Ich bin ein ganz normales Mädchen. Ich wohne noch bei meinen Eltern in einer Wohnung, die im Zentrum von Ulan Bator liegt. Mein Bruder studiert in Japan. Ich fahre jeden Morgen mit dem Bus in die Schule. Unterwegs höre ich gern mit Kopfhörern Rockmusik. Meine freie Zeit verbringe ich am liebsten am Computer. Ich mag Computerspiele.
Ich bin noch nicht erwachsen. Erst wenn ich alles alleine entscheiden kann und darf, fühle ich mich als Erwachsene. Jetzt bin ich noch finanziell abhängig von meiner Eltern. Als ich klein war, haben sie im Ausland, in Japan, gelebt. Damals sind mein Bruder und ich bei unserer Oma geblieben. Vor meinem Vater habe ich manchmal Angst. Als ich vergangenen Sommer Gitarre lernen wollte, hat er es mir nicht erlaubt. Er behauptete, das würde mich zu sehr vom Lernen ablenken und ich müsste ja dieses Jahr das Abitur machen. Er ist sehr hart mit mir und schimpft sehr oft. Aber er trinkt nicht.
Ich habe ein Vorbild. Ich will später so werden wie meine Großmutter. Sie ist eine sehr starke und fleißige Frau. Und dann träume ich davon, eine ganz berühmte Designerin zu werden. Ich muss nicht unbedingt jemanden heiraten, um glücklich zu sein. Ich brauche nur ein bisschen Geld, eine eigene Wohnung und ein eigenes Auto. Designerin werden... ja, Mode-Designerin, das wäre toll.
Ich fühle mich oft nicht wohl in meiner Haut. Ich hätte gerne mehr Selbstsicherheit. Bei meinen Freunden habe ich deswegen keine Probleme, aber wenn ich mal etwas nicht schaffe, dann fühle ich mich ganz klein. Auch habe ich Angst davor, wie sich die Welt entwickelt. Vielleicht werden Entwicklungsländer wie die Mongolei in zehn Jahren von anderen großen Nationen besetzt werden. Wir haben alle gesehen, was George W. Bush gemacht hat.
Einmal habe ich mir mit einem Messer in die Hand geschnitten. Ich war sehr wütend, weil mir niemand glaubte und zuhörte. Das war vielleicht das Verrückteste, das ich je gemacht habe. Wenn ich so aufgebracht bin, wäre ich am Liebsten an den Ufern des Chöwsgöl Nuur. Der See im Nordwesten der Mongolei ist der schönste Ort, an dem ich je gewesen bin. Wenn ich das klare Wasser des Chöwsgöl Nuur sehe, dann vergesse ich meine Probleme und beruhige mich. Ja, ich glaube ich muss gar nicht so weit in die Welt hinaus fahren. In einem großen Haus an dem See zu leben, wäre doch am besten.
Protokolliert und aus dem Mongolischen von Undarmaa Ganbold




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