Umzug zum Tag der Arbeit vor dem Hotel Silber (Zentrale der Gestapo für Württemberg) und dem DAI in der Dorotheenstraße, 1. Mai 1933 © Stadtarchiv Stuttgart
Umzug zum Tag der Arbeit vor dem Hotel Silber (Zentrale der Gestapo für Württemberg) und dem DAI in der Dorotheenstraße, 1. Mai 1933 © Stadtarchiv Stuttgart

Das Deutsche Ausland-Institut 1933-1945

Heute mag das überraschen, doch noch in den 1960er Jahren verkündete der damalige Generalsekretär Michael Rehs, über die Vorläuferorganisation seines Instituts: "Das Deutsche Ausland-Institut war niemals gleichgeschaltet." Allen Tatsachen zum Trotz hatte sich nach 1945 die Überzeugung durchgesetzt, das DAI habe sich während des "Dritten Reichs" nichts zu Schulden kommen lassen. Erst als 1964 das DAI betreffende Unterlagen aus den USA den Weg in bundesdeutsche Archive fanden, geriet das Bild eines politisch neutralen Instituts ins Wanken, und schließlich räumte Ernst Ritter 1976 in seiner Dissertation endgültig damit auf.

Von Katja Gesche

Die nationalsozialistische "Machtergreifung" bedeutete für das Deutsche Ausland-Institut (DAI) eine einschneidende Zäsur. Nicht nur kam es zu einem Führungswechsel, sondern das DAI nahm auch den Konkurrenzkampf mit neuen Institutionen wie der Auslandsorganisation der NSDAP auf, wobei es sich schon nach einer kurzen Orientierungsphase erstaunlich gut behauptete. Hatte das Institut zuvor vor allem Ausstellungen organisiert und Ausreisewillige beraten, so verlegte es nach 1933 seine Aktivitäten auf eine direkte Kontaktpflege mit Auslandsdeutschen. Offizielles Ziel war, wie in der 1934 aufgelegten Broschüre "Neue Aufgaben des Deutschen Ausland-Instituts" beschrieben, die "Erziehung der Auslandsdeutschen im Sinne einer einheitlichen deutschen Weltanschauung, gleichsam zu Soldaten des Dritten Reichs".

Diesen markigen Worten war die Gleichschaltung des DAI vorausgegangen: Am 7. März 1933 hatte die SA das Haus des Deutschtums, den Sitz des DAI, besetzt und die Hakenkreuzflagge gehisst. Der bisherige Generalsekretär Fritz Wertheimer wurde, weil er Jude war, am Eintreten gehindert und "beurlaubt". 1938 emigrierte er nach Brasilien. Auch Gründer und Vorstandsvorsitzender Theodor Wanner wurde aus dem Amt gedrängt. Die Abteilungsleiter blieben dagegen unbehelligt.

Gleichschaltung und Aufstieg des DAI

Eine Kommission, besetzt mit lokalen Vertretern aus Politik und Wissenschaft, sollte Nachfolger für diese bewährten Führungskräfte finden. Schnell stand für das Amt des Vorsitzenden – später Präsident genannt – der aufstrebende neue Stuttgarter Oberbürgermeister Karl Strölin fest. Schwerer fiel die Besetzung des Institutsleiters. Die Wahl fiel auf Richard Csaki, ehemaliger Lehrer und Redakteur und aus alter siebenbürgischer Familie. Dieser hielt sich allerdings als Führungspersönlichkeit zurück, ließ den Abteilungsleitern viel Spielraum und gab sein Amt 1941 an den strammen Nationalsozialisten Hermann Rüdiger ab.

Plakat des Stuttgarter Fremdenverkehrsvereins, 1934 / 1938 © bpk – Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin / Dietmar Katz
Plakat des Stuttgarter Fremden-
verkehrsvereins, 1934 / 1938 © bpk –
Kunstbibliothek der Staatlichen
Museen zu Berlin / Dietmar Katz

Das DAI setzte seine Arbeit, wenn auch mit neuer Ausrichtung, nicht nur während des Nationalsozialismus fort, sondern es vergrößerte sich in dieser Zeit sogar erheblich. Hatten dort 1933 noch 52 Menschen gearbeitet, so hatte es bei Kriegsausbruch schon 157 Angestellte. Auch sein Etat stieg zwischen 1933 und 1942 von 300.000 auf 1,4 Millionen Reichsmark und blieb bis 1944 auf hohem Niveau stabil. Zu den bisherigen Geldgebern der öffentlichen Hand – dem Innenministerium, dem Auswärtigen Amt, dem Land Württemberg und der Stadt Stuttgart – gesellte sich ab 1935 das Propagandaministerium.

Die Expansion des Instituts zeigt, wie wichtig das DAI für die neuen Machthaber etwa als Lieferant von Propagandamaterial im Bereich "Auslandsdeutschtum" war. Auch bemühte sich das DAI so erfolgreich darum, staatliche, parteiliche und militärische Organisationen mit ausländischen Presseartikeln zu versorgen, dass sich das Außenpolitische Amt der NSDAP 1934 davon geradezu überschwemmt fühlte. Darüber hinaus hielt das DAI wie schon während der Weimarer Republik Fachvorträge, die sich vor allem an das Militär wandten.

Die Kriegsanstrengungen des DAI

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs steigerte das DAI seine Aktivität noch. Schon am 31. August 1939 begann das Institut, einen "Sonderinformationsdienst" für Wehrmachtsstellen herauszugeben. DAI-Publikationen und Ausstellungen in den besetzten Ostgebieten dienten dazu, die Gebietsansprüche der Deutschen zu legitimieren, wobei Theorien bemüht wurden, die den Osten als sogenannten deutschen Volksboden bzw. Kulturboden beschrieben. Hatte das DAI Deutschtum vor 1933 noch kulturell definiert, so passte es sich immer mehr dem rassistischen Vokabular der Nationalsozialisten an. Auch der sogar räumlich benachbarten Gestapo leistete das DAI willig Amtshilfe, indem es Auskunft über Personen gab, die offizielle Auslandsbesuche planten.

Logo des DAI, 1933 –1945 © ifa-Archiv, Fellbach
Logo des DAI, 1933 –1945
© ifa-Archiv, Fellbach

DAI-Mitarbeiter reisten bis Mitte 1942 selbst häufig in den Osten. Dort verfassten sie nicht nur Berichte über Deutschstämmige, sondern dokumentierten in neutralen oder verbündeten Staaten auch kriegsrelevante Vorkommnisse. Gen Westen, insbesondere auf die USA, richtete sich die Initiative des DAI ebenfalls, das sich bemühte, dort lebende Deutschstämmige ideologisch enger an das Deutsche Reich zu binden und so einen Kriegseintritt der USA zu erschweren.

Auch unmittelbar nahm das DAI Einfluss auf das Kriegsgeschehen, besaß es doch in seinen Archiven Karten, welche die Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Osteuropa darstellten und somit wesentliche Informationen für Umsiedlungsaktionen und Deportationen in den besetzten Gebieten bereitstellten. Bei den Umsiedlungen, nicht zuletzt in der Folge des Hitler-Stalin-Pakts, war das DAI somit intensiv an der Vorbereitung wie an der Auswertung beteiligt und arbeitete eng mit der SS zusammen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein gescheiterter Sabotageakt 1942 in den USA. DAI-Mitarbeiter Walter Kappe, schon 1923 der NSDAP beigetreten, leitete dabei einige Spione an und versorgte sie mit Plänen, um die Aluminiumproduktion in den USA zu sabotieren. Ein Mitglied verriet die Gruppe jedoch direkt nach Ankunft in den USA an die dortigen Behörden. Durch den weiteren Kriegsverlauf zugunsten der Alliierten wurde die Arbeit des DAI schließlich immer weiter eingeschränkt, bis sie 1943 zunächst endete, als es der Volksdeutschen Mittelstelle unterstellt wurde, und bis zur Neugründung 1949 unter heutigem Namen ruhte.

Katja Gesche promovierte 2004 im Fach Politikwissenschaft über Kultur als außenpolitisches Instrument totalitärer Staaten am Beispiel des Deutschen Ausland-Instituts. Sie lebt als freie Journalistin und Schriftstellerin im hessischen Odenwald.

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