das ifa in einem weiteren bundesweiten Bürgerdialog aktuellen Themen rund um Europa.

Ein interessiertes Publikum, Duisburg 2017. Foto: © ifa/ Hochstaetter

Eine andere Perspektive einnehmen

Je nach Kooperationspartner und inhaltlichem Schwerpunkt war das Publikum bei den Dialogforen sehr unterschiedlich aufgestellt. Neben politikinteressierten Bürgerinnen und Bürgern nutzen auch viele Expats und im Exil lebende Menschen die Gelegenheit sich über die diplomatischen Beziehungen ihres Herkunftslandes zu Deutschland zu informieren. "Der Iran nach dem Nuklearabkommen: Zwischen Wandel und Herausforderungen?"  hieß eine Veranstaltung 2016, bei der viele in Deutschland lebende Iraner im Publikum saßen.

Doch nicht nur Besucherinnen und Besucher gingen mit neuen Informationen und Eindrücken nach Hause. Für die Referenten war es sehr erfrischend ganz andere Perspektiven auf ihre Arbeit zu bekommen. Als Form der partizipativen Demokratie kann der Bürgerdialog dennoch nicht betrachtet werden. Zielorientierte Diskussionen helfen jedoch die Arbeit des Auswärtigen Amtes zu reflektieren. So konnten die Diplomaten wichtige Impulse aus der Zivilbevölkerung in das Spielfeld des außenpolitischen Handelns mitnehmen.

Zivilbevölkerung und Außenpolitik

Besonders Frank Walter Steinmeier war es der erkannte, dass die Zivilgesellschaft in der Außenpolitik eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Er legte großen Wert auf den Austausch zwischen Bevölkerung und Politik. Nach dem Review Prozess 2014 im Auswärtigen Amt setzte er verstärkt auf Bürgerdialog. Mithilfe des neu gegründeten Referats "Netzwerk Außenpolitik in Deutschland" führt das Auswärtige Amt die Gesprächsreihe in Zukunft fort.

Auch bei der zukünftigen Arbeit des ifa rückt die Rolle der Zivilgesellschaft weiter in den Fokus. Was bedeutet Zivilgesellschaft eigentlich genau? Gibt es kulturelle Unterschiede beim Verständnis dieses Begriffs? Welche Rolle nimmt sie in der deutschen und europäischen Außenpolitik ein? Wie kann sie gestärkt werden?Die kürzlich vom ifa veröffentlichte Studie "Zivilgesellschaftliche Akteure in der Außenpolitik" nimmt sich solchen Fragen an und gibt dem Begriff der Zivilgesellschaft einen theoretischen Rahmen. Aber auch in der Praxis fördert das ifa zivilgesellschaftliche Netzwerke.  

Diplomaten im Dialog in Erfurt, 2017. Foto: © ifa/ Hochstaetter

Dialog und Austausch

Ein gutes Beispiel für den Austausch zwischen Berufstätigen aus dem medialen, kulturellen oder NGO Bereich ist das CrossCulture Programm (CCP). Junge Menschen bekommen die Möglichkeit einige Zeit in einem anderen kulturellen Umfeld zu arbeiten und einen Knowhowtransfer und Wissensaustausch zu erfahren. Mit Erfolg: die Rückmeldungen ehemaliger Stipendiatinnen und Stipendiaten sind sehr positiv. Viele Beziehungen bleiben auch nach Ende des Aufenthaltes  erhalten, neue Netzwerke entstehen.

Dialog und Austausch schaffen Vertrauen. In Europa ist der Vorwurf Politik würde ohne das Volk gemacht immer wieder zu hören. Die Rolle der Zivilgesellschaft wird besonders für ein integriertes Europa eine zentrale Rolle spielen. Formate wie "Außenpolitik live – Diplomaten im Dialog"  können helfen, zentralen Argumenten von Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf nationaler Ebene hat Deutschland hier eine vorbildhafte Initiative ergriffen.

Kontakt

Institut für Auslandsbeziehungen
Außenpolitik live
Daniela Hochstätter
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Tel. +49.711.2225.108
hochstaetter(at)ifa.de

Die Veranstaltungsreihe "Außenpolitik live – Diplomaten im Dialog" greift mit Vorträgen und Podien aktuelle Themen der bilateralen und internationalen Beziehungen auf. Deutsche Diplomaten stellen sich dem Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.
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Robert Lohmann, Daniel Göler, Isabel Vollmer: Zivilgesellschaftliche Akteure in der Außenpolitik. Chancen und Perspektiven von Public Diplomacy / Institut für Auslandsbeziehungen (Hg.) – Stuttgart, 2016. – 67 S. – (ifa-Edition Kultur und Außenpo

Lohmann / Göler / Vollmer: Zivilgesellschaftliche Akteure in der Außenpolitik
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