Die ifa-Mitarbeiter in den 1970-er Jahren; Foto: ifa-Archiv, Fellbach
Die ifa-Mitarbeiter in den 1970-er Jahren; Foto: ifa-Archiv, Fellbach

Das Institut für Auslandsbeziehungen 1951-1996

Durch einen Erlass der württembergisch-badischen Regierung vom 5. Juli 1949 wurde die Neugründung des "Instituts für Auslandsbeziehungen" (ifa) als öffentlich-rechtliche Körperschaft mit gemeinnützigem Charakter beschlossen. Der offizielle Beginn der Arbeit in den wiederhergestellten Räumlichkeiten erfolgte 1951.

Von Udo M. Metzinger

Doch musste das ifa erst seinen Platz im politischen Betrieb der jungen Republik finden. Die Prämisse der Bonner Politik war es, sich international als verlässlicher demokratischer Staat zu erweisen und die Vorbehalte im Ausland als Folge des Zweiten Weltkriegs langsam abzubauen. Praktische Kulturarbeit war einer der Schlüssel hierzu. Das Stuttgarter Institut begann als eine der sogenannten Mittlerorganisationen auf verschiedenen Feldern Auswärtiger Kulturpolitik tätig zu werden: Der Ausstellungsdienst organisierte erste Ausstellungen bildender Kunst für das In- und Ausland; in den Regionalreferaten wurden die Beziehungen zu Nord- und Südamerika, zu Osteuropa und zu den Transformationsländern gepflegt; Seminare informierten Ausländer über Deutschland, deutsche Fachkräfte wurden auf ihre Arbeit im Ausland vorbereitet; die ersten Deutschkurse für Ausländer wurden angeboten; die Bibliothek wurde zu einer der größten auslandskundlichen Fachbibliotheken im deutschsprachigen Raum ausgebaut; mit den "Mitteilungen" – seit 1962 "Zeitschrift für Kulturaustausch" und seit 2006 "Kulturaustausch. Zeitschrift für internationale Perspektiven" – entstand ein Forum für die wissenschaftliche und publizistische Begleitung der Auswärtigen Kulturpolitik.

Gründung der Galerien

Im Mai 1971 öffnete in Stuttgart das "Forum für Kulturaustausch" seine Pforten (heute ifa-Galerie Stuttgart). Das Institut verfügte damit (wieder) über Ausstellungsräume im eigenen Haus. Die erste Ausstellung hieß "Makonde – eine ostafrikanische Dokumentation", und die Besucher konnten seitdem vor allem eines tun: andere Kulturen entdecken und den eigenen Horizont erweitern. Im Jahre 1980 nahm die ifa-Galerie Bonn ihre Arbeit auf. Die Vermittlung von Ausstellungen deutscher Kunst ins Ausland ging Anfang der siebziger Jahre in die alleinige Verantwortung des ifa über. 

Anthony Balthazar Nyaki, Botschafter der Republik Tansania, bei der Eröffnung der Makonde-Ausstellung im Stuttgarter Forum für Kulturaustausch am 15. Mai 1971; Foto: ifa-Archiv, Fellbach
Anthony Balthazar Nyaki, Botschafter der Republik Tansania, bei der Eröffnung der Makonde-Ausstellung im Stuttgarter Forum für Kulturaustausch am 15. Mai 1971
Eröffnung der Makonde-Ausstellung, Stuttgart, 1971; Foto: ifa-Archiv, Fellbach
Eröffnung der Makonde-Ausstellung, Stuttgart, 1971; Fotos: ifa-Archiv, Fellbach

Erster Vorstandsvorsitzender des Instituts wurde 1951 der Tübinger Professor Walter Erbe, Franz Thierfelder erster Generalsekretär. Beide verstanden – trotz gewisser Differenzen – das Wirken des Instituts als "kulturelle Zweibahnstraße". Michael Rehs, der ab 1960 als Generalsekretär das Haus leitete, fügte dem noch die Definition "Dialog gleicher Partner" als Basis für die Arbeit hinzu. Das ifa entwickelte in dieser Zeit neue Formen internationaler kultureller Zusammenarbeit auf den Gebieten Ausstellungsaustausch, Bibliothek und Dokumentation und wurde ein anerkannter Partner in einem stetig wachsenden System des internationalen Kulturaustausches. Dem Vorstandsvorsitzenden Walter Erbe folgte 1968 nach dessen Tod der Jurist und Minister a. D. Adalbert Seifriz im Amt. 1978 übernahm dann Wilhelm Hahn, Kultusminister des Landes Baden-Württemberg a. D. und ehemaliger Rektor der Universität Heidelberg, die Geschicke des Instituts, das er bis 1992 leiten sollte. Die Zeitenwende 1989/90 erwies sich in vielfacher Hinsicht als einschneidend für das ifa: Nach dem plötzlichen Tod von Michael Rehs im Dezember 1989 wurde Klaus Daweke im Frühjahr 1990 neuer Generalsekretär des Instituts, dem zu dieser Zeit zahlreiche neue Aufgaben, aber auch manche Schwierigkeiten zuwuchsen.

Ausstellung "Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland", ifa-Galerie Bonn; Foto: ifa-Archiv, Fellbach
Als eine der ersten Ausstellung war "Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland" in der neu eröffneten Galerie in Bonn zu sehen. Hildegard Hamm-Brücher, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, mit Getrud Kuhn, Leiterin der ifa-Bibliothek, am 21. Mai 1980; Foto: ifa-Archiv, Fellbach

Neue Aufgaben nach der Wende

5 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion – 1996 fragt die "Zeitschrift für Kulturaustausch" nach dem Status Quo der Kulturbeziehungen mit Mittel- und Osteuropa
5 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion
– 1996 fragt die "Zeitschrift für
Kulturaustausch" nach dem Status Quo
der Kulturbeziehungen mit Mittel- und
Osteuropa

Gleichsam als Hinterlassenschaft der DDR fiel dem ifa der Ausstellungsdienst Berlin zu. Unter der neuen Ägide widmete sich dieser jetzt besonders der Arbeit in den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas. Im Zuge der Vereinigung wurden die Aktivitäten des ifa auch auf die neuen Länder ausgedehnt. 1991 konnte die ifa-Galerie Berlin eröffnet werden. Die neuen Aufgaben erforderten eine veränderte Arbeitsstruktur – drei Facharbeitsgruppen (Ausstellungen, Veranstaltungen, Medienarbeit) wurden gegründet. Doch alle Bemühungen, das Institut fit für die neue Zeit zu machen, gingen unter im (Presse-)Wirbel um die Person des Generalsekretärs, dem u. a. Begünstigung im Amt vorgeworfen wurde. Das ifa erlebte eine krisenhafte Zeit. Im September 1996 wurde Klaus Daweke vom Amt suspendiert. Der 1992 gewählte Vorstandsvorsitzende Paul Harro Piazolo, Staatssekretär a. D. und ehemaliger Leiter der Villa Vigoni, schied 1996 aus dem Amt. Ihm folgte in der Übergangszeit der Umwandlung des ifa in einen Verein der Hohenheimer Rektor Prof. Erwin Reisch. Unter dem 1996-1998 amtierenden Generalsekretär Udo Rossbach und dem Gründungspräsidenten Bernt Graf zu Dohna nutzte das ifa die Gelegenheit zur Reflexion, zur Konzentration auf neue Inhalte und zu organisatorischen Veränderungen. Man war sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass durch die fortschreitende Globalisierung, die Systemum¬brüche und -einbrüche in Ost- und dann vor allem in Südosteuropa und durch das neue kulturelle Selbstbewusstsein in vielen Regionen der Welt der internationale Kulturdialog immer mehr an Bedeutung gewinnen würde – auch als Gegenmodell zu dem von Samuel P. Huntington heraufbeschworenen "Kampf der Kulturen", der nun in aller Munde war.

Udo. M. Metzinger arbeitet als Dozent und Autor unter anderem im „Netzwerk Politische Bildung“ in der Bundeswehr, an der Universität der Bundeswehr München, für das Bundesamt des Zivildienstes sowie an den Volkshochschulen Leipzig und München.

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