Der Präsident ist mir fremd

Altangerel Bayarsaikhan
Altangerel Bayarsaikhan aus der Mongolei über politische Unruhen, junge Pferde und Staus in der Stadt
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Meine Familie liegt mir sehr am Herzen. Ich erzähle gerne von ihnen: Ich habe eine große Schwester und einen großen Bruder. In der Familie bin ich der Jüngste. Meine Schwester studiert Medizin und mein Bruder Wirtschaft in Singapur. Mein Vater ist Geschäftsmann und meine Mutter Hausfrau. Ich wohne allerdings gar nicht bei meinen Eltern, sondern bei meiner Großmutter, weil sie sonst ganz allein leben würde. Sie ist für ihr Alter zwar noch sehr rüstig, aber ich bin gerne bei ihr und helfe ihr im Haushalt und beim Einkauf. Mein Großvater ist nie zuhause. Er lebt als Nomade in der Steppe. Bei ihm habe ich einmal im Sommer ein junges Pferd eingeritten. Das war sehr schwer, aber auch interessant. Ich bin vor kurzem Onkel geworden. Auf meinen Neffen passe ich gerne auf und manchmal wasche ich auch die Windeln. Das Wohlergehen meiner Familie ist mir sehr wichtig. Ich versuche, so oft wie möglich Zeit mit ihr zu verbringen.

Sport nimmt auch einen bedeutenden Teil meines Lebens ein. Nachmittags, nach der Schule, gehe ich ins Judotraining. Ich interessiere mich sehr für Kampfsportarten wie Judo und den mongolischen Ringkampf. Meine meisten Freunde sind schon Studenten. Ich habe sie alle bei meinem Judotraining kennengelernt. Ich finde den Sumô-Ringer Asasheryo D. Dagwadorj echt klasse. Er ist mein Vorbild. Ich will unbedingt Sportler werden. Als Sportler möchte ich aber nicht nur in der Mongolei, sondern weltweit berühmt sein. Oder ich werde Polizist. Dann tue ich etwas für die Sicherheit. In Ulan Bator habe ich manchmal Angst, die Straße zu überqueren, denn nicht alle Autofahrer in Ulan Bator können gut Auto fahren. Das nervt mich und mich nerven die Staus in der Stadt.

Ich interessiere mich auch sehr für Politik. Seit dem 1. Juli 2008 noch mehr. Da gab es nach den Parlamentschaftswahlen blutige Unruhen. Ich finde es einfach sehr ungerecht, dass viele Jugendliche in meinem Alter verhaftet wurden. Deshalb sind mir die Politiker, allen voran der mongolische Präsident, wirklich sehr fremd.

Der schönste Ort, den ich je besucht habe, war das Weltenergiezentrum in der Wüste Gobi. Ich will aber noch mehr Orte kennen lernen. Nach der Schule würde ich gern eine Zeitlang irgendwo in Europa leben. Oder wenigstens eine Reise dorthin machen, jetzt wo die Welt zusammenwächst.

Protokolliert und aus dem Mongolischen von Khaliunaa Erdenbaatar

Altangerel Bayarsaikhan

Altangerel Bayarsaikhan, geboren 1991 in Ulan Bator (mongolisch: Ulaanbaatar), Hauptstadt der Mongolei, geht noch zur Schule. Sein Großvater ist ein Nomade.

Lieblingssong: die Lieder des mongolischen Popsängers Bold ++ Lieblingsfilme: Ich mag eigentlich nur Abenteuerfilme, wie „Indiana Jones“ ++ Lieblingscomputerspiel: „Dota“ und „Counter-Strike“ +++ Lieblingsbuch: „ Nicht erdachte Wunder“ ++ Lieblingsessen: Buuz, Teigtaschen mit Hackfleischfüllung ++ Lieblings-TV-Programm: „Ich“, eine Sendung, in der ein Kamerateam einen Promi einen Tag lang überallhin begleitet ++ Lieblingssport: Judo.

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