Buchtipps

Politische Dimensionen internationaler Begegnungen. / Gottfried Böttger, Siegfried Frech, Andreas Thimmel (Hrsg.). – Schwalbach: Wochenschau Verlag, 2016. – 141 S.

Politische Dimensionen internationaler Begegnungen. / Gottfried Böttger, Siegfried Frech, Andreas Thimmel (Hrsg.). – Schwalbach: Wochenschau Verlag, 2016. – 141 S.

Ifa-Signatur:  36/470

Im Mittelpunkt binationaler und internationaler Bildungsveranstaltungen steht vornehmlich die Begegnung. Politische, soziale und ökonomische Aspekte hingegen werden allzu selten thematisiert. Die politische Dimension kann zwar als Hintergrundfolie mitschwingen, wird in der Praxis jedoch nicht immer für eine kritische Reflexion zur Gewinnung politischer Urteilsfähigkeit genutzt. Die Potenziale der politischen Bildung werden generell nicht ausgeschöpft. Der vorliegende Band regt anhand von vier Fragen eine konzeptionelle Weiterentwicklung internationaler Jugendbegegnungen an:

1. Worin liegt der politische Gehalt internationaler Jugendbegegnungen?

2. Wie kann das politische Profil von Jugendbegegnungen gestärkt werden?

3. Welche Angebote gibt es, die diesen Ansprüchen gerecht werden?

4. Müssen spezifische Angebote mit einem entsprechenden Profil entwickelt werden? (Wochenschau Verlag)

Klein-Zimmer, Kathrin: Transformationen. Junge Erwachsene im Kontext von Generation und Migration.  – Weinheim: Beltz Juventa Verlag, 2016. – 336 S.

Klein-Zimmer, Kathrin: Transformationen. Junge Erwachsene im Kontext von Generation und Migration.  – Weinheim: Beltz Juventa Verlag, 2016. – 336 S.

ifa-Signatur: 36/408

Die biographisch-ethnographische Studie zu jungen Erwachsenen mit indischer Migrationsgeschichte rekonstruiert entlang der Dimensionen Migration und Generation multiple Formen grenzüberschreitender Handlungs- und Zugehörigkeitspraktiken junger Erwachsener und betont – eine transnationale Perspektive einnehmend – den veralltäglichten Charakter dieser Transformationen als zentralen Erfahrungsraum ihres jungen Erwachsenen-Seins. Die Lebenswelten von jungen Erwachsenen sind multidimensional und gehen mit unterschiedlichen Transformationsprozessen einher. Über einen biographisch-ethnographischen Zugang untersucht die Studie die Alltagswelten von jungen Erwachsenen mit einer indischen Migrationsgeschichte und zeigt die veralltäglichten Handlungs- und Zugehörigkeitspraktiken der jungen Erwachsenen auf, die unter anderem unterschiedlichste national-geographische sowie national-kulturelle Grenzen überschreiten. Eine transnationale Perspektive einnehmend verdeutlicht die Studie, inwieweit die jungen Erwachsenen ihre Lebenswirklichkeiten entlang der Dimensionen von Generation und Migration aushandeln und dabei vielfältigste Transformationen herstellen, die zentrale Charakteristika ihrer – nationale Grenzen überschreitenden – Erfahrungsräume sind. (Beltz Juventa)

Die exotisierte Stadt. Kulturpolitik und Musikvermittlung im postmigrantischen Prozess.  – Hildesheim: Georg Olms Verlag, 2016. – 458 S.

Gaupp, Lisa: Die exotisierte Stadt. Kulturpolitik und Musikvermittlung im postmigrantischen Prozess.  – Hildesheim: Georg Olms Verlag, 2016. – 458 S.

ifa-Signatur: 36/534

Hip Hop, Rap, Problemviertel und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Wie kann Musik zur Integration von sozial benachteiligten jungen Menschen beitragen? Lisa Gaupp untersucht in ihrer Dissertation die musikalischen Identitäten von Jugendlichen und das damit verbundene kulturpolitische Umfeld. Mithilfe ethnologischer Methoden analysiert sie den Zusammenhang von außerschulischer Musikvermittlung und der Entstehung von Jugendkulturen in einem institutionalisierten Rahmen und deckt Identitätsmythen sowie ethnische Klischees auf. Ihr besonderes Interesse liegt in der Darstellung der Jugendlichen durch die Kulturämter und der Frage, inwiefern Kulturpolitik einschränkend oder fördernd auf die jungen Menschen wirkt. In Hamburg, einem urbanen Raum mit zahlreichen sozialen Brennpunkten, begegnen sich Jugendliche mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Ihre musikalische Identität wird häufig dazu genutzt, soziale Probleme zu lösen. Gegenstand der Untersuchung sind institutionell organisierte Vereine und Gruppen sowie kulturpolitische Tagungen. Laut Gaupp ist es wichtig, dass sich Kultureinrichtungen an die sich stetig verändernde Gesellschaft anpassen sowie individualisiert und grenzüberschreitend arbeiten. Dadurch soll die exotisierende Wirkung einer fremdbeschreibenden Kulturpolitik verhindert und den Jugendlichen die Entwicklung einer persönlichen musikalischen Identität ermöglicht werden. (CB)

Migration – Religion – Identität. Aspekte transkultureller Prozesse. / Kerstin Kazzazi… (Hg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 297 pp.

Migration – Religion – Identität. Aspekte transkultureller Prozesse. / Kerstin Kazzazi… (Hg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 297 S.

ifa-Signatur: 36/252

Welche Aushandlungsprozesse finden im Rahmen von Migration statt? Wie werden Identitäten und Zugehörigkeiten konstruiert? Welche Rolle spielen Sprache und Religion bei transnationaler Mobilität? Aus den Perspektiven von Sprach- und Politikwissenschaft, Ethnologie, Migrationsforschung und anderen Disziplinen betrachten die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes verschiedene Aspekte von Migrationsprozessen. Grundlage dafür sind Studien, deren Untersuchungsgegenstand von den deutschen Einwanderervereinen in Argentinien ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zur Sprachidentität der zweiten Generation ex-jugoslawischer Migranten in Deutschland reicht. Sie erforschen den Alltag und die Lebenswelten von Menschen mit Migrationserfahrungen in unterschiedlichen Regionen und Zeiträumen, thematisieren Spannungen und Konflikte und zeigen Strategien der Abgrenzung und des Dazugehören-Wollens auf. Im Fokus der Beiträge, die im Rahmen der Abschlusskonferenz des Graduiertenkollegs "Migration im Kontext von Religionen und Kulturen im Rahmen der Globalisierung" erarbeitet wurden, stehen die Themen Religion, Sprache und Identität. Grundlage des Kollegs ist ein Verständnis von Kultur, bei dem diese nicht als strukturell abgeschlossene Einheit, sondern als prozesshaft und dynamisch verstanden wird. Die Herausgeber des Bandes fordern eine konsequent kritische Sicht auf Identitäts- und Ethnizitätskonzepte im öffentlichen Diskurs. Boris Nieswand, Juniorprofessor für transnationalen Kulturvergleich und Migration in Tübingen, gibt im letzten Kapitel des Bandes zudem einen Ausblick auf eine Migrationsforschung, die migrantische, post-migrantische und nicht-migrantische Gruppen nebeneinander als Teil einer Gesellschaft betrachten. (SG)

Surowiec, Paweł: Nation Branding, Public Relations and Soft Power. Corporatising Poland. – London …: Routledge, 2017. – 215 pp.

Surowiec, Paweł: Nation Branding, Public Relations and Soft Power. Corporatising Poland. – London …: Routledge, 2017. – 215 pp.  

ifa-Signatur: 36/401

Wie haben sich staatliche Soft Power-Aktivitäten in Polen verändert? Welchen Einfluss haben neue Akteure auf die Kommunikationspraxis in der auswärtigen Politik?  Wie hängen politische Ökonomie und Nation Branding zusammen? In der vorliegenden Monographie untersucht der Autor Paweł Surowiec die Beziehung zwischen kollektiven Identitäten, Nation Branding und der Steuerung von Soft Power in Polen. Der bis 1989 sozialistische Staat ist für den Autor ein spezieller Fall: Das Spannungsverhältnis zwischen der "sowjetischen Vergangenheit" und der "neoliberalen Gegenwart", die Konsolidierung von Demokratie sowie die Rolle Polens in Zentral- und Osteuropa prägen die (auswärtige) Kommunikation des Landes. An seinem Beispiel lasse sich die Veränderung von Nation Branding in besonderer Weise aufzeigen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Beziehung zwischen dem polnischen Staat und der Wirkungsmacht von neuen Akteuren auf dem Feld der Soft Power. Der Autor diskutiert führende empirische Forschungsansätze und Theorien über die Verbindung von Nationalismus, Medien, Macht und Globalismus. Auf der Grundlage von Pierre Bourdieus Theorien untersucht er die Bedingungen für Veränderungen der polnischen Soft Power, analysiert den Habitus verschiedener Akteure, die in den Diskurs involviert sind, und beschreibt die Narrative des "Polnisch-Seins". (SG)

Van Herpen, Marcel H.: Putin's Propaganda Machine. Soft Power and Russian Foreign Policy. – Lanham … Rowman & Littlefield, 2016. – 319 pp.

Van Herpen, Marcel H.: Putin's Propaganda Machine. Soft Power and Russian Foreign Policy. – Lanham … Rowman & Littlefield, 2016. – 319 pp.

ifa-Signatur: 36/218   

Ende 2016 kündigte Facebook an, aktiv gegen Fake-News vorzugehen: Falschmeldungen sollen entlarvt und gekennzeichnet werden. Immer wieder fällt bei der Debatte um Fake-News der Name des russischen Präsidenten. Laut US-Geheimdiensten habe Wladimir Putin angeordnet, in den amerikanischen Wahlkampf einzugreifen. Viele befürchten, dass auch die Wahlen in Deutschland und Frankeich manipuliert werden könnten. Für Van Herpen sind Fehlinformationen und Desinformationskampagnen Teil einer russischen "Soft-Power"-Offensive, die der Kreml Anfang des 21. Jahrhunderts ins Leben gerufen habe. Der Autor des vorliegenden Bandes spricht von einem Informationskrieg, den Putin führe, um das ehemals sowjetische Gebiet zu "rekolonialisieren" und zu "reimperialisieren". Der Kreml habe Joseph Nyes Konzept der "Soft Power" uminterpretiert und nutze es als Instrument im geopolitischen "Hard Power"-Wettbewerb. In seinem Buch analysiert der Direktor der niederländischen Cicero-Stiftung die russische Definition von "Soft Power" und nimmt verschiedene Strategien des Kremls unter die Lupe. Mehrere Kapitel widmet er der russisch-orthodoxen Kirche: Mit dem Argument, traditionelle Werte zu verteidigen, trage sie dazu bei, eine russische Ideologie zu verbreiten. Ein weiterer Fokus des Bandes liegt auf Putins Erfolgen in Frankreich und Deutschland. Für den Autor geht es nicht mehr nur um einen "Soft-Power"-Wettbewerb von Russland und dem Westen: "(…) in the end, it is about safeguarding peace and security in Europe as well as in the world as a whole." (SG)

Seib, Philip: The Future of #Diplomacy. – Cambridge …: Polity Press, 2017. – 154 pp.

Seib, Philip: The Future of #Diplomacy. – Cambridge …: Polity Press, 2017. – 154 pp.

ifa-Signatur: 36/355

Elitär, männlich und für die Öffentlichkeit unzugänglich: Diese Eigenschaften charakterisierten lange Zeit die Welt der Diplomatie. Diplomatische Gespräche wurden in Hinterzimmern geführt, ihre Ergebnisse erst Wochen später bekannt gegeben. Doch moderne Kommunikationstechniken, die zunehmende Bedeutung nichtstaatlicher Akteure und neue Erwartungen seitens der Bevölkerung stellen Diplomaten vor Herausforderungen, die ihre bisherige Praxis verändern. Wenn Philip Seib über die aktuelle Entwicklung der Diplomatie schreibt, benutzt er Worte wie Teilhabe, Transparenz, Schnelligkeit und Egalität. Im vorliegenden Band stellt der Professor für Journalismus, Public Diplomacy und Internationale Beziehungen die Frage nach der Zukunft der Diplomatie. Eine zentrale Rolle nimmt für ihn dabei die Public Diplomacy ein. Durch neue Medien und die exponentielle Verbreitung von Nachrichten erwarteten Menschen einen "Fluss an Informationen und keinen Rinnsal", so Seib. Dazu kommt: Die Bevölkerung ist nicht mehr nur Empfänger von Informationen. Sie kann Nachrichten verbreiten, kommentieren und selbst produzieren. Medienkompetenzen und die professionelle und schnelle Nutzung von Social Media würden daher zu den „professionellen Pflichten“ von Diplomaten gehören. Auch nichtstaatliche Akteure gewinnen durch ihre Mediennutzung und Öffentlichkeitsarbeit an Bedeutung. Ihre Einbeziehung ist für Seib neben der Public Diplomacy ein weiterer wichtiger Aspekt der zukünftigen Diplomatie. (SG)

Africa's Media Image in the 21st Century. From the "Heart of Darkness" to "Africa Rising". / Mel Bunce … (eds.). – London …: Routledge, 2017. – 239 pp.

Africa's Media Image in the 21st Century. From the "Heart of Darkness" to "Africa Rising". / Mel Bunce … (eds.). – London …: Routledge, 2017. – 239 pp.

ifa-Signatur: 36/402

Hitze, Hunger, Gewalt und die Missachtung von Menschenrechten: Lange Zeit war das mediale Bild des afrikanischen Kontinents von negativen Zuschreibungen und Vorurteilen geprägt. Doch strukturelle Veränderungen der Medienwelt, neue Technologien und das Aufkommen neuer, internationaler Medienorganisationen verändern die Berichterstattung. Das Budget für Auslandskorrespondenten sinkt. Lokale Journalisten treten an ihre Stelle. Twitter und andere soziale Medien ermöglichen den Menschen, auf stereotype Aussagen und Berichte zu reagieren. Haben diese Veränderungen dazu geführt, dass sich das Bild von Afrika in den Medien des 21. Jahrhunderts geändert hat und neue Akteure zu Wort kommen? Wie prägen Geschichten über Hilfe und Entwicklung die Berichterstattung über Afrika? Und welchen Einfluss haben politische und geopolitische Interessen? In aktuellen Forschungsergebnissen und Essays von Journalisten und Autoren zeigt der vorliegende Band, welches Bild internationale Nachrichtenmedien über den afrikanischen Kontinent aktuell verbreiten und von welchen Faktoren sie beeinflusst werden. Dabei finden sowohl kritische als auch konstruktive Ansätze Beachtung. Von anthropologischen Reflexionen der "authentischen" Beschreibung über die Rolle von Instagram in Südafrika bis zur Medienstrategie der Boko Haram - die Analysen und Beiträge des Bandes zeigen, wie unterschiedlich die Darstellung Afrikas heute sein kann und dass auch lokale, indigene Medien ähnliche Fehler machen wie ihre ausländischen Pendants. (SG)

The SAGE Handbook of Diplomacy. / Costas M. Constantinou… (eds.). – Los Angeles…: SAGE, 2016. – 684 pp.

The SAGE Handbook of Diplomacy. / Costas M. Constantinou … (eds.). – Los Angeles …: SAGE, 2016. – 684 pp.

ifa-Signatur: 36/384

In 53 Kapiteln gibt der vorliegende Band einen Überblick über verschiedene Aspekte von Diplomatie: vom geschichtlichen Verständnis über globale Trends bis hin zu den Herausforderungen heutiger diplomatischer Beziehungen. In ihren Beiträgen betrachten die Autoren – Universitäts-Professoren und Wissenschaftler aus aller Welt  – sowohl die Theorie als auch die Praxis von Diplomatie. Auf wissenschaftlicher Basis soll das Handbuch eine Grundlage für die Leser sein, um sich selbst eine Meinung über das Wesen der Diplomatie zu bilden. Im ersten Teil geben die Autoren einen Einblick in diplomatische Konzepte und Theorien. Zur Sprache kommen dabei auch Themen wie „Diplomatie und Kunst“ und diplomatische Ethiken. Der zweite Teil behandelt verschiedene Aspekte, wie beispielsweise die Funktion von Botschaften und Konsulaten, die internationale Gesetzgebung und die Sprache der Diplomatie. Diplomatische Beziehungen werden im dritten Teil des Handbuchs am Beispiel von USA, Russland, China, Lateinamerika, Ostasien, Afrika und Südafrika sowie dem Nahen Osten besprochen. Der letzte Teil des Bandes zeigt die verschiedenen Formen diplomatischen Engagements: in Sport, Religion und Wissenschaft, in digitalen Medien sowie in Krisen. (SG)

UNESCO Without Borders. Educational campaigns for international understanding. / Aigul Kulnazarova … (eds.). – Abingdon …: Routledge, 2017. – 288 p. (Routledge Research in Education)

UNESCO Without Borders. Educational campaigns for international understanding. / Aigul Kulnazarova … (eds.). – Abingdon …: Routledge, 2017. – 288 p. (Routledge Research in Education)

ifa-Signatur: 36/349

Vom Schutz des kulturellen Erbes bis zum Aufbau unabhängiger Medien: Laut eigenen Angaben hat die UNESCO das breiteste Programmspektrum aller UN-Sonderorganisationen. Im vorliegenden Sammelband geht es um den Teilbereich Bildung und die darauf bezogene Strategie und Praxis der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Im Fokus: die Vermittlung von Geschichte und das Engagement für internationale Verständigung. Da im Geschichtsunterricht ein Grundstein für Nationalismus gelegt werden kann, waren die Verbesserung von Lehrbüchern und die Überarbeitung nationaler Geschichtsvermittlung in Schulen ein wichtiger Bestandteil von UNESCO-Bildungskampagnen. Um die Herausforderungen und Chancen von Bildungsprogrammen geht es im ersten Teil des Bandes. Im zweiten Teil untersuchen die Autoren lokale und globale Diskurse zum Geschichtsunterricht. Dabei werden Initiativen zur Überarbeitung von Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien in Mexiko, Japan, Brasilien und Belgien näher betrachtet. Ein weiterer Themenschwerpunkt ist das Engagement der UNESCO gegen Rassismus, deren Ziel es war, die Unterschiede von wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Konzepten von Rasse zu verdeutlichen. Konkret beleuchten die Autoren des vorliegenden Bandes die antirassistische UNESCO-Arbeit in Südafrika und im Spiegel des Kalten Krieges. Zuletzt gehen sie auf eine der größten Herausforderungen der UNESCO ein: den Ost-West-Konflikt. In zwei Kapiteln untersuchen sie das Verhältnis der UNESCO zur USA und zur Sowjetunion. (SG)

Weiß, Andreas: Asiaten in Europa. Begegnungen zwischen Asiaten und Europäern 1880-1914. – Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2016. – 314 S.

Weiß, Andreas: Asiaten in Europa. Begegnungen zwischen Asiaten und Europäern 1880-1914. – Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2016. – 314 S.

ifa-Signatur: 36/380

In der vorliegenden Arbeit untersucht der Soziologe und Historiker Andreas Weiß die Gestaltungsmöglichkeiten und den Einfluss von Asiaten in Deutschland und Großbritannien zwischen den 1880er-Jahren und dem Ersten Weltkrieg. Wichtiger als die europäische Sichtweise auf Diskurse um Moderne und Dekadenz ist die Perspektive von außen. Die Akteure, die im Mittelpunkt der Forschung stehen, sind überwiegend chinesische, japanische und indische Studierende, Intellektuelle und Beamte, die aus unterschiedlichen Gründen nach Europa kamen. Im Fokus der Analyse steht ihre Auseinandersetzung mit dem "Westen", ihre Kritik am Kolonialismus, ihre wissenschaftlichen Beiträge im Modernitätsdiskurs und ihre Bemühungen, das Eigene aufzuwerten. Wodurch zeichneten sich die Diskussionen von Asiaten und Europäern über Moderne und Dekadenz aus? Welche Vorstellungen hatte man voneinander? Wie hat sich die Selbstwahrnehmung der Europäer durch das Wirken der Asiaten verändert? Der Autor beleuchtet die Debatten über Moderne und Dekadenz in verschiedenen Bereichen: von der Kunst über die Gesellschaftswissenschaften bis hin zu Anthropologie, Medizin und Religion. Als Grundlage für die Untersuchung dienen öffentliche Diskussionsbeiträge in Vereinspublikationen und in Zeitschriften, die von Asiaten speziell für den europäischen Markt herausgegeben wurden. Vor dem Hintergrund internationaler Machtasymmetrien und zunehmender rassistischer Argumente werden Stereotype und Vorurteile diskutiert, die die Repräsentation des Anderen prägten. Der Autor stellt fest, dass sich die Offenheit gegenüber Asiaten in Europa nach 1900 durch nationale Politiken und Rassendiskurse veränderte. Gleichzeitig zeigt er, wie selbstbewusste asiatische Akteure versuchten, die Hegemonie des Westens herauszufordern und eigene Themen zu setzen. (SG)

Nazi Germany and Southern Europe, 1933-45. Science, Culture and Politics. / Fernando Clara … (eds.). – Houndmills …: Palgrave Macmillan, 2016. – 269 S.

Nazi Germany and Southern Europe, 1933-45. Science, Culture and Politics. / Fernando Clara … (eds.). – Houndmills …: Palgrave Macmillan, 2016. – 269 S.

ifa-Signatur: 36/172

"The European fascist period was certainly a period of exclusions and disruptions, but it was also a time of intense international network building and scientific and cultural exchange", schreibt Fernando Clara, Herausgeber des vorliegenden Sammelbandes. Im Fokus des Werks stehen wissenschaftliche und kulturelle Netzwerke, die während der NS-Zeit zwischen Deutschland und Südeuropa aufgebaut, weiterentwickelt und gepflegt wurden. Wie gestaltete sich das hybride Netzwerk Deutschlands in Südeuropa? Wie wurde die Tradition der deutschen Wissenschaft für die Zwecke der Nazi-Propaganda genutzt? Ziel des Bandes sei es, so Clara, hinter die Oberfläche der diplomatischen Diskurse zu schauen. Nach dem Motto "Make a friend out of an enemy" waren Wissenschaft und Wissenschaftsbeziehungen im Dritten Reich ein wichtiges Instrument der deutschen Diplomatie. Deutsche Schulen im Ausland, Universitäten, internationale Kongresse, Ausstellungen, Vorträge, Kunst- und Sportveranstaltungen dienten als Werkzeug für die strategische Verbreitung von Wissen. Die Kapitel beleuchten eine große Bandbreite des Themas: von Beiträgen über den Studierendenaustausch zwischen Hitlerdeutschland und südeuropäischen Ländern bis hin zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie der Eugenik. Neben Griechenland, Portugal, Italien und Spanien untersuchen einzelne Beiträge auch die Beziehungen zu Brasilien und die damit verbundenen kolonialen Bestrebungen Deutschlands. (SG)

Schneider, Claudia: Europäisch verbunden und national gebunden. Die Europäisierung der Auswärtigen Kulturpolitik der EU-Mitgliedstaaten. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 304 S. – Freie Universität Berlin, Diss., 2015

Schneider, Claudia: Europäisch verbunden und national gebunden. Die Europäisierung der Auswärtigen Kulturpolitik der EU-Mitgliedstaaten. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 304 S. – Freie Universität Berlin, Diss., 2015

ifa-Signatur: 36/396

Die nationale Sprache und Kultur eines Landes sind der zentrale Gegenstand Auswärtiger Kulturpolitik. Die Repräsentation nach außen basiert auf einer klar umrissenen Identität. In ihrer Dissertation untersucht Claudia Schneider, inwiefern sich die Auswärtige Kulturpolitik der EU-Mitgliedstaaten europäisiert. Sie erforscht die Rolle kollektiver Identitäts- und Gedächtniskonstruktionen für Europäisierungstendenzen und geht der Frage nach, wie Kulturinstitute die europäische Identität wahrnehmen. Wichtiger als politische Absichtserklärungen ist für Schneider die konkrete Praxis der europäisierten Kulturpolitik. Sie analysiert die lokale und transnationale Zusammenarbeit von Kulturinstituten und Kulturabteilungen von Botschaften. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchung steht der Dachverband der europäischen Kulturinstitute EUNIC (European Union National Institutes for Culture). Sein Ziel ist es, die kulturelle Vielfalt Europas innerhalb und außerhalb der EU sichtbar zu machen. Schneider stellt fest, dass vor allem die nationale Identität im Wesentlichen die kulturpolitische Arbeit der Akteure bestimmt. Das Motto der EU – "In Vielfalt geeint" – dient als Argument dafür, eine nationale Präsentation von Kultur aufrechtzuerhalten. Dadurch wird jede nationale Kulturpräsentation auch als Teil einer europäischen Kulturpräsentation deklariert. So zeigt bereits das Europamotto das Spannungsfeld in der Auswärtigen Kulturpolitik. (MY)

Human Rights Watch. Einsatz für Menschenrechte. Gespräche. Ed Kashi. Sugar Cane. Syrian Refugees Fotografien. / Grätz, Ronald … (Hg.). – Göttingen: Steidl Verlag / ifa, 2016. – 199 S.

Human Rights Watch. Einsatz für Menschenrechte. Gespräche. Ed Kashi. Sugar Cane. Syrian Refugees Fotografien. / Grätz, Ronald … (Hg.). – Göttingen: Steidl Verlag / ifa, 2016. – 199 S.

ifa-Signatur: 36/339

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen hat den Anspruch, universell für alle Menschen zu gelten. Diesen Anspruch in Realität zu verwandeln – dafür setzt sich die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) ein. Die 1978 gegründete Organisation kämpft weltweit für Toleranz, Freiheit und Menschenrechte. Wie organisiert HRW eigene Projekte? Mit welchen Problemen sieht sich die Organisation bei ihrer Arbeit konfrontiert? Wie nimmt HRW die Rolle des Staates beim Thema Menschenrechte wahr? Diesen Fragen gehen die Herausgeber des vorliegenden Bandes in Gesprächen nach. Geschäftsführer Kenneth Roth spricht über verschiedene Aspekte der Arbeit von HRW und wie Menschenrechte in einer multipolaren Welt gestärkt werden können. Die Leiterin der Abteilung für Kinderrechte Zama Coursen-Neff berichtet über ihre Arbeit in der „Globalen Koalition zum Schutz von Bildung vor Angriffen“ und über die Situation von Kindern und Jugendlichen in Krisen- und Konfliktregionen. Der Unterstützer George Soros äußert sich zur Kritik an der Universalität der Menschenrechte sowie über die Arbeit von HRW. In der zweiten Hälfte des Bandes präsentiert der amerikanische Fotograf Ed Kashi zwei Fotoserien. In der ersten Fotoserie dokumentiert er Alltagssituationen in Flüchtlingscamps. Mit seiner zweiten Fotoserie macht er auf die Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen auf den Zuckerrohrplantagen in El Salvador und Nicaragua aufmerksam. (MY)

Why English? Confronting the Hydra. / Bunce, Pauline, … (eds.). – Bristol, …: Multilingual Matters, 2016. – 285 S.

Why English? Confronting the Hydra. / Bunce, Pauline, … (eds.). – Bristol, …: Multilingual Matters, 2016. – 285 S.

ifa-Signatur: 36/293

Englisch ist die Weltsprache Nummer eins. Nichtmuttersprachler nutzen sie in vielen Lebensbereichen. In vielen Ländern wird sie als erste Fremdsprache in der Schule gelernt oder dient neben der offiziellen Amtssprache als Geschäfts- und Bildungssprache. Wie versuchen Länder der Dominanz der englischen Sprache entgegenzuwirken? Welche Auswirkungen hat die Sprachpolitik eines Landes auf die Gesellschaft? In welchem Verhältnis steht Englisch zu anderen Weltsprachen wie Spanisch, Französisch oder Chinesisch? Welche nationalen und internationalen Akteure beeinflussen die Sprachpolitik? Diesen Fragen gehen die Autoren des vorliegenden Sammelbandes nach. Zu Wort kommen neben Linguisten, Sprachwissenschaftlern, Schriftstellern und Journalisten auch Englischlehrer, die international tätig sind. In ihren Beiträgen untersuchen sie die Entwicklung der Sprachpolitik in verschiedenen Ländern, darunter Kamerun, Bulgarien und Brasilien. Dabei gehen sie auch der Frage nach, inwiefern die englische Sprache unbewusst genutzt wird und ob bestimmte Bevölkerungsschichten durch die Sprachpolitik benachteiligt werden. Mit ihrem Sammelband wollen die Herausgeber zur sprachlichen und kulturellen Vielfalt beitragen. Sie plädieren für eine gleichberechtigte Sprachpolitik, die anderen Sprachen mehr Respekt entgegenbringt. Sie betonen die Vorteile eines Bildungssystems, das auf der jeweiligen Sprache und Kultur des Landes aufbaut. Englisch sollte kein Ersatz, sondern ein Zusatz zur Muttersprache und zu anderen lokalen Sprachen sein. (MY)

Kulturarbeit in Transformationsprozessen. Innenansichten zur "Außenpolitik" des Goethe-Instituts. / Schneider, Wolfgang, … (Hg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 186 S. –

Kulturarbeit in Transformationsprozessen. Innenansichten zur "Außenpolitik" des Goethe-Instituts. / Schneider, Wolfgang, … (Hg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 186 S. –

ifa-Signatur: 36/269

"Dass ich mich auf vermintem Gelände bewegte, war mir klar (…)", schreibt Dieter Strauss über seine Zeit als Leiter des Goethe-Instituts in Santiago de Chile. Chile befand sich damals in einem politischen Umbruch. Der Diktator Augusto Pinochet hatte seine Macht an eine neue Regierung abgegeben. In dem vorliegenden Sammelband kommen Strauss und seine Kollegen – Goethe-Generalsekretäre, ehemalige Institutsleiter sowie weitere Kulturschaffende und Wissenschaftler – zu Wort. Auf Basis von langjährigen Erfahrungen werden die Möglichkeiten und Grenzen von Kulturarbeit aufgezeigt, demokratische Öffnungsprozesse zu unterstützen. In den zum Teil persönlichen Berichten geben die Autoren Einblicke in die Arbeit der größten deutschen Mittlerorganisation. Sie beleuchten die besonderen Rahmenbedingungen der Auswärtigen Kulturpolitik in Transitions- und Transformationsländern und bringen Konflikte zwischen Kultur und Politik zur Sprache. Ob politische Erwartungshaltungen, Finanzierungsprobleme oder Kontroversen über Programminhalte – die Beiträge behandeln ein breites Themenspektrum und ermöglichen einen persönlichen und intimen Blick in die Arbeit des Goethe-Instituts in Osteuropa nach dem Zerfall der Sowjetunion, in Lateinamerika sowie in den Ländern des Arabischen Frühlings. Ergänzt werden diese durch Beiträge aus der Demokratieforschung und Kulturpolitikforschung, die aktuelle Fragestellungen der auswärtigen Kulturarbeit, Auswärtigen Kulturpolitik und Demokratieförderung thematisieren. (SG)

Weigl, Aron: Auswärtige Kulturpolitik. Für Kinder? Künstlerisch-ästhetische Bildung als Herausforderung transkultureller Beziehungen. – Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2016. – 335 S. – Univ. Hildesheim, Diss., 2015

Weigl, Aron: Auswärtige Kulturpolitik. Für Kinder? Künstlerisch-ästhetische Bildung als Herausforderung transkultureller Beziehungen. – Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2016. – 335 S. – Univ. Hildesheim, Diss., 2015

ifa-Signatur: 4°B 36/28

Welche Rolle spielen Kinder und Jugendliche in der Auswärtigen Kulturpolitik? Wie kann künstlerisch-ästhetische Bildung zur Verständigung im kulturellen Austausch beitragen? Welche Methoden haben sich dabei als sinnvoll erwiesen? 2012 waren rund 44 Prozent der Weltbevölkerung jünger als 25 Jahre. In Entwicklungsländern ist der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung besonders hoch. Für die Kulturlandschaft sei die Bedeutung von Kindern zentral, schreibt Aron Weigl in seiner Dissertation. Auch in der Auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands nehme die junge Zielgruppe einen immer größeren Stellenwert ein. In seiner Arbeit untersucht Weigl, inwiefern die Auswärtige Kulturpolitik Kinder und Jugendliche einbezieht. Er zeigt die Zusammenhänge zwischen Außenpolitik, Kultur und Bildung auf und untersucht mit Hilfe eines qualitativen Forschungsansatzes Programme, Projekte und Methoden der kulturellen Bildung. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Zielformulierungen und der Zielgruppenorientierung der Akteure. Neben den regionalen und den politischen Rahmenbedingungen untersucht Weigl die verschiedenen Formen der Vermittlung. Seine Arbeit liefert einen Überblick über die vielfältigen Akteure im Kulturaustausch, die Kinder, Künste und kulturellen Austausch zusammendenken und kulturelle Bildung in einen transnationalen Zusammenhang bringen. (SG)

Norwig, Christina: Die erste europäische Generation. Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne 1951 – 1958. – Göttingen: Wallstein, 2016. – 360 S. – ( Göttinger Studien zur Generationsforschung. Veröffentlichungen des DFG-Gradui

Norwig, Christina. Die erste europäische Generation. Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne 1951 – 1958. – Göttingen: Wallstein, 2016. – 360 S. – ( Göttinger Studien zur Generationsforschung. Veröffentlichungen des DFG-Graduiertenkollegs "Generationengeschichte"; 21)

ifa-Signatur: 36/278

Im Sommer 1950 stürmten Jugendliche aus mehreren europäischen Ländern die deutsch-französische Grenze bei St. Germanshof-Wissembourg. Sie rissen Zolltafeln ab und verbrannten Schlagbäume. Mit ihrer Demonstration machten sie sich für ein vereintes Europa stark. Tatendrang und kulturelle Neuerungen, Frieden und ein Bruch mit der Vergangenheit – in den 1950er Jahren wurden dem "jungen Europa" ähnliche Eigenschaften zugeschrieben wie der Jugend. Wie sahen die Visionen der Nachkriegsgeneration in Bezug auf Europa aus? Was dachte die Öffentlichkeit über proeuropäische Aktionen? Welche Rolle spielten die Nationalkulturen bei den jungen Europäern? Im vorliegenden Band untersucht die Kulturhistorikerin Christina Norwig das Verhältnis der Nachkriegsgeneration zur europäischen Integration. Sie analysiert die kulturelle und symbolische Dimension der jungen Generation und betrachtet die Jugend als politischen Akteur. Im Zentrum ihrer Forschung steht die Europäische Jugendkampagne, die von 1951 bis 1958 multilaterale Projekte in 17 europäischen Ländern einführte. Anders als die meisten Studien im Bereich der Europäischen Integrationsforschung untersucht Norwig nicht die zwischenstaatlichen Aspekte. Ihr Schwerpunkt liegt auf den kulturellen Europakonstruktionen. Ihre Ergebnisse relativieren die verbreitete Sichtweise, die europäische Integration sei in ihrer Anfangszeit nur wirtschaftlich und sicherheitspolitisch motiviert gewesen. (SG)

Nemeth, Erik: Cultural Security. Evaluating the Power of Culture in International Affairs. – London: Imperial College, 2015. –    289 S. – (ICP Insurgency & Terrorism Series; 5)

Nemeth, Erik: Cultural Security. Evaluating the Power of Culture in International Affairs. – London: Imperial College Press, 2015. – 289 S. – (ICP Insurgency & Terrorism Series; 5)

ifa-Signatur: 36/294

Die Verkäufe berühmter Kunstwerke bringen Millionen ein und Raubkunst dient terroristischen Organisationen als Einnahmequelle. Weltweit sind kulturelle Güter und Kunstwerke von Plünderungen und Verwüstung bedroht. Während des 21. Jahrhunderts wird sich Kultur zu einer Quelle alternativer globaler Macht entwickeln, so Erik Nemeth, Autor des vorliegenden Bandes. Im Fokus des Buches steht das relativ neue, interdisziplinäre Konzept der kulturellen Sicherheit. Es umfasst Untersuchungen in den Bereichen Terrorismus und politische Gewalt, Kriminologie und internationale Beziehungen. Nemeth berücksichtigt in seiner Analyse die verschiedenen Dimensionen des Konzepts. Welche Bedeutung haben Kunstwerke, kulturelle Artefakte und Monumente in bewaffneten Konflikten? Wie kann die Rolle von kulturellem Eigentum in den Außenbeziehungen bemessen werden? Aus historischer Perspektive betrachtet er die Wechselbeziehungen zwischen kulturellem Eigentum und Sicherheit. Aus ökonomischer Sicht verbindet er Entwicklungen des Kunstmarkts mit politischen Veränderungen. Mit Beispielen zur taktischen und strategischen Ausbeutung von Kulturgütern macht er die Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen sichtbar. Zuletzt untersucht er den Einfluss von kulturellem Eigentum auf globale Angelegenheiten und stellt fest, dass die Bedeutung von verschleppten Kulturgütern in der Außenpolitik mit der Zeit zunehme. (SG)

Orgonas, Doris: Alte Brücken – neue Wege. Baden-Württembergs Kulturaustausch mit Ungarn und dem mittleren Donauraum. – Ulm: danube books, 2016. – 394 S. – Tübingen, Univ., Diss., 2015

Orgonas, Doris: Alte Brücken – neue Wege. Baden-Württembergs Kulturaustausch mit Ungarn und dem mittleren Donauraum. – Ulm: danube books, 2016. – 394 S. – Tübingen, Univ., Diss., 2015

ifa-Signatur: 36/287

Wie sind die institutionalisierten Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsbeziehungen von Baden-Württemberg zu Ungarn und dem mittleren Donauraum entstanden? Welche Bedeutung haben Einrichtungen wie das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde oder das Haus der Donauschwaben heute? Wie werden diese Einrichtungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Diesen Fragen geht Doris Orgonas in ihrem Buch nach. Fast wöchentlich könne man in Baden-Württemberg Veranstaltungen zur ungarischen und ungarndeutschen Geschichte und Kultur besuchen, schreibt die in Stuttgart geborene Autorin mit banater-schwäbischen und ungarischen Wurzeln. Der intensive wirtschaftliche, kulturelle und zivilgesellschaftliche Austausch mit dem mittleren Donauraum stelle "ein Stück baden-württembergische Lebenswirklichkeit" dar. Vor allem die Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen und geflohenen Donauschwaben habe aktiv zum Aufbau von Strukturen und Organisationen beigetragen. Heute wirken die Einrichtungen als Akteure kultureller Nachbarschaftspolitik. Orgonas ermöglicht einen Einblick in Einrichtungen, die zwischen 1950 und 2000 von Baden-Württemberg gegründet wurden und stellt Institutionen in Ungarn, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und vor dem ungarischen EU-Beitritt entstanden sind, systematisch dar. Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet sie die Umstände, die Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung der Organisationen hatten und beschreibt die Partnerschaft zwischen deutschen und ungarischen Städten. Ihre Darstellung ordnet sie in den theoretischen Rahmen der Kultur- und Außenkulturpolitik von Deutschland und Baden-Württemberg sowie der europäischen Donauraumstrategie ein. (SG)

Verständigung und Versöhnung nach dem "Zivilisationsbruch"? Deutschland in Europa nach 1945 / Corine Defrance, ... (Hg.). – Brüssel: Lang, 2016. – 853 S. (L'Allemagne dans les relations internationales, 9)

Verständigung und Versöhnung nach dem "Zivilisationsbruch"? Deutschland in Europa nach 1945 / Corine Defrance, ... (Hg.). – Brüssel: Lang, 2016. – 853 S. (L'Allemagne dans les relations internationales, 9)

ifa-Signatur: 36/202

Auschwitz als Ort des Erinnerns, Willy Brandts Kniefall in Warschau, internationale Jugendbegegnungen und Städtepartnerschaften – die verschiedenen Elemente und Ebenen des Annäherungs- und Versöhnungsprozesses zwischen Deutschland und seinen Nachbarn nach 1945 sind Thema des vorliegenden Sammelbandes. Auf mehr als 850 Seiten gehen die Autoren aus Deutschland, Frankreich, der Tschechischen Republik und den USA auf die Suche nach den Möglichkeiten und Hürden der grenzüberschreitenden Versöhnung. Sie führen Kultur-, Sozial- und Politikgeschichte zusammen und zeigen die kulturellen und gesellschaftlichen Faktoren auf, die Außenpolitik vorstrukturieren. In ihrer Analyse betrachten die Autoren konkrete Beispiele der Friedensforschung und Friedenspädagogik in Deutschland, Aktionsfelder und Handlungsformen sowie Organisationen und Institutionen. Sie untersuchen Erinnerungs- und Gedenkorte wie Auschwitz, Yad Vashem, Lidice und Distomo und analysieren symbolische Gesten und Handlungen, wie zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1962 in Reims und François Mitterrand und Helmut Kohl 1984 in Verdun. Die Arbeit verdeutlicht die Komplexität von Versöhnungsprozessen. Die Erinnerungsbildung hat sich in den jeweiligen Ländern auf verschiedene Art und Weise und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt. Die Versöhnung zwischen Deutschland und seinen Nachbarn ist keine reine Fortschrittsgeschichte, sondern von politischen Hindernissen, mentalen Blockaden, falschen Kompromissen und Tabus geprägt. (SG)

Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzungen mit "Afrika"-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule / Elina Marmer, Papa Sow (Hg.). – Weinheim, ...: Beltz Juventa, 2015. – 284 S.

Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzungen mit "Afrika"-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule. Ursachen, Auswirkungen und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis / Elina Marmer, ... (Hgg.). – Weinheim, ...: Beltz Juventa, 2015. – 284 S.

ifa-Signatur: 36/281

Das Weltbild, das rassistischen Zuordnungen zugrunde liegt, ist nicht nur am rechten Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft verbreitet: Unbewusst und unabsichtlich verwenden viele von uns rassistische Kriterien, um Menschen und Regionen zu bewerten. Von Bedeutung ist nicht die Intention einer rassistischen Handlung oder Aussage, sondern ihre Wirkung, erklären die Herausgeber des vorliegenden Sammelbandes. Im schulischen Kontext stellt das eine besondere Gefahr dar. Für Marmer und Sow ist klar: "Rassismus wird in der Schule gelernt". Auf der Basis der Analyse von Schulbüchern, Schüler-Gruppendiskussionen und Interviews mit Lehrpersonen gehen die Autoren der Rolle von Bildung bei der Verbreitung und Manifestierung rassistischer Ideen über Afrika nach. Sie liefern Strategien, um rassistische Inhalte im Bildungssystem zu erkennen und dagegen vorzugehen. Das Konzept des "Kritischen Weißseins" ist eine Möglichkeit, Bildungsinhalte über Afrika kritisch zu betrachten und zu reflektieren. Mit einem Unterrichtskonzept für die Grundschule, Ideen zu neuen Inhalten und Lernmethoden zu den Themen Schwarzsein, Afrika und afrikanische Diaspora sowie dem Vorschlag, institutionalisierte Rassismuskritik in die Lehrerbildung zu integrieren, werden konkrete Wege und Möglichkeiten für eine Veränderung aufgezeigt. Das Buch richtet sich an alle, die sich mit schulischer Bildung beschäftigen und die in die Bildung und Erziehung von jungen Menschen involviert sind. (SG)

Reasserting America in the 1970s. U.S. Public Diplomacy and the Rebuilding of America’s Image Abroad. / Hallvard Notaker, ... (eds.). – Manchester: Manchester University Press, 2016. – 287 S. (Key Studies in Diplomacy)

Reasserting America in the 1970s. U.S. Public Diplomacy and the Rebuilding of America’s Image Abroad. / Hallvard Notaker, ... (eds.). – Manchester: Manchester University Press, 2016. – 287 S. (Key Studies in Diplomacy)

ifa-Signatur: 36/266

Vietnamkrieg, Watergate-Affäre, afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung - in den 1960er- und 1970er-Jahren waren die Vereinigten Staaten von Amerika von politischer Enttäuschung, militärischer Niederlage und einer schwelenden sozialen Unzufriedenheit geprägt. Im Ausland verstärkten Proteste gegen globale Ungerechtigkeit die Skepsis gegenüber dem amerikanischen Lebensstil und der Kultur. Wie präsentierten US-amerikanische Diplomaten das Land in Zeiten des eigenen kulturellen Pessimismus einer zunehmend skeptischen Weltöffentlichkeit? Das ist die zentrale Frage des vorliegenden Sammelbandes, der die Public-Diplomacy-Strategien der USA im Zeitraum von 1965 bis 1980 und das Bild der USA in der Welt analysiert. Im Fokus der Untersuchung stehen einerseits die Akteure der Public Diplomacy: Vielfältige öffentlich-private Kooperationen verbreiteten die US-amerikanischen Interessen und die Kultur im Ausland. Die Autoren zeigen, inwiefern Methoden und Vorgehensweisen an die neue kritische Öffentlichkeit angepasst wurden. Andererseits blicken sie auf die Empfänger der amerikanischen Kulturpolitik und fragen, wie die US-amerikanischen Programme in verschiedenen Regionen angenommen wurden und was das Bild der USA bestimmt hat. Die 1970er-Jahre stehen in den Augen der Herausgeber für eine Renaissance der amerikanischen Kultur, die durch ihre soziale und politische Vielfalt sowohl Sympathisanten als auch Kritikern Anknüpfungspunkte bot. (SG)

Wroblewski, Martin: "Moralische Eroberungen" als Instrumente der Diplomatie. Die Informations- und Pressepolitik des Auswärtigen Amts 1902 – 1914. – Göttingen: V&R unipress GmbH, 2016. – 340 S. (Internationale Beziehungen: Theorie und Geschichte,

Wroblewski, Martin: "Moralische Eroberungen" als Instrumente der Diplomatie. Die Informations- und Pressepolitik des Auswärtigen Amts 1902 – 1914. – Göttingen: V&R unipress GmbH, 2016. – 340 S. (Internationale Beziehungen: Theorie und Geschichte, 12). – Bonn, Univ., Diss., 2015

ifa-Signatur: 36/222

Wie war die Presse- und Informationspolitik des Auswärtigen Amts Anfang des 20. Jahrhunderts organisiert? Steckte dahinter ein politisches Kalkül? Wie erfolgreich war die Medienarbeit im Ausland und welches Verständnis von Öffentlichkeit lag ihr zugrunde? Diesen Fragen geht Martin Wroblewski nach und stellt fest, dass das Auswärtige Amt seit 1902 bemüht war, "die Öffentlichkeiten des Auslands systematisch zu beeinflussen". Mit den Zielen, Diskurse zu steuern und ein deutschfreundliches Klima im Ausland zu schaffen, verstärkte es die Zusammenarbeit mit Telegrafenagenturen und trieb den Aufbau eines eigenen Telegrammkabelnetzes voran. Die Auslandspresse wurde zu einem wichtigen Faktor für die deutsche Außenpolitik. Informationen sollten so schnell wie möglich auf der ganzen Welt verbreitet werden. Der Autor beginnt seine Analyse 1902 mit der neuen Ausrichtung der Pressepolitik des Auswärtigen Amts durch Reichskanzler Bülow und endet 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er betrachtet einerseits die Tätigkeiten der Zentrale in Berlin, andererseits die Vorgehensweisen der Botschaften und Konsulate im Ausland. Neben den offiziellen Maßnahmen werden auch Maßnahmen berücksichtigt, bei denen das Mitwirken des Auswärtigen Amts geheim bleiben sollte. Durch den Blick in verschiedene Länder und Regionen werden zudem Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Presse- und Informationspolitik deutlich. (SG)

Communicating Differences. Culture, Media, Peace and Conflict Negotiation. / Sudeshna Roy, Ibrahim Seaga Shaw (Hg.). – Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016. – XVI, 282 S.

Communicating Differences. Culture, Media, Peace and Conflict Negotiation. / Sudeshna Roy, Ibrahim Seaga Shaw (Hg.). – Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016. – XVI, 282 S.

ifa-Signatur: 36/160

Hassreden, diskriminierende Aussagen, die Mystifizierung von Kriegshelden oder die religiöse Rechtfertigung von Krieg: wie Medien, die Gesellschaft und Institutionen über kulturelle Vielfalt und Unterschiede sprechen, beeinflusst das Denken und Handeln von Menschen – positiv und negativ. Kommunikation kann Nährboden für Konflikte, Attentate und Übergriffe sein, aber auch Brücken zwischen Kulturen bauen. Der vorliegende Sammelband zeigt die Probleme, die in der Kommunikation über Kultur, Konflikt und Frieden entstehen können, aber auch, wie Kommunikation zu Versöhnung und Konfliktlösung beitragen kann. Aus multidisziplinärer Perspektive werden strukturelle Ursachen politischer, ökonomischer und kultureller Gemeinsamkeiten und Unterschiede dekonstruiert und unkonventionelle interdisziplinäre Bildungsmethoden und Informationsabläufe vorgestellt. Wie beeinflussen kulturelle Begebenheiten, Identität und Ethnizität den Umgang mit Konflikten? Wie (de)konstruieren Bildungsinstitutionen Frieden und Konflikt und welche alternativen Ansätze für das Kommunizieren von Kultur gibt es? Diesen Fragen gehen die Autoren anhand von Beispielen und Fallstudien nach: vom jüdisch-muslimischen Dialogprogramm für weibliche Studierende in Israel bis zum Bildungsprogramm für US-amerikanische Studierende in Nordirland, von der Darstellung indischer Ethnizitäten in Bollywood-Filmen bis zum Dialog über Menschenrechte zwischen China und den USA. (SG)

Evers, Henrike: Bildung durch interkulturelle Begegnung. Eine empirische Studie zum Kontakt von Austauschstudierenden mit deutschen Familien. – Wiesbaden: Springer, 2016. –349 S.. – München, Univ. der Bundeswehr, Diss., 2015

Evers, Henrike: Bildung durch interkulturelle Begegnung. Eine empirische Studie zum Kontakt von Austauschstudierenden mit deutschen Familien. – Wiesbaden: Springer, 2016. –349 S.. – München, Univ. der Bundeswehr, Diss., 2015

ifa-Signatur: 36/249

Rund 30 Prozent der deutschen Studierenden absolvierten 2012 einen Auslandsaufenthalt. Viele sind der Meinung, das Studium im Ausland bringe sie wissenschaftlich voran und öffne Karrierechancen. Aber auch auf die persönliche Entwicklung nehmen die Begegnungen im Ausland Einfluss. Wie verändert sich die Persönlichkeit der Studierenden während eines Auslandsaufenthaltes? Unter welchen Voraussetzungen kommt es zu einem interkulturellen Dialog und welche Bedingungen beeinflussen die Wirkung der Begegnungen? Diese Fragen untersucht die Autorin in ihrer Dissertation mit Hilfe von explorativen Fallstudien anhand von jungen mexikanischen Studierenden an deutschen Hochschulen, die während ihres Auslandssemesters an einem Patenprogramm deutscher Familien teilnehmen. Interkulturelle Kompetenzen versteht die Autorin als Persönlichkeitsprozesse und Handlungskompetenz in interkulturellen Situationen. Sie kommt zu dem Schluss, dass interkulturelle Begegnungen eine große Rolle für die umfangreichen Bildungs- und Lernprozesse während eines Auslandsaufenthaltes spielen. Im Umgang mit Fremden seien die Teilnehmer selbstsicherer geworden und hätten eine relativistische Auffassung von Kultur entwickelt. Vor allem die subjektive Offenheit der Studierenden sei eine notwendige Bedingung für die Bildungsprozesse. Mit ihrer Arbeit will Evers, Beauftragte für Internationales und Erasmus an der Universität Bremen ist, Hinweise für die Betreuung und Ausbildung von ausländischen Studierenden liefern. Das Patenprogramm trage zur Knüpfung von Sozialbeziehungen, zu emotionaler Stabilisierung und zur Öffnung der Studierenden für neue Erfahrungen bei. Die angebotenen Programme sollten den Teilnehmern jedoch keine bestimmte Haltung vermitteln, sondern einen Rahmen zur Reflektion anbieten. (SG)

Weth, Burkard: Die deutsch-britischen Kulturbeziehungen von 1955 – 1975. – Aachen: Shaker, 2016. – 339 S. (Berichte aus der Geschichtswissenschaft)

Weth, Burkard: Die deutsch-britischen Kulturbeziehungen von 1955 – 1975. – Aachen: Shaker, 2016. – 339 S. (Berichte aus der Geschichtswissenschaft)

ifa-Signatur: 36/225

Aktuell werden die Kulturbeziehungen zwischen Großbritannien und den EU-Mitgliedsstaaten im Zeichen des möglichen Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, diskutiert. Kulturschaffende und Universitäten warnen vor den Folgen für die Mobilität von Studierenden und die britische Kunst- und Kulturszene. Der vorliegende Band blickt weiter zurück und analysiert die deutsch-britischen Kulturbeziehungen zwischen 1955 und 1975. Welche Ideologien, Weltbilder und Stereotype haben die jeweilige Außenpolitik geprägt? Welche Rückschläge und Fortschritte haben den deutsch-britischen Kulturdiskurs markiert? Der Autor, ständiger Vertreter des Botschafters in Luanda (Angola), gibt einen Überblick über die wichtigsten Akteure der auswärtigen Kulturpolitik, darunter diplomatische und konsularische Auslandsvertretungen, Mittlerorganisationen und Kulturinstitutionen. Er beschreibt die vielfältigen kulturpolitischen Maßnahmen, angefangen bei Musik- und Ballettveranstaltungen über Filmvorführungen bis hin zu Städtepartnerschaften und Aktivitäten im Bildungsbereich. Teil der deskriptiven Analyse ist eine Sammlung von Medienberichten zu deutsch-britischen Kulturbeziehungen und von Zitaten bedeutender Diplomaten. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Deutschlandbild in der britischen Öffentlichkeit. Der umfassende Anhang des Buches enthält Primärquellentexte, die einen Einblick in den deutsch-britischen Kulturdiskurs der 1950er bis 1970er Jahre bieten. (SG)

A History of UNESCO. Global Actions and Impacts / Poul Duedahl (Hg.). – Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016. – 339 S.

A History of UNESCO. Global Actions and Impacts / Poul Duedahl (Hg.). – Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016. – 339 S.

ifa-Signatur: 36/221

Der Erhalt und Schutz von Kulturgütern in Syrien ist derzeit in Politik und Medien ein Thema. Die UNESCO spielt hierbei eine zentrale Rolle. Gegründet wurde sie vor über 70 Jahren mit dem Ziel, durch kulturellen Dialog zwischen den Völkern die Grundlage für einen weltweiten Frieden zu schaffen. Ihre Projekte und Initiativen sind vielfältig: von Alphabetisierungsprogrammen über die Anerkennung von Biosphärenreservaten bis hin zur Erarbeitung politischer Strategien für den weltweiten Zugang zu neuen Informationstechnologien. Wie wirken Initiativen der UNESCO tatsächlich? Was haben sie in den Köpfen der Menschen verändert? Das sind die Kernfragen des vorliegenden Sammelbandes. Die Wege von der Hauptverwaltung in Paris in die Mitgliedsstaaten, lokale Interventionen und ihr Einfluss auf die Denkweisen und Einstellungen der Menschen stehen dabei im Fokus. Wirkung wird von den Autoren als neutrales Konzept von Veränderung betrachtet; nicht als gut oder schlecht, gewollt oder ungewollt. Zentrale Forschungsfragen für die Wirkungsanalyse sind: Wie werden Ideen und Initiativen in der Praxis aus Paris in die Mitgliedsstaaten übertragen? Wurden die UNESCO-Initiativen überall gleichermaßen umgesetzt? Wie arbeiten lokale UNESCO-Institutionen und auf welche Weise erreichen sie die Bevölkerung? Betrachtet werden unter anderem Informationskanäle wie eigene Publikationen und neue Medien, erste Projekte zum Erhalt des Weltkulturerbes in Iran und Afghanistan sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Friedensmaßnahmen in Schweden, Mexiko und Japan. Die Artikel des Sammelbandes wurden 2015 auf einer Konferenz zum 70-jährigen Jubiläum der UNESCO vorgestellt. (SG)

Graham, Sarah Ellen: Culture and Propaganda. The Progressive Origins of American Public Diplomacy, 1936-1953. – Farnham: Ashgate, 2015. – 275 S.

Graham, Sarah Ellen: Culture and Propaganda. The Progressive Origins of American Public Diplomacy, 1936-1953. – Farnham: Ashgate, 2015. – 275 S.

ifa-Signatur: 35/602

Der Aufbau US-amerikanischer Bibliotheken im Ausland, ein Radioprogramm für die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzten Länder, die Gründung der UNESCO zum kulturellen, erzieherischen Wiederaufbau Europas nach 1945 – der vorliegende Band analysiert die Anfänge der Public Diplomacy der USA: vom ersten Austauschprogramm von Wissenschaftlern mit Lateinamerika 1936 bis zur Etablierung der kulturellen Diplomatie und Informationspolitik in der US-amerikanischen Außenpolitik 1953. Im Fokus: die Ambivalenz zwischen Soft Power und der anfänglichen Skepsis nach den Propaganda-Erfahrungen im Ersten Weltkrieg. "This mixture of historic obligation and moral constraint played a vital role in the ways in which US cultural and informational diplomacy developed before 1953", erklärt die Autorin Sarah Ellen Graham. Die Kontroversen in der Politik und in den öffentlichen Diskussionen spiegelten die politischen Debatten über Kommunikationstechniken, Demokratie und staatliche Macht wider. Wie repräsentierten US-amerikanische Beamte ihre Tätigkeiten im Bereich der Public Diplomacy? Welche politische, kulturelle und ideologische Bedeutung verknüpften sie mit diesen? Wie brachten Diplomaten Public-Diplomacy-Aktionen in Einklang mit der Kritik an Propaganda? Diese Fragen werden für die folgenden drei Bereiche beantwortet: die kulturelle Diplomatie, die Informationsdiplomatie unter anderem mit Blick auf die Kurzwellenradiostation Voice of America sowie die Entstehung und Entwicklung der UNESCO. (SG)

Hagedorn, Anke: Die Deutsche Welle und die Politik. Deutscher Auslandsrundfunk 1953-2013. – Konstanz, ...: UVK Verlagsgesellschaft, 2016. – 554 S. – Konstanz, Univ., Diss., 2015

Hagedorn, Anke: Die Deutsche Welle und die Politik. Deutscher Auslandsrundfunk 1953-2013. – Konstanz, ...: UVK Verlagsgesellschaft, 2016. – 554 S. – Konstanz, Univ., Diss., 2015

ifa-Signatur: 36/127

Im Herbst 2014 erklärte Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle (DW), man müsse "Putins Propaganda Paroli bieten". Einige Monate später eröffnete die DW ein Korrespondentenbüro in Kiew. Im selben Jahr erhielt der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik erstmals eine langfristige Finanzierungsgarantie durch den Bundestag. In der Mediengeschichte von Deutschland nimmt das Verhältnis von Politik und DW eine besondere Position ein: Ansprüche durch die Politik auf der einen, ein neutraler Journalismus auf der anderen Seite – ein Balanceakt für den deutschen Auslandssender. Worin sah die Bundesregierung die Funktion der DW im Verlauf der Geschichte? Hatten politische Ereignisse Einfluss auf Personalentscheidungen? Wie hat sich das Sendeverhalten in außenpolitischen Krisensituationen verändert? Diesen und weiteren Fragen geht Anke Hagedorn, Dozentin für Journalismus und ehemalige Redakteurin für die Deutsche Welle, in ihrer Dissertation nach. Sie untersucht die Entwicklung der DW und ihr Fremd- und Selbstverständnis im historischen Kontext, angefangen bei der Entstehungsgeschichte und der Abgrenzung zur NS-Propaganda über die deutsche Teilung und den Kalten Krieg bis zur Neuordnung nach der Wiedervereinigung. Dazu wertet sie Archivmaterial, in- und ausländische Medien und Interviews mit ehemaligen und aktiven Mitarbeitern des Senders aus. Auch Personen wie der ehemalige DW-Intendant Dieter Weirich kommen zu Wort. Für ihn ist die Deutsche Welle zwar "kein Bauchredner der Regierung", jedoch sei er einer der vielen inoffiziellen Botschafter, "die daran arbeiten, dass Deutschland und seine Sprache ihren gebührenden Platz finden". (SG)

Frankreich und Deutschland – Bilder, Stereotype, Spiegelungen. Wahrnehmungen des Nachbarn in Zeiten der Krise / Claire Demesmay, Christine Pütz, ... (Hgg.). – Baden-Baden: Nomos, 2016. – 244 S. (DGAP-Schriften zur Internationalen Politik)

Frankreich und Deutschland – Bilder, Stereotype, Spiegelungen. Wahrnehmungen des Nachbarn in Zeiten der Krise / Claire Demesmay, Christine Pütz, ... (Hgg.). – Baden-Baden: Nomos, 2016. – 244 S. (DGAP-Schriften zur Internationalen Politik)

ifa-Signatur: 36/185

Angela Merkel, Bier und Berlin: Diese Begriffe verbinden die Franzosen mit Deutschland. Deutsche denken beim Stichwort Frankreich an Paris, den Eiffelturm und Wein. Doch nicht nur im Privaten ist das deutsch-französische Verhältnis von Stereotypen geprägt. Auch in Politik und Medien spielen sie eine Rolle. Vor allem seit der Wirtschafts- und Finanzkrise leben alte Stereotype wieder auf, erklären die Herausgeber des vorliegenden Buches. Wie genau Deutschland und Frankreich den jeweils anderen in Zeiten von Krisen in Europa sehen, welche Bilder die Medien verbreiten und welche Stereotype und Muster die öffentlichen Debatten beherrschen – das sind die zentralen Fragen des Sammelbandes. Zudem gehen die Autoren auf spezielle Themen wie die Frauen- und Mutterrollen, die Energiewende sowie auf Terror und die Flüchtlingskrise ein. Dazu untersuchen sie Medien, Karikaturen und Pressefotos in beiden Ländern und betrachten die Ergebnisse von Meinungsumfragen. Die Beziehung der Nachbarländer werde derzeit insbesondere unter einem wirtschaftlichen Aspekt beleuchtet, erläutern Claire Demesmay und Christine Pütz in ihrem einleitenden Beitrag. Frankreich gelte in Deutschland als schwaches, verschwenderisches und reformunwilliges Land. Deutschland werde im Nachbarland als stark und dynamisch gesehen. Gleichzeitig wachse dort die Sorge vor dem deutschen Einfluss in Europa. Doch obwohl die Krisen in der Europäischen Union Spannungen und Differenzen zwischen den beiden Ländern verstärkt hätten, bleibe das deutsch-französische Verhältnis sowohl politisch als auch gesellschaftlich solide – zumindest einstweilen noch, so Hans Stark in seinem Fazit. (SG)

Global Culture. Consciousness and Connectivity / Roland Robertson, Didem Buhari-Gulmez (eds.). – Farnham, Burlington: Ashgate, 2016. – XII, 218 S. (Global Connetions)

Global Culture. Consciousness and Connectivity / Roland Robertson, Didem Buhari-Gulmez (eds.). – Farnham, Burlington: Ashgate, 2016. – XII, 218 S. (Global Connetions)

ifa-Signatur: 36/10

Klimawandel, günstige Flugreisen und elektronische Kommunikation – dass wir in einer vernetzten Welt leben, ist den meisten Menschen bewusst. Doch welche Rolle spielt Kultur in einer globalisierten Welt? Was charakterisiert eine globale Kultur? Der vorliegende Sammelband diskutiert die Dimensionen von Vernetzung (Connectivity) sowie das Bewusstsein über die globale Welt auf eine neue Art und Weise und untersucht Aspekte globaler Kultur wie Religion, Sport und Wissenschaft. José Casanova bezeichnet in seinem Beitrag die Jesuiten als "Pioniere" der Globalisierung und erforscht ihren Beitrag zu einer Weltgesellschaft. Migrationsströme sind für Peggy Levitt ein zentrales Element der Weltkultur. Sie untersucht, wie die Bewegung von Menschen zur Bewegung von Kultur beiträgt. Die Rolle von Kommunikation und neuen Technologien ist für Roland Robertson mindestens ebenso zentral wie die Beziehung zwischen Homogenisierung und Heterogenisierung. Manfred B. Steger und Paul James fordern, das Konzept der Vernetzung zu überdenken. Sie definieren Globalisierung neu und betonen dabei die Rolle von Beziehungen. Die letzten drei Kapitel des Bandes betrachten drei Regionen, die von zentraler Bedeutung für die Welt als Ganzes waren und sind: China als vielleicht einflussreichstes Land der Welt, Amerika und das Konzept der Amerikanisierung sowie Japan als passiver Empfänger von globalem Kapitalismus und westlicher Kultur. Obwohl es bei dem Thema Globalisierung immer auch um Homogenisierung und Amerikanisierung gehe, sei Globalisierung nicht mit Verwestlichung gleichzusetzen, betonen die Autoren. Der Band leistet einen ausführlichen Überblick über historische, soziologische und ethnologische Ansätze. (SG)

Kozymka, Irena: The Diplomacy of Culture. The Role of UNESCO in Sustaining Cultural Diversity. – New York: Palgrave Macmillan, 2014. – 296 S.

Kozymka, Irena: The Diplomacy of Culture. The Role of UNESCO in Sustaining Cultural Diversity. – New York: Palgrave Macmillan, 2014. – 296 S. – Cambridge, Univ., Diss.

ifa-Signatur: 34/333

"Da Kriege im Geist der Menschheit entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden." So lautet einer der zentralen Sätze in der Verfassung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, kurz UNESCO. Friede könne nur entstehen, wenn die Menschheit lerne, andere Kulturräume und deren Denkmuster zu verstehen. Humanistischen Idealen folgend, setzt sich die UNESCO daher seit ihrer Gründung 1945 vor allem auch für den Erhalt von kulturellem Erbe und damit für die kulturelle Vielfalt ein. Gerade in der Zeit der Globalisierung kommt der UNESCO damit die Aufgabe einer Bewahrerin der kulturellen Vielfalt zu. Wie sich die UNESCO auf Ebene der zwischenstaatlichen Vermittlung für die Kultur einsetzt, hat Irena Kozymka in ihrer Studie "The Diplomacy of Culture" untersucht. Stellvertretend wählte die Autorin fünf Staaten, anhand derer sie fünf Verhältnisse zur UNESCO skizziert: Frankreich steht stellvertretend für eine Industrienation, die sich für die Kulturarbeit der UNESCO engagiert, die USA treten als Skeptiker der UNESCO in Erscheinung. Als Entwicklungsland, das bei der Umsetzung seiner Kulturpolitik Hilfe in Anspruch nimmt, betrachtet die Autorin Kambodscha, Brasilien hingegen vertritt die aufstrebenden Nationen. Als größtes Problem der UNESCO erachtet Kozymka die Tatsache, dass die Strukturen der UNESCO bis heute die Machtverhältnisse der Nachkriegszeit wiedergeben. Die Vorgaben, nach denen die UNESCO agiert, sind stark durch die geldgebenden Nationen, also die westlichen Industriemächte, geprägt. So trifft es die Organisation sehr hart, dass die USA seit der Aufnahme Palästinas im Jahr 2011 ihre Beitragszahlungen ausgesetzt hat. Aufstrebende Wirtschaftsmächte wie Brasilien wollen sich zwar stärker in der UNESCO engagieren, wollen aber gleichzeitig die westliche Vormachtstellung in der UNESCO hinterfragt wissen. Man müsse die UNESCO nicht allein als Mittler zwischen den Staaten begreifen, sondern als eigenständigen Akteur der internationalen Kulturpolitik, schreibt die Autorin resümieren. Denn nur so könne die Organisation ihrem Anspruch einer multikulturellen Weltgesellschaft, die sich für gegenseitige Toleranz und Frieden einsetzt, gerecht werden. (DK)