Dadbeh Bassir: Ohne Titel (Tehran Series), Polyptychon, Leuchtkasten, 2005–2014; © Dadbeh Bassir, mit Genehmigung des Künstlers; Aaran Gallery (Teheran) & La Caja Blanca (Palma de Mallorca)
Dadbeh Bassir: Ohne Titel (Tehran Series), Polyptychon, Leuchtkasten, 2005–2014; © Dadbeh Bassir, mit Genehmigung des Künstlers; Aaran Gallery (Teheran) & La Caja Blanca (Palma de Mallorca)

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu – Das ifa 1997-2017

Das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) war bis in die 1990-er Jahre eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Am 26. August 1997 wurde das Institut in die Rechtsform eines Vereins überführt und eine neue Satzung trat in Kraft. Damit einhergehend wurde die Organisation des Hauses durch schlankere Gremien und klare Verantwortlichkeiten diesen neuen Anforderungen angepasst.

Von Udo M. Metzinger

Als neuer Präsident konnte im Januar 1998 Alois Graf von Waldburg-Zeil sein Amt antreten. Kurt-Jürgen Maaß, der im Juni desselben Jahres neuer Generalsekretär wurde, überführte durch eine weitere Umstrukturierung und eine Aufgliederung der verschiedenen Programmbereiche in Referate das ifa in die heutige Struktur mit seinen vier Abteilungen (Kunst, Dialoge, Medien, Verwaltung). Im September 2006 wurde Ursula Seiler-Albring als neue ifa-Präsidentin ins Amt eingeführt.
Natürlich ist die Finanzkrise der letzten Jahre nicht spurlos am Institut vorübergegangen. Stellenkürzungen durch Einsparungen bei den Zuwendungen der Bundesregierung konnten nicht vermieden werden. Die ifa-Galerie Bonn musste im Sommer 2004 ihre Pforten schließen. Gleichzeitig hat die Summe der Projektmittel zugenommen, nicht zuletzt durch die verstärkte Einwerbung von Drittmitteln. Je punktueller und je projektbezogener heute Gelder fließen, umso wichtiger ist es, ein stringentes inhaltliches Konzept zu haben. In dieser Hinsicht scheint das ifa seine Hausaufgaben gemacht zu haben.

CrossCulture Programm: Stipendiatinnen beim Workshop; Foto: ifa / Kuhnle
CrossCulture Programm: Stipendiatinnen beim Workshop; Foto: ifa / Kuhnle
15. Stuttgarter Schlossgespräch. Brasilien – Europa: Eine Beziehung auf Augenhöhe? Foto: bopicture, Björn Hänssler
15. Stuttgarter Schlossgespräch. Brasilien – Europa: Eine Beziehung auf Augenhöhe? Foto: bopicture, Björn Hänssler

Neue Programmlinien und Netzwerkaufbau

Blickt man auf die letzten Jahre zurück, so fallen zunächst die verstärkten Anstrengungen im Kulturdialog auf, angefangen auf lokaler Ebene durch die Einrichtung des "Initiativkreises Interkulturelle Stadt Stuttgart", über die Initiierung des "CrossCulture Programmes" bis hin zum Ausbau des europäisch-islamischen Dialogs – vor allem nach den Ereignissen des 11. September 2001 – durch Mediendialoge, Tagungen und Expertenstudien. Die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten des Instituts in Südosteuropa gehören ebenfalls dazu, denn Kulturpolitik ist heute auch zu einem Mittel der Krisenprävention geworden. Ebenso hat die Kunst ihren festen Platz im Kulturdialog, kann sie doch Sprachbarrieren und Kulturschranken leichter überwinden. Das ifa ist die führende deutsche Institution im weltweiten Kunstaustausch.

Daneben wurde die Sichtbarkeit des Instituts im außenpolitischen Gefüge Deutschlands verbessert: durch Netzwerkauf- und -ausbau; durch verstärkte Kooperation mit den europäischen Partnern; durch die Weiterentwicklung der Zeitschrift für Kulturaustausch, deren Redaktion im April des Jahres 2000 nach Berlin umzog und die mit der Ausgabe 01/06 sogar den Gang an den Kiosk wagte; durch die Einrichtung des von 1999-2015 jährlich stattfindenden Stuttgarter Schlossgesprächs; durch den verstärkten Einsatz neuer Medien, vor allem auch durch Informationsdienstleistungen.

Kompetenzzentrum für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik

European Commemoration. Locating World War I / Edgar Wolfrum, ... (Hgg.). – Stuttgart: ifa, 2016. – 244 S. – (ifa-Edition Kultur und Außenpolitik)
European Commemoration. Locating
World War I. – Stuttgart: ifa, 2016.
(ifa-Edition Kultur und Außenpolitik)

Die Gründung der Alexander Rave-Stiftung im Haus, der Aufbau des Wissenschaftlichen Initiativkreis Kultur und Außenpolitik (WIKA), die Publikation des Handbuchs "Kultur und Außenpolitik", die Einrichtung der Strategiegruppe Kultur und Entwicklung, die Organisation von Konferenzen und anderes mehr haben dazu beigetragen, dass das ifa verstärkt auch als kleiner "Think Tank" der Auswärtigen Kulturpolitik wahrgenommen wird; ein Ausdruck, den man gelegentlich auch auf den Fluren des Auswärtigen Amtes hören soll. Und wenn – wie gerade wieder einmal – über die Zukunft der "Dritten Säule" der Außenpolitik debattiert wird, dann kann das Institut wichtige Anstöße und Anregungen geben.

Die AKBP hat in den vergangenen Jahren einen überfälligen Aufschwung erlebt. Fast alle Kulturinstitutionen konnten stabilere Strukturen entwickeln. Und haben nicht die letzten Jahre gezeigt, welche Bedeutung die Themen des ifa haben? In einer Welt, die wie Frank-Walter Steinmeier immer wieder sagt, "aus den Fugen geraten ist", in der innen- und außenpolitische Entwicklungen kaum mehr voneinander zu trennen sind, in der Fragen der Identität und Kultur wieder heftig diskutiert werden, in einer solchen Welt erscheint das ifa unentbehrlicher denn je. Und so reagierte das ifa mit vielfältigen Förderprogrammen auf die sich verändernde politische Lage.

Weiterentwicklung der Förderprogramme

Für das zentrale Thema der heutigen Zeit, "Flucht und Migration", wurde ein neues Modul im Rahmen des "CrossCulture Programms" (CCP) entwickelt, das sich an Mitarbeiter in Nichtregierungsorganisationen, Behörden und Organisationen im Bereich Flüchtlingsarbeit und Migration in den Ländern Irak, Jordanien, Libanon, Marokko, Tunesien, Türkei und Deutschland richtet. Mit dem Förderprogramm "Humanitäre Hilfe" bietet das ifa Beratung für Organisationen an, die bei Naturkatastrophen, Krisen und Konflikte im In- und Ausland helfen. Auch haben sich in den letzten Jahren neue Formen der (politischen) Kommunikation, wie z. B. Fake News oder Hybride Kriegsführung, etabliert – mit all den Unbekannten, die es zu beachten gilt. Hier setzt "Mind_Netz" an. Das Programm kuratiert und verbreitet deutschsprachige Inhalte aus Medien der deutschen Minderheiten – aus dem östlichen Europa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten – über Facebook, VKontakte, Twitter und YouTube.

Mit der Gründung der ifa Akademie im Jahr 2016, die mit einem Team von über 80 Lehrkräften sowie Beraterinnen und Beratern Deutschkurse, Seminare und Trainings für eine qualifizierte Fort- und Weiterbildung zu aktuellen Themen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik anbietet, wurde ein weiterer neuer Weg eingeschlagen. Die ifa Akademie arbeitet im Netzwerk von EUNIC, dem Verband nationaler Kulturinstitute in der Europäischen Union, kooperiert mit der Akademie des Auswärtigen Amts in Berlin, dem Bereich Dialog und Forschung "Kultur und Außenpolitik" des ifa sowie wissenschaftlichen Einrichtungen, darunter die Universitäten von Edinburgh, Siena und Krems.

"Welches Europa wollen wir?", AP live im Kammertheater Stuttgart; Foto: ifa / Möhrle
"Welches Europa wollen wir?", Zuschauer im Kammertheater Stuttgart, 2017; Foto: ifa / Möhrle

"Welches Europa wollen wir?" fragte das ifa im Frühjahr 2017 in der Reihe "Außenpolitik live – Diplomaten im Dialog". Im Stuttgarter Kammertheater diskutierte Jens Plötner, ehemaliger Büroleiter des Außenministers Dr. Frank-Walter Steinmeier mit Bürgerinnen und Bürger darüber, ob Europa nur ein wirtschaftliches Zweckbündnis ist oder ob viel mehr dahinter steckt. Carla Sappok, Programmchefin des SWR1 Rheinland Pfalz, moderierte das Gespräch.

Doch auch die Formate der "klassischen" AKBP kamen in den letzten Jahren nicht zu kurz. Mit vielen Tourneeausstellungen, Konferenzen, dem Forschungsprogramm "Kultur und Außenpolitik", dem Vortragsprogram der Bundesregierung, das seit 1995 vom ifa umgesetzt wird, der Fachbibliothek für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, der Zeitschrift Kulturaustausch und zahlreichen Publikationen stellt sich das ifa den Herausforderungen einer globalisierten Welt; denn: Neue Medien und virtuelle Lebenswelten beschleunigen Kommunikation und Austausch, schaffen neue Identitätsmuster; Migration ist nicht nur eine Herausforderung, sie schafft auch neue kulturelle Räume. Die Gleichung, dass ein Staat eine Kultur verkörpere, ist längst von der Realität überholt – auch wenn einige das nicht wahrhaben wollen. Das Arbeiten in internationalen Netzwerken, wie beim europäischen Beispiel EUNIC, bedeutet Kooperationen und die Einbindung in globale Kulturdiskurse zu suchen; das Prinzip des Dialogs meint nicht nur partnerschaftliche Zusammenarbeit, sondern ebenso die Bereitschaft zur eigenen Veränderung. Das ifa ist bereit.

 

Udo. M. Metzinger arbeitet als Dozent und Autor unter anderem im „Netzwerk Politische Bildung“ in der Bundeswehr, an der Universität der Bundeswehr München, für das Bundesamt des Zivildienstes sowie an den Volkshochschulen Leipzig und München.

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