Austausch zwischen Deutschland und Osteuropa: 1985 sind ungarische Denkmalpfleger zu Besuch in Passau. Foto: ifa-Archiv

"Meine Arbeit beim ifa gehört zu den großen Glücksfällen in meinem Leben"

Von 1977 bis 2002 war Ursula Schebur unter anderem als Abteilungssekretärin, Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit auf Auslandsmessen und Mitwirkende an den “Kulturellen Förderprogrammen für Deutsche Minderheiten“ beim ifa tätig. Ihre Tätigkeit führte sie auch ins Ausland, unter anderem nach Polen, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, in die ehemalige UdSSR oder Tschechoslowakei.

Frau Schebur, Sie haben eine abwechslungsreiche Laufbahn hinter sich. Welche Ihrer Aufgaben empfanden Sie als besonders bereichernd?

Die Auslandseinsätze während meiner Zeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit – das waren jedes Mal die Höhepunkte. 1985 begann ich 3-4 Mal im Jahr bei den Auslandsmessen im ehemaligen "Ostblock" mitzuwirken. Mit Informationsständen vertraten wir dort die Bundesrepublik im Auftrag des Bundespresseamtes. Ich fand es damals sehr wichtig, während der Zeit des “Eisernen Vorhangs“, über die Bundesrepublik zu informieren, gerade weil im "Ostblock" nur wenig über die BRD berichtet wurde.

Die Beziehung zwischen Ost und West war zu dieser Zeit sehr konfliktgeladen. Haben sich die Anspannungen auf Ihre Arbeit im Ausland ausgewirkt?

Bei unseren Einsätzen in Russland haben wir den Ost-West-Konflikt zu spüren bekommen. Wir durften beispielsweise keine Informationsmaterialien und Bücher mitnehmen, die die Mauer zeigten oder erwähnten. Alle Broschüren wurden kontrolliert. Wenn die Mauer abgebildet war, wurden sie zurückgehalten. Mich hat damals sehr erstaunt, dass Leute, denen ich in Moskau begegnet bin, nicht wussten, dass es zwischen Ost- und Westdeutschland eine Mauer gibt.

Ab 1991 waren Sie für die Abteilung “Kulturelle Förderprogramme für Deutsche Minderheiten“ in Osteuropa tätig. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das war eine Arbeit, die mich sehr viel Herzblut gekostet hat. Wir haben im Rahmen des Programmes die deutschen Schulen und Kindergärten im Ausland betreut und so zum Beispiel im Auftrag des Auswärtigen Amtes Materialien an Schulen geliefert. Wir standen  in engem Austausch mit den dortigen Lehrkräften. Dabei war vor allem interessant zu sehen, wie die Bücher im Unterricht eingesetzt und welches pädagogische Konzept  in den Kindergärten und Schulen angewandt wurde. Ich besuchte auch die Einrichtungen vor Ort. Ein Erlebnis ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Es war an einer Schule in Polen. Die Kinder haben dort Deutsch gelernt und  mir bei jedem Besuch das Lied “Kommt ein Vogel geflogen…“ vorgesungen. Das hat mich berührt.

Was haben Sie aus Ihrer Auslandsarbeit mitgenommen?

Besonders sind mir die persönlichen Begegnungen im Gedächtnis geblieben. Die Menschen habe ich während meiner Auslandsdienstreisen als sehr freundlich und aufgeschlossen erlebt. Ich war in Russland mehrere Male im Theater, in der Oper und bei Lesungen. Es war ein Erlebnis zu sehen, wie viele Menschen dort ganz selbstverständlich ins Theater gehen. Das Interesse an kulturellen Programmen schien dort damals viel größer zu sein als bei uns. So habe ich es zumindest empfunden.

Wenn Sie an Ihre Tätigkeit beim ifa zurückdenken – Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Zusammenarbeit und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich teilweise immer noch freundschaftlich verbunden bin. Ich habe in einer  Abteilung gearbeitet, die sehr familiär war. Zu meiner Verabschiedung organisierte ich ein großes Fest und lud alle Kollegen ein. Ich glaube, es waren etwa 60 Leute da. Drei Tage lang habe ich gekocht, gebacken und dann alle bewirtet. Es wurde auch eine Abschiedsrede gehalten, die mich heute noch beeindruckt: “Uns verlässt keine Mitarbeiterin, sondern eine Institution.“ Das fand ich so toll, ich war richtig geschmeichelt.

Was möchten Sie dem ifa anlässlich seines Jubiläums mit auf den Weg geben?

Ich wünsche dem ifa, dass es weiterhin so gute Arbeit leistet und es viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt, die dort auch so gerne arbeiten, wie ich es getan habe. Mittlerweile bin ich in Rente, aber ich kann auch jetzt noch sagen: Meine Arbeit beim ifa gehörte zu den großen Glücksfällen in meinem Leben. Ich habe mich dort immer wohl gefühlt, dafür bin ich dem ifa dankbar.

Das Gespräch führte Lara Grundemann.