Foto: Paul Hahn

Uns verbindet eine geistige Wahlverwandtschaft

Wie Journalismus und interkultureller Dialog Friedensarbeit leisten können und welche Rolle dabei die Partnerschaft mit dem ifa spielt. Rosa Gosch im Gespräch mit Michael Gleich, dem Initiator des Projekts Peace Counts

Herr Gleich, wie macht man eigentlich Frieden?

Vor 14 Jahren habe ich mit genau dieser Frage Peace Counts initiiert. Es ist ein journalistisch-friedenspädagogisches Projekt, das so auf der Welt einmalig ist. Angefangen hat es als Medienprojekt, mit Reportagen über erfolgreiche Friedensmacher weltweit. Schnell haben wir aber gemerkt, dass Schüler mit journalistischen Formaten auch im Unterricht lernen können, wie Friedensprozesse ablaufen. Die Texte und Fotos unserer Berichte verwenden wir heute unter anderem für Ausstellungen und Workshops und zeigen in Krisenregionen und in Deutschland, welche Lösungen weltweit für welche Konflikte gefunden werden. Das Spektrum umfasstbeispielsweise Versöhnungs- und Wahrheitskommissionen, Täter-Opfer-Ausgleich, interreligiöseDialoge, Traumaheilung oder die Wiedereingliederung von Kindersoldaten in die Gesellschaft. Wir veranstalten zu diesen Aspekten friedenspädagogische Seminare und Journalistentrainings.

Wie genau sieht Ihre Arbeit aus?

Wir betreiben und lehren "konstruktiven Journalismus". Wir berichten über Konflikte und soziale Probleme und konzentrieren uns dabei auf Lösungen und Erfolge. Die Reportagen von Peace Counts stammen mittlerweile aus über 50 Konfliktregionen und sind in großen deutschen Medien erschienen. Unsere Partner, die Friedenspädagogen der Berghof Foundation, richten Lernzirkel für Schüler aus und stellen Unterrichtsmaterial für Lehrer zur Verfügung.

Das ifa kooperiert mit Peace Counts seit dessen Gründung. Was zeichnet diese Zusammenarbeit aus?

Uns verbindet eine geistige Wahlverwandtschaft, denn es geht uns beiden um den interkulturellenDialog. In unseren Reportagen dokumentieren wir, welche sozialen Erfindungen Friedensprozesse voranbringen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen in Trainings für Journalisten in Konfliktregionen ein. In Ländern wie Sri Lanka, Elfenbeinküste und Kolumbien haben wir bereits mit Seminaren für das Konzept eines konstruktiven Journalismus geworben, der seinen Fokus auf Lösungen für soziale Probleme richtet. Das ifa-Förderprogramm "zivik - Zivile Konfliktbearbeitung"unterstützt uns dabei finanziell. Peace Counts und das ifa haben den gleichen Willen, dieses dicke Brett "Frieden" gemeinsam zu bohren. Zuletzt hat sich das bei "Studio Mozaik", einerRadioschule für Friedensjournalisten in der Elfenbeinküste, gezeigt.

Warum ist dieses Projekt besonders?

In der Elfenbeinküste gibt es wenig Qualitätsjournalismus, von "konstruktivem Journalismus"ganz zu schweigen. Zusammen mit der Europäischen Union hat das ifa den Aufbau von "Studio Mozaik" unterstützt. Dort bilden wir 40 Journalisten pro Jahr aus und produzieren Programme, die die Versöhnungsprozesse im Land unterstützen. Auf lange Sicht wollen wir den ersten politisch unabhängigen Radiosender in der Elfenbeinküste schaffen.

Was erwarten Sie für die Zukunft Ihrer Kooperation mit dem ifa?

Der Draht zwischen dem ifa und uns besteht ja nicht nur durch die finanzielle Förderung. Als ich zuletzt den Global Peacebuilder Summit plante, zu dem sich im September 2016 Friedensstifter aus der ganzen Welt in Berlin trafen, habe ich mich natürlich mit "zivik" ausgetauscht: Wer sind die besten Protagonisten, die wir einladen sollten? Auch bei den nächsten Friedensgipfeln 2017 und 2018 werden wir im engen Kontakt stehen. Ich bin sicher: wirwerden immer wieder neue Projekte finden, mit denen wir gemeinsam Friedensprozesse voranbringen können.

Michael Gleich ist Journalist, Buchautor und Initiator zahlreicher Medienprojekte. Seine Reportagensind unter anderem in "GEO", "Stern" und im "Zeit"-Magazin erschienen. 2002 initiierte er Peace Counts, einmultimediales Projekt über erfolgreiche Friedensmacher weltweit. Seit 2016 organisiert er den GlobalPeacebuilders Summit, einen Friedensgipfel für Vertreter der Zivilgesellschaft.

Rosa Gosch ist Journalistin und lebt in Berlin.


WEITERFÜHRENDE THEMEN

Geschichten, Perspektiven, Beziehungen – 100 Jahre ifa

Die Jubiläumspublikation gibt einen Einblick in die Geschichte der Organisation und erklärt, wofür sie heute steht: für friedlichen Austausch und kulturelle Begegnung.  [+]


© Jason Rosewell

7 Städte – 7 Geschichten: Die CrossCulture Tour 2017

Von April bis Oktober 2017 touren sieben ehemalige Stipendiaten des CrossCulture Programms mit ihren Projekten durch Deutschland.  [+]


Foto: Scott Webb via unplash

Online-Magazin "Kulturen des Wir"

2017 beschäftigt sich das ifa mit dem Thema "Kulturen des Wir" und behandelt dabei aktuelle Fragestellungen von Gemeinschaft, Vielfalt und Frieden. [+]